Tarapoto zwei

Wenn ich mit den Leuten sprechen, warum die Situation in Peru so schlecht sei, bekomme ich eigentlich immer die gleiche Floskel zu hören: „die Politiker berauben uns, ihnen ginge es nur um Geld, die Korruption ist schuld“. Wenn ich dann frage, warum ihr dann keine anderen Politiker wählt, heißt es, die ganze Politik sei korrupt.

Ich finde das ja ein bisschen einfach und schablonenhaft. Sicher verkaufen die Politiker die Reichtümer und Bodenschätze Perus an ausländische Investoren viel zu billig. Sicher geht es vielen Politikern nur um die Posten, die sie dann zu ihrem eigenen Vorteil und ihrer Freunde und Familie nutzen können. Aber trotzdem, immer nur auf die bestehende Verhältnisse schimpfen, ist mir zu einfach? Das hatten wir doch bei uns auch mal. Man kann sich einfach in die eigene Komfortzone zurückziehen und mit den Fingern auf andere schauen.

Sicher, hier in Peru herrscht eine andere Mentalität, das Fatalistische scheint eine größere Bedeutung zu haben. Aber mir fällt es schwer, über die ganzen Dinge, die kaputt sind, die hässlich sind, die nicht funktionieren, hinwegzusehen. Vielleicht ist das typisch deutsch, aber ich glaube an die Macht der Schönheit. Und ich sehe immer wieder Häuser und Menschen, die mit ihren bescheidenen Mitteln etwas Schönheit produzieren. Sei es dass sie eine graue Wand bemalen, einen Garten anlegen, Blumentöpfe aufstellen. Ich glaube nicht, dass die Armut immer als Ausrede Gültigkeit hat.

Hier ein paar schöne Beispiele:

Politisch nicht korrekt? Mich begleitet ja Andreas Altmann mit seinem Buch „Gebrauchsanweisung für die Welt“ auf dieser Reise. Und da schreibt er:

Das ist kein Drama, eher menschlich. Wichtig nur, dass sich die Feindschaft wieder legt. Dass aus dem Zorn kein Grundgefühl wird. Dass der Swing zurückkommt, die Freude, der Versuch, sich ein weiteres Mal mit der Welt zu versöhnen.

(Altmann, Andreas, Gebrauchsanweisung für die Welt, München 2012 und 2018)

Ändern kann man sowieso nur etwas bei sich selbst.

Hinterlasse einen Kommentar