Kokanbau in Kolumbien – Was haben wir damit zu tun?

Der Koka-Anbau hat uns auf der ganzen Reise durch Kolumbien begleitet. Was wir in Europa damit zu tun haben, schildert eindrücklich der Podcast von ‚11km‘. Er warnt auch eindrücklich vor dem organisierten Verbrechen, das auch in Europa eine große Macht hat und Kolumbien schon lange fest im Griff hat.

Unbedingt anhören.

https://www.ardsounds.de/embed/episode/urn:ard:episode:b56f604861cc04fe

Präsidentenwahl Juni 2026

Am 22.06.2026 wurde in der Stichwahl für das Präsidentenamt der rechtsextreme Abelardo de la Espreilla mit einer hauchdünnen Mehrheit zum neuen Präsidenten von Kolumbien gewählt. Kolumbien reiht sich jetzt in die Reihe der rechten Präsidenten in Lateinamerika ein: Argentinien, Chile, Peru, El Salvador; und ebenso bei den großen USA im Norden. 

Damit steuert das Land auf vier schwierige Jahr zu, wo zu hoffen ist, dass die Errungenschaften der letzten Regierung nicht wieder alle verloren gehen: eine Erhöhung des Mindestlohn, der Versuch der nationalen Versöhnung durch das Prinzip des ‚Totalen Frieden‘ – Paz total, der Landverteilung an ehemalige Guerillakämpfer. 

Trotzdem haben diese Errungenschaften offensichtlich nicht die Mehrheit überzeugen können, obwohl mehr Menschen als je zuvor das Linksbündnis ‚Pacto Historico‘ gewählt haben. Das Konzept des ‚Paz Total‘ konnte das Land nicht befrieden, der Kokaanbau hat einen Höchstwert erreicht genauso wie die Anzahl von Anschlagopfern und politischen Morden. Die Kartelle sind so stark wie nie zuvor. Auch die soziale Situation der Bevölkerung konnte nicht deutlich genug verbessert werden. Letztlich ist die Regierung Petro am eigenen Anspruch gescheitert, auch wenn diese Mammutaufgabe, das Land nach 50 Jahren Gewalt zu befrieden, kaum in vier Regierungsjahren gelingen kann. 

Die Menschen wollen ein Ende der Gewalt, und haben jetzt die Gewalt gewählt: Espreilla will mit harter militärischer Hand gegen Drogenhändler und kriminelle Banden vorgehen. Er habe ‚die dicksten Eier in der Hose‘, um die Aufgabe zu erledigen, posaunt er heraus. Es ist zu befürchten, dass viele Bürgerrechtler, indigene Aktivisten und linke Politiker in guter kolumbianischer Tradition Opfer dieser Politik werden, wie ein Blick nach El Salvador befürchten lässt. 

Ich kann nur hoffen, dass dieses schöne Land die nächsten vier Jahre ohne völlige Spaltung übersteht. Und dass die bevorstehenden militärischen Auseinandersetzungen das Land nicht in einen Bürgerkrieg stürzt. So schlimm es auch ist, ich hoffe dass der militärische Kampf gegen die Kartelle und Drogenmafia, die sich eine illegitime linke Aura gibt, erfolgreich ist, ohne Kollateralschaden in der Zivilgesellschaft. Es scheint ohne Militär nicht zu gehen. Es braucht aber auch die verbindenden Elemente in einem Land mit großer sozialer Ungleichheit. Ich hoffe dass die starke Opposition unter Cepeda ein Gegengewicht bilden kann. 

Ich wünsche sehr, dass Kolumbien die Geisel des Kokaanbaus und der Gewalt überwinden kann. 

Wieder in Hamburg: Gedanken nach der Reise in Kolumbien

  1. Kolumbien ist sehr unterschiedlich: Wir haben das Land von West am Pazifik in Nuqui nach Süd in Pasto und Putumayo, in die Mitte nach Bogotá und Medellin, nach Santander im Nordosten,  nach Osten ins Orinoco und Amazonastiefland, nach Norden an die Karibik und noch einmal zurück in die Mitte in die ‚zona Cafetera‘ bereist. Überall war es anders. Wir haben zum Schluss 20 Orte gezählt, an denen wir gewesen sind, und keiner glich dem anderen: Die Landschaft veränderte sich, die Kulturen, die Wörter für ‚Kaffee‘. Wir haben bewusst nur ein Land für unsere Reise ausgesucht und wurden bestätigt. Die Vielfältigkeit Kolumbiens reicht für ein dreimonatige Reise. Dadurch konnten wir uns bei den meisten Orte auch viel Zeit lassen, meist drei Tage; an einigen waren wir eine Woche. 
  2. Die Menschen in Kolumbien sind sehr freundlich. DAs Grüßen auf der Straße gehört zur Pflicht. Zur Begrüßung gibt man sich die Hand. Es wird immer die Kommunikation gesucht, eingeleitet von einem ‚¿Como Esta? Am Strand von Nuqui wurden wir von den Polizistinnen mit Handschlag begrüßt, in San José mussten wir ein Foto mit der Polizei machen. 
  3. Das Transportmittel in Kolumbien ist der Bus. Und der ist sehr langsam. Für Reisen von Ort zu Ort sollte man immer einen ganzen Tag einplanen, auch wenn nur 150km zurückzulegen sind. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist selten höher als 30km/h. Mittags wird erstmal eine Stunde angehalten und gegessen und Siesta gemacht. Danach kann es weitergehen. Eile und Geschwindigkeit scheint nicht wichtig. Selten fährt der Bus halbwegs pünktlich los. Oft wird darauf geachtet, dass erst alle Sitzplätze belegt sind. Nur einmal haben wir einen Bus verpasst: In Medellin wollten wir nach Jericó fahren, der Bus sollte in 5 Minuten abfahren. Ich habe mich an den Kolumbien-Modus erinnert und mich zur Gelassenheit aufgerufen, und noch zwei Sandwiches bei Subway gekauft. Der Bus war dann weg, und die Ticketverkäuferin  wollte unseren Fahrschein nicht umtauschen. Lehrgeld! 
  4. Die großen Busse fahren eher nur nachts. Minibusse und Vans sind das, was der Name verrät: klein. Wir haben uns meist kaum in die Sitze gequetscht bekommen, die Knie schlugen immer vorne an. 5, 6 oder 7 Stunden in diesen kleinen Dingern ist schon eine Herausforderung. Aber Reisen ist ja kein Luxusurlaub. Wir wollten das alltägliche Leben in einem Entwicklungsland kennenlernen. 
  5. Alexander von Humboldt ist immer noch sehr präsent. Viele Orte, Plätze, Parks und Schulen sind nach ihm benannt. Häufig wurden wir auf ihn angesprochen, als deutlich wurde, dass wir aus Deutschland kommen. So bekannt ist der Geograf in Deutschland nicht. ‚Alles hängt mit Allem zusammen‘ war seine Idee von Ökologie, die als solcher Begriff damals noch nicht existierte. 
  6. Im März wurden im Hamburger Hafen 1,8t Kokain in einem Container aus Ecuador beschlagnahmt. Herkunft: Kolumbien. Was hat Hamburg mit Kolumbien zu tun: Über den Hamburger Hafen kommen große Mengen von Kokain aus Kolumbien nach Deutschland und Europa. Die Geldschwemme, die durch den Kokain-Konsum nach Kolumbien geschwemmt wird, ist das größte Problem des Landes. Wenn so viel Geld im Spiel ist, ist die Motivation, diesen lukrativen Geschäftsbereich zu verteidigen und auszubauen, sehr groß. Und es ist genügend Geld da, um Waffen zu kaufen und den Staat auf allen Ebenen zu korumpieren. Darüber wollte aber kein Kolumbianer mit uns sprechen. 
  7. Der Kampf des Staats, über Verhandlungen zu einem Frieden zu kommen, scheint gescheitert. Die Kampagne des ‚Paz Total‘ von Präsident Petro hat die Narcos eher aufgewertet und mächtiger gemacht. Die Kokainproduktion war im letzten Jahr so hoch wie nie. Ende April wurde ein hinterhältiger Anschlag auf der Panamericana Richtung Popayan verübt, bei dem 20 ältere Menschen in einem Minibus ermordet wurden. Die ersten drei Monate des Jahres 2026 waren die gewalttätigsten seit 10 Jahre, schreibt EL  PAIS. Das waren die Monate, in denen wir Kolumbien bereisten. 
  8. Ende Juni findet die Stichwahl zur Präsidentenwahl statt. In der ersten Runde hat der rechtsextreme Kandidat de la Espriella die meisten Stimmen erhalten. Er rühmt sich im Wahlkampf damit, die „dicksten Eier“ zu haben. Er würde die Gewaltspirale wieder ankurbeln. Es wäre ein Krieg, der nicht zu gewinnen wäre. 
  9. Warum kommt dieses schöne Land mit so vielen freundlichen Menschen nicht voran? Die sozialen Gegensätze bleiben ungelöst, wenige sehr reiche stehen sehr vielen armen Menschen gegenüber. Ein Aufstiegsversprechen, z.B. durch Bildung, gibt es nicht. Für Jungen bleibt als Hoffnung nur der Fußball oder das Geschäft mit den Drogen. Und für Mädchen? 

Abschied von Kolumbien

Ich war drei Monate mit der tollsten Reisebegleitung unterwegs, die ich mir vorstellen konnte. Wir haben uns super verstanden und hatten sogar meist den gleichen Geschmack beim Essen und Trinken. Am letzten Tag haben wir uns dann noch im Kaffeepflücken geübt. Danke für die gemeinsame Zeit in Kolumbien.

Karibik: Isla Fuerte

Nachdem das Auto auf halber Strecke liegengeblieben ist, sind wir mit einem zweiten Auto dann doch in Paso Nuevo angekommen. An der gebuchten Unterkunft erwartet uns eine Baustelle, ein paar Arbeiter schließen uns ein Zimmer ohne Fenster auf. Die Boote nach Isla fuerte sollen neben der Texaco-Tankstelle abfahren. Also schauen wir dort nach. Dort sitzen einige Menschen auf Plastikstühlen, Baumaterial ist gestapelt. Ein Mann spricht uns an, dass er noch 12 Personen zusammenkriegen muss, damit am Nachmittag noch ein Boot nach Isla Fuerte fahren kann. Wir sagen zu und holen unsere Sachen wieder aus der Unterkunft, die sowieso nicht schön war. Wir bekommen auch Plastikstühle zugewiesen. 

Warten auf die Boote

Nach einer Stunde Warten kommen ein paar Bootevom Meer aus angefahren. Einen Anleger gibt es nicht, die Boote fahren rückwärts an den Strand. Wir beobachten die Männer, die die schweren Sand- und Zementsäcke in die Boote tragen. Wir packen unser Gepäck wasserfest ein, so gut es geht. Dann sind wir dran: Die Männer tragen unsere Taschen in das Boot, wir waten durch das Wasser und klettern an Bord. Schwimmwesten an uns schon gehts los, 12km über das offene Meer. Wie angekündigt wird es wellig und nass. Der Kapitän führt uns sicher durch die Wellentäler und Berge. Wir werden direkt ins Hotel Fuerte Mayal gefahren. Von Paso Nuevo aus hatte ich bei dem Hotel angerufen, ob wir schon einen Tag früher kommen könnten. Später stellt sich heraus, dass die Köchin und Haushälterin auch erst angerufen werden musste und parallel zu uns auf die Insel gefahren ist. 

An der Texaco-Tankstelle fahren die. Boote nach Isla Fuerte ab

Wir sind fünf Nächte allein im Hotel auf Isla Fuerte und werden mit tollem Fisch von der Haushälterin bekocht. Wir gehen dreimal täglich Schwimmen, hängen in der Hängematte und schauen aufs Meer und lesen, und machen Yoga. Von unserem Zimmer aus können wir morgens vom Bett aus die Kolibris die Blüten anzapfen sehen. 

Die Blüten werden von den Kolibris gerne besucht
Der Strand auf Isla Fuerte

Unsere Wanderung führt uns über das Inseldörfchen Puerto Limon an den grüßten Strand, Playa San Diego, von wo aus wir an der Küste weiter nach Norden wandern. Sie ist wild und nicht aufgeräumt, Palmenstämme liegen herum, Treibgut und Fischerboote liegen am Strand. Dazwischen die scharfen Korallen in allen Formen. Zwischen den Stränden machen die Mangroven das vorankommen schwierig. An der Nordspitze der Insel kommen wir zu einem Hotel aus Holz, das allerdings nicht bewirtschaftet scheint. Gerade rechtzeitig zum Unterstellen, weil sich der Himmel in einem tropischen Regenguss entlädt. Außer ein paar Hühnern und einem Mann, der alleine an einem Anleger arbeitet, ist niemand zu sehen. 

Der Strand ist wild

Die Regenwolken verziehen sich, und wie es in den Tropen üblich ist, kommt schnell die Sonne wieder heraus, um alles zu trocknen. Wir finden den Weg zurück ins Inselinnere und wandern an leidlich bestellten Bananenplantagen vorbei. Nach nur kurzer Zeit erreichen wir die andere Seite der Insel (sie ist auch nur 2x3km groß) und gehen in einer Bucht schwimmen. 

Suche nach dem Weg in den Mangroven

Unser Versuch, durch die Mangroven die Nordspitze der Insel zu erreichen, scheitert an dem sumpfigen Morast. Wir kommen einfach nicht weiter und müssen umdrehen. Die Nordspitze umfahren wir dann auf einer Schnorcheltour, die wir gebucht haben. Wir werden vor der Insel zu Wasser gelassen und können uns die Unterwasserwelt und die Korallen in geringer Tiefe anschauen. Anschließend fahren wir durch die hohen Wellen an der Nordspitze, die das Boot herumhüpfen lässt. Wir haben zum Glück nur Schwimmsachen an. So kommen wir mit dem Boot noch einmal um die ganze Insel. 

Die kleinen „Lanchas“

Die Rückfahrt treten wir auf einer vollbepackten Lancha an: Das Boot liegt so tief, dass ständig das Wasser rein spritzt. Wir haben nur die Badesachen an und die Wechselkleidung in wasserfesten Säcken. Nach wenigen Minuten sind wir völlig durchnässt, obwohl wir an der wind- und wellenabgewandten Seite sitzen. Das Festland ist zuerst nicht zu sehen und taucht erst mit zwei Sendemasten auf. Beruhigend ist der Gedanke, dass der Bootsführer die Strecke mehrmals am Tag fährt. 

Wir erreichen wohlbehalten den Strand in Paso Nuevo und waten an Land. Es steht auch schon ein Fahrzeug bereit, dass uns nach Lorica fahren will. Der Fahrer muss allerdings erst die Stauden Bananen umpacken, um unser Gepäck unterzubringen. Mit einem jungen Paar aus Bogotá fahren wir dann los. 

Die durch den Sturm zerstörte Brücke

Die Weiterfahrt im Bus nach Necoclí wird dann langwierig. Ein vollbepackter VW-Transporter fährt mit uns los, in dem die Sitze für uns große Europäer viel zu klein sind. Auch in den Gängen stehen die Koffer. Schon gleich am Anfang fährt der Bus einen Umweg. Später erkennen wir warum: Alle Brücken sind bei den Unwettern im Februar unpassierbar geworden. Ein Tiefdruckgebiet aus Kanada ist bis in die Karibik vorgestoßen. In San Juan de Urabá wurde die ganze Böschung an der Brücke weggespült und mehrere Ponton-Fähren ermöglichen die Überfahrt über den Fluss. So brauchen wir für die 150km sechs Stunden, bis wir erschöpft in Necoclí am Golfo de Urabá ankommen. 

In Necoclí wollen wir eine Nacht bleiben, um am nächsten Morgen mit dem Boot den Golfo de Urabá nach Capurganá zu überqueren. Der Ort ist ein freundlicher Urlaubsort. Aber gleich laufen neben mir zwei Soldaten mit dem Maschinengewehr im Arm. Necoclí ist der Ursprungsort der Todesschwadronen der 90er und 00er Jahre, den ‚Grupos Autodefensas‘. Diese gingen mit großer Gewalt gegen die FARC-Guerilla und vor allem gegen die Bauern vor, die sie vermeintlich unterstützten. Viele Campesinos wurden ermordet oder vertrieben, heute breiten sich dort weitläufige Rinderfarmen von Großgrundbesitzern aus (Quelle: Coco, Reiseführer Kolumbien). 

In Necoclí muss man eine Hafensteuer bezahlen

Nach der Auflösung der ‚Autodefensas‘ bestimmt heute der ‚Clan del Golfo‘ die Region, die letzte große illegale Kokain-Organisation mit Verbindungen zu den mexikanischen Kartellen (Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Clan_del_Golfo, 26.04.26). Zum Glück bekommen wir von alledem nichts direkt mit. Aber wir müssen davon ausgehen, dass alle Hotels oder die Reedereien Schutzgeld bezahlen müssen. 

Karibik – Zapzurro, Golfo de Urabá

Die Wellen schlagen über uns zusammen. Unter uns in nur 30cm Tiefe liegen die scharfkantigen Korallen, und wir müssen aufpassen, dass wir von den Wellen nicht an die harten Kanten geschleudert werden. Bunte Fische tummeln sich in den Korallen, die vielen kleinen Löcher bieten ihnen Unterschlupf. Ein Anblick wie in einem Aquarium, auch wenn das Wasser etwas trüber ist. 

Korallen

Wir sind am Cabo de Timburón (Haifisch) in Zapzurro, einem kleinen Dorf am nordwestlichen Zipfel von Kolumbien am Golfo de Urabá. Die Grenze nach Panama liegt oben auf dem Bergkamm. In einer kleinen mit Palmen bestandenen Bucht Schnorcheln wir. Wir sind alleine. Wenn das Meer nicht soviel Müll angeschwemmt und die Besucher ihre Plastikflaschen wieder mitgenommen hätten, wäre es eine Traumbucht. Vom Meer aus beim Schwimmen und Schnorcheln sieht man zum Glück nur die grünen Palmen. 

Der Strand am Cabo Timburón

Und ich denke: hier kommst du nie wieder her, das wirst du nie wieder sehen. In meinem Alter soll man sich über die Endlichkeit des Lebens bewusst sein. Der Spruch gilt jetzt hier besonders. 

Wir sind am Westufer des Golfo de Urabá, hierher gibt es keine Straße. Man fährt von Necoclí mit einem Schnellboot zwei Stunden über den Golf, eine nasse und schaukelige Angelegenheit. Von Capurganá geht es weiter in einer kleinen ‚Lancha‘, die sich wacker gegen die hohen Wellen kämpft. Die Sachen sind wasserfest eingepackt, aber ein mulmiges Gefühl bleibt doch, wenn der Fahrer den richtigen Winkel zu den Wellen nehmen muss. Nach einer halben Stunde biegen wir in die ruhige Bucht von Zapzurro ein, der letzte Ort in Kolumbien am norwestlichen Ende, kurz bevor geografisch Mittelamerika beginnt. 

Bucht von Zapzurro

Wir bleiben 6 Tage in Zapzurro, um nochmal volles Karibikleben kennenzulernen. Das Leben tickt hier anders als an anderen Orten. Wir kommen in der ‚Esquina del Mar‘ auf Empfehlung unter, aber das Hotel hat seine beste Zeit schon hinter sich. Die Bilder im Internet sind schon etwas älter. Den Renovierungsstau an den Gebäuden sehen wir im ganzen Ort. Alle Materialien müssen hierher mit dem Boot gebracht werden, jeder einzelne Ziegelstein mit der Hand ausgeladen werden. Für viele hier ist das morgendliche Bier oder die Hängematte attraktiver als die Arbeit. Mit den nächtlichen Regengüssen schwemmen die Bäche die Abwässer direkt neben dem Strand und unserem Hotel ins Meer. Eine Kläranlage scheint es nicht zu geben, so dass der Abwassergeruch uns begleitet. Vor unserem Balkon kommt täglich jemand, um den Haufen Abfall, der sich nebenan auf einem leeren Grundstück befindet, anzuzünden, was aber selten gelingt. So schwelt der Haufen einfach vor sich hin und produziert ordentlich Qualm. 

Der Stand von Zapzurro

Schon morgens geht in der nachbarlichen Kneipe die Musikanlage an. Sie beschallt die ganze Straße. Der Besitzer hofft auf die ersten Biergäste. Aber wird sind sowieso schon ab 6 Uhr wach, weil wir früh schlafen gehen. 

Von Capurganá aus startet der Fluchtkorridor für Menschen aus aller Welt, die sich von Südamerika in Richtung USA zu Fuß aufmachen. Sie müssen 5 Tage durch den Urwald des Darién laufen, dauernd bedroht von bewaffneten Banden, die Schutzgeld erpressen, und den Gefahren des Urwald mit Spinnen, Schlangen, Moskitos und Starkregenfällen. Wir schauen uns Videos über den ‚Darién-Gap‘ an, und sind ganz traurig, wissend, dass sie nicht in den USA aufgenommen werden. Nachts prasselt der Regen auf unser Blechdach, schrecklich die Vorstellung, dass die Flüchtlinge bei diesen Bedingungen im Wald hocken. 

ARTE-Dokumentation

Wir erleben hier in Zapzurro die authentische Karibik Kolumbiens. Im Departamento Chocó sind die Orte sehr arm, und auch der Tourismus scheint nicht für etwas mehr Wohlstand auszureichen. Dafür fehlt die Straßenanbindung. Also bleibt der Teufelskreis aus Armut, geringem Umweltbewusstsein und wenigen Möglichkeiten.

Kokospalmen-Setzlinge werden ausgeladen

Der Urwald geht bis ans Wasser herunter. Keine Hochhäuser, keine großen Hotels. Nur Wasser und Natur. Der Wanderweg nach Capurganá führt uns in den Regenwald, wo wir sogar eine Affenfamilie beobachten können. Der Weg führt durch tollen Regenwald, von einem Aussichtsturm kann man die Bucht von Capurganá und Zapzurro überblicken. Am Wasserfall Diana sind wir ganz allein im Regenwald. Wunderschöne Schmetterlinge kreisen um das fallende Wasser. 

Auf dem Weg zur Cascada Diana

Am Cabo Timburón schnorcheln wir an einsamen Stränden. Nur einzelne andere Touristen kommen hierher. Hier kommt dann echtes Karibik-Feeling auf. Aber ist dieses Gefühl nicht nur eine Illusion oder eine Projektion? Das Bild, was sich der Europäer von der Karibik erhofft? 

Strand am Cabo Timburón

Wir steigen die Treppen in Richtung Panama hoch. Oben auf dem Kamm ist die Grenzstation (der einzige offizielle Übergang zwischen Kolumbien und Panama). Zwei Fahnen, die Nationalwappen und keine Grenzbeamten. Auf der panamaischen Seite liegt La Miel, ebenfalls ein isolierter Ort ohne Straßenzugang, ähnlich wie Zapzurro. Die Attraktion ist der Duty-Free-Shop. Gerade werden aus einem Seelenverkäufer die Kartons und Getränkekisten ausgeladen. Per Hand werden sie auf eine ‚Lancha‘ verfrachtet und am Strand in das Lager getragen. Der Shop ist eine riesige Halle mit großen Schnaps und Parfum-Regalen, voll klimatisiert. Man tritt ein und betritt eine andere Welt. Außer uns ist niemand im Laden. 

Das Lager des Duty-Free-Shops wird wieder gefüllt

Die südöstliche Seite der Bucht von Zapzurro ist dann leider wieder etwas trostlos. Es gibt einen Weg, aber man läuft durch ein Meer von angeschwemmten Plastikflaschen.  Am Ende des Weges hat man einen tollen Blick auf die Brandung an einem neu errichteten Glamping-Platz, aber Baden kann man nicht. Das holen wir vor dem ‚Cafe del Mar‘ nach, wo wir später noch phantastischen Fisch essen werden. Das Schnorcheln ist hier allerdings ernüchternd: wir merken schon, dass das Wasser hier besonders warm ist. Der Blick unter die Wasseroberfläche zeigt abgestorbene Korallen. Die weißen Reste bedecken die noch halbwegs lebenden roten Korallenkissen. Aber auch diese sind dem Untergang geweiht. Den steigenden Meerestemperaturen sei dank. 

Dir Bucht von Zapzurro Richtung Café del Mar

Am Dienstag steigen wir nach einer Woche in das Motorboot, das uns zum Flughafen nach Acandī bringen soll. Wir haben viel tolle Natur, palmenbestandene Strände und Schnorcheln im badewannenwarmen Wasser erlebt. Aber wir haben auch das Leben mit Armut, die Umweltverschmutzung, die absterbenden Korallen gesehen. Die Karibik mit den Traumstränden scheint nur eine Touristenphantasie zu sein. Die Realität haben wir in den letzten Tagen anders erlebt.

Morgenstimmung mit dem Blick von unserem Balkon

Die ‚Lancha‘ legt dann in Capurganá ab, aber nach 5 Minuten bekommt der Kapitän einen Anruf. Wir drehen um, es fehlt noch ein Passagier. Es werden Witze gemacht, dass das Abholen 20.000$ extra kostet. Als wir wieder los sind, gibt es wieder einen Anruf, gleiches Procedere. Diesmal macht die junge Frau ihre Verspätung mit einem breiten Lächeln wett. Die anderen Passagiere werden nervös, ob sie das Flugzeug noch erreichen. Aber wir sind rechtzeitig in Acandí. 

Die Bucht von Zapzurro

Wir verlassen die Karibik in einer winzigen Maschine von einem sehr kleinen Flugplatz und haben eine tolle Sicht auf den Golf von Urabá mit dem Delta des Urabá, dem Nationalpark Paramillo, die Cauca-Fluß und dem Anflug auf Medellin zwischen den Bergen hindurch.  

Flugplatz in Acandí

Amazonica: San José del Guaviare

Wir besuchen das Museo del Oro in Bogota. Nachdem wir von dem ganzen Gold und dem Schmuck aus der vorkolonialen Zeit ganz überwältigt sind, gehen wir noch mit der letzten Aufmerksamkeit in das Untergeschoss des Museums, wo eine Sonderausstellung über Wandmalereien an Felsen in der Serrania de Lindosa im Bundesstaat Guaviare im Orinoco/Amazonica-Tiefland ausgestellt ist. Nach dem Rundgang war klar: Da müssen wir hin. 

Die Serrania de Lindosa in der Ausstellung im Museo de Oro

Wir sind zwar erst nach Santander in den Norden von Bogota gefahren. Doch dann sind wir nochmal südwärts von Bucaramanga über Bogotá nach San José de Guaviare geflogen, auch weil die Osterwoche an anderen Orten er sehr voll werden würde. Ostern ist eines der Hauptreisezeiten in Kolumbien. 

Angekommen im San José del Guivare: Die Regenwolken türmen sich schon auf

Beim Aussteigen aus dem Flugzeug auf dem sehr kleinen Flugplatz von San José schlug uns gleich die Hitze Amazoniens ins Gesicht. Wir wollen eine Woche bleiben, und das Wetter war wie aus dem Lehrbuch über den Regenwald: Dicke Quellwolken hängen über dem Himmel, manchmal zeigt sich die Sonne, am Nachmittag verdunkelt sich der Himmel und um 15 oder 16 Uhr fängt es ergiebig an zu regnen. So sitzen wir am ersten Nachmittag schon im Café und schauen zu, wie das Wasser durch die Straßen fließt. 

Cañon del Jaguar

Wir vertrauen uns während der Woche der Agentur von Andres an, der uns zu den Sehenswürdigkeiten der Region führt. Wir werden morgens am Hotel abgeholt, haben ein Morgenprogramm, dann gibt es irgendwo Mittagessen, und dann noch einen Nachmittagsziel, meist mit Schwimmen oder Baden.

Die Kanufahrt zur Laguna Negra, einen Altarm des Rio Guaviare

Diese Orte haben wir besucht:

  • Cañon del Jaguar
  • Pozos Naturales
  • Puerta de Orion
  • Laguna Negra
  • Cerro Azul
  • Mit dem Boot über den Rio Guayabero zu den Pinturas Raudal 
  • Pinturas Nueva Tolima und Túneles
Puerta de Orion

Wir sind hierher gekommen, um die Wandmalereien zu sehen, die im Museo de Oro ausgestellt waren. Die Wandmalereien von Chiribiquete sind schon etwas länger geschützt, und komplett gesperrt als Nationalpark. Man darf nicht einmal mit dem Flugzeug darüber fliegen. Von den 25 bemalten Wänden in Lindosa hat man sich entschieden, vier für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um ein Verständnis für diese wichtigen Kulturgüter zu schaffen und die anderen Wände zu schützen. Diese sind nur für Wissenschaftler zugänglich.  

Felsmalereien am Cerro Azul

Die Altersdatierung auf ca. 11.000 Jahre vor Chr. basieren auf Vermutungen. So sind auf den Wänden Tiere abgebildet, die längst ausgestorben sind, wie zum Beispiel der Mastodon oder das Mammut. Die Zeichnungen wurden auf das Ende der letzten Eiszeit hin datiert, wo das Klima auch am Äquator etwas kühler war. 

Die Wand von Raudal: Die Vierecke mit den vielen Punkten weist auf eine Freude am Addieren hin

Die Zeichnungen waren nicht nur Kunst, sondern auf Kommunikationsmittel. Die Menschen, die diese Zeichnungen erstellt haben, lebten nomadisch. So haben die vorbeiziehenden Gruppen ihre Zeichnungen auf den Wänden zu unterschiedlichen Zeiten hinterlassen, die auch der Bezehung wischen den Stämmen diente.

 

Das Alter der Farbstoffe kann leider nicht mit der Carbon 36-Methode ermittelt werden, weil sie aus stark verarbeiteten Stoffen bestehen

Die Wandzeichnungen in Lindosa und Chriribiteque gehören zu den weltweit wichtigsten prähistorischen Malereien. In Lindosa wurden sie erst nach 2016 nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und der FARC entdeckt, weil das Gebiet von Guaviare in Guerillahand war und nicht betreten werden konnte. Auch heute gibt es noch Rebellengruppen, die die sich nicht an das Friedensabkommen halten und weiter sich vom Drogenanbau und -handel, Schutzgeld und Schmuggel finanzieren. Erst im Januar kam es zwischen rivalisierenden Gruppen zu einem Massaker. 

Der Blick über den Regenwald mit der Serrania de Maccarena im Hintergrund. Von unten drang das Geschrei der Brüllaffen herauf

Trotzdem wird in diesem Gebiet sehr viel auf die Entwicklung durch den Tourismus gesetzt. Man hofft, durch den Tourismus den jungen Menschen eine Perspektive im Departamento Guivare zu geben, dass sie in ihrer Heimat bleiben können. Das Gebiet befindet sich noch immer in der Transformation aus der Zeit der Gewalt in eine friedliche Zukunft. Die Losung des Präsidenten ist: Paz Total, völliger Frieden. Es war richtig zu merken, wie wir als Touristen willkommen geheißen wurden. Bis auf einen Franzosen haben wir allerdings keine anderen ausländischen Touristen getroffen.  Auf der Plaza Principal wurden wir bei einer Kulturpräsentation gleich angesprochen als auslöndische Touristen, ich wurde gleich zu einem Interview eingeladen, Kathrin von einer Indigena geschminkt. Mehrfach wurde vom Kommentator ausgerufen, dass sie auch Besucher aus Deutschland hätten. 

Bei einem Kulturfest auf dem Plaza Principal in San José wurden wir als internationale Touristen besonders beachtet

Wir hatten das Gefühl, dass das Geld, was wir hier in der Region lassen, der Entwicklung zugute kommt. Unser Guia Andres hat aufgezählt, wieviele Menschen von den Exkursionen profitieren. Die touristischen Punkte wurden alle von sehr jungen Leute verwaltet und die Kulturgüter geschützt. 

Nach einer Woche in San José del Guaviare sind wir ganz beseelt zurück nach Bogotá geflogen. Nach sechs langen Exkursionen haben wir das Gefühl, besondere Orte gesehen zu haben. Dabei hatten wir auch den Eindruck, dass der Tourismus etwas zur Entwicklung des Amazonasgebiets beiträgt. Wir haben die Setzlinge gesehen, die zur Wiederaufforstung gerodeter Flächen gezogen wurden. Die touristischen Organisationen setzen sich bei den Bauern für die Ausweitung der Schutzzonen in der Natur ein. Hier war der Ort, Tourismus etwas bewegen kann.

Sonnenuntergang am Rio de Guaviare
San Jose liegt am westlichen Rand des Guayana-Schilds, eines der ältesten Gesteinsformationen der Erde, ca. 1,6 Mrd Jahre alt. Typisch sind hier die Tafelberge

Tatacoa

Die rote Tatacoa

Nein, es ist keine Wüste. Obwohl sie ‚Desierto‘ heißt, Desierto de Tatacoa. Sie ist aber heiß, sehr heiß. Wir sitzen im Schatten eines Baumen, und es ist zu heiß zum lesen. Ein Sprung in den Pool wäre auch keine Abkühlung. Kathrin kann sowieso nicht schwimmen, weil sie sich am Vorabend einen Riss im Oberschenkel zugezogen hat, als die kleine Hollywoodschaukel zusammenbrach, auf der wir saßen. 

Es wird über 40 Grad heiß

Am Vormittag sind wir mit dem TucTuc von Claudia in die Tatacoa gefahren. Es ist keine Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald, der sich durch die Auffaltung der Ost-Kollidiere in einen Regenschatten verwandelt hat. Trotzdem fallen noch mehr als 1000mm Regen pro Jahr, mehr als in Hamburg. Durch die hohe Durchschnittstemperatur bleibt die Verdunstungsrate aber höher als der Niederschlag. Der Regen hat skurrile Gesteinsformationen geschaffen: Hohe Gesteinstürme, ‚etorakes‘, die von Zeit zu Zeit einstürzen.  Wir wandern mit unserem ‚guia‘ durch ein rotes Gesteinslabyrinth, in der nur Akazien und Kakteen wachsen. 

„Etorakes“

Die Tatacoa ist in den roten und den grauen Teil untergliedert, benannt nach den Farben der Gesteine. Wir erfahren, dass sie ursprünglich von einem prähistorischen Regenwald bedeckt war, was Fossilienfunde belegen. Große Pflanzenfresser wie der ‚Toxodonte’ legen nahe, dass vor 13 Millionen Jahren hier große Mengen an Grünfutter vorhanden sein mussten, um die vorzeitlichen Tiere zu ernähren. (1) Der Blick über das karge Land zwischen den beiden Anden-Bergketten ist beeindruckend.  Zerklüftete Formationen, die der Regen geschaffen hat. 

Tatacoa ist keine Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald

Villavieja ist das kleine kolonial geprägte Städtchen am Eingang der Tatacoa. Wir wandern die wenigen Kilometer dorthin und erkunden die niedrigen, einstöckigen Kolonialhäuser. Die Eingangstüren geben den Blick auf den weiten Patio frei, der sich hinter jeder Fassade befindet. 

Der Magdalena, der längste Fluss Kolumbiens

An der Menge der Bierflaschen auf den Tischen erkennt man, dass es Sonntag ist. Aus den Kneipen dringen theatralische ‚Ranchero‘-Lieder, die Bierflaschen werden nicht abgeräumt. Eine Gruppe Männer versucht einen angetrunkenen Kumpel hinten auf ein Motorrad zu hieven, was er selber nicht mehr schafft. 

Wir sitzen am Magdalena-Ufer, schauen auf die kleine Fähre mit dem Außenborder, die Personen und Motorräder über den größten Fluß Kolumbiens transportiert. Morgen wollen wir auch die Fähre nehmen, um auf der anderen Seite in Apia den Bus in Richtung Bogotá zu nehmen. Wir wissen noch nicht genau, wie weit wir unsere Koffer auf der Piste zur Bushaltestelle ziehen müssen. Am Zentralplatz sprechen wir Claudia an, dass sie uns morgen um 6.30 Uhr am Hotel abholt und uns zur Fähre bringt. 

Die graue Tatacos

Es ist heiß in Tatacoa. Wir gehen nicht mehr unter den Baum zum lesen, sondern in unsere „Hütte“ und schalten die Klimaanlage an. Das Blechdach lässt die Hitze richtig sammeln. Auch nachts müssen wir die Klimaanlage laufen lassen. In der Hütte gegenüber macht man Wochenende auf kolumbianisch: Mehrere Leute schließen die Hütte und setzen sich bei lauter Musik in den Jacuzi und trinken Bier. 

Wir entschließen uns, einen Tag früher nach Bogotá zu fahren. Zu unserer Überraschung können wir die große Hitze gar nicht mehr zu gut ab. Morgens regnet es, die Piste ist voller Pfützen und verschlammt.  Claudia holt uns mir ihrem TucTuc ab. Sie rät uns, nicht mit der Fähre über den Magdalena zu setzen, weil es unsicher ist, wie die Piste auf der anderen Seite aussieht und ob es dort Motorräder gibt, die uns zum ‚Terminal‘ bringen. Unsere Rolltaschen wollen wir nicht durch den Schlamm ziehen. Also entscheiden wir uns, mit dem ‚Kleinbus‘ nach Neiva zu fahren, um den dort abfahrenden Bus zu nehmen, ein Umweg von zwei Stunden. 

Leguan am Plaza Principal in Villavieja

Ich lasse mich gleich von einem Mann ansprechen, der uns zu einem Schalter bringt, wo ich eine Fahrkarte nach Bogotá kaufe. Ich versäume es leider nach der Geschwindigkeit des Bus zu fragen. Wir haben offenbar einen sehr langsamen Bus bekommen, unterwegs überholen uns immer wieder die großen schnelleren Busse. Unser kommt selten über 70km/h. In Bogotá stehen wir noch 2 Stunden im Stau, bis wir den Terminal Salitre erreichen. 

(1) https://elexpreso.co/hoy/hallazgo-historico-revela-nueva-especie-prehistorica-en-el-huila/

Lage der Tatacoa

Kaffeezone (Gastbeitrag von Kathrin)

Salamina

Nach fast 8 Stunden Busfahrt von Medellin (150km) sind wir in Salamina angekommen. Der Bus war alt, eng und voll. Doch nachdem wir die Stadtgrenze nach ca. einer Stunde erreicht haben, wird die Fahrt landschaftlich spannend und immer schöner: wir befinden uns in den Andenbergen der westlichen Cordillera Central.

Salamina

An Salamina müssen wir uns erstmal wieder gewöhnen. Unsere Unterkunft Hotel Colonial liegt am Parque Bolivar, Hauptplatz des Ortes mit 30.000 Einwohnern. Unser Zimmer ist groß, wir haben die Suite. Das Haus ist aus der Kolonialzeit und schon etwas in die Jahre gekommen. Die Belegschaft ist nett, beim Frühstück gibt es eine fleischlose Variante. Abends bei der Suche nach einem Restaurant merken wir schnell, dass hier der Fleischkonsum überwiegt. Aber es gibt, wie schon am Pazifik, großartigen  Fisch, besser als je zuvor gegessenen! Leider ist die Umgebung des Hotels sehr laut : hier am Hauptplatz ist Treffpunkt für jung und alt, besonders am Abend zum Feiern in den Bars. Und feiern heißt hier, dass die Musikvideos der kolumbianischen Musiker lauthals mit gegrölt werden. Es klingt furchtbar und ist echt laut, wenn man schlafen will. 

Tagsüber versuchen wir Wanderwege zu finden, leider erweisen sich die Angaben in der Alpenvereinskarte nur als Gerüchte. Wir laufen stattdessen kleine, sehr steile Straßen, versuchen uns aber auch im Gelände und landen auf matschigen Rinderwiesen.  

Der Kaffee muss bewacht werden

Am letzten Tag machen wir einen Ausflug ins Valle Samaria zu einem der wenigen Wachspalmenstandorten in Kolumbien. Diese bis zu 60m hohen Palmen gibt es nur in Kolumbien, und auch hier nur an wenigen Stellen. Sie sind sehr beeindruckend und hier in der Nähe von San Felix gibt es ein Aufforstungsprogramm für die aussterbende Palmenart. Um in das Tal zu kommen, fahren wir mit einem Willy (Jeep), vor Ort essen wir lecker vegetarisch und auf der Rückfahrt regnet es heftig. Ein sehr gelungener Ausflug!

Landschaft bei San Felix

Am nächsten Tag geht es in der Frühe mit dem Bus über Manizales nach Marsella.

Marsella

Nach insgesamt fünf Stunden Busfahrt, mit einer langen Pause am Busterminal in Manizales, kommen wir in Marsella an. Die Landschaften waren großartig, die Straße gesäumt von Bananen, Kaffeepflanzen, Regenwald und steilen Hängen sowie einzelnen Hütten, Ställen, Fincas und kleinen Ortschaften. Je südlicher und tiefer wir kommen, desto breiter sind die Seitentäler und die Kaffeeanbauflächen mehren sich. 

Kleinbus bezieht sich auch auf die Beinfreiheit

Mit Marsella erwartet uns ein kleiner Ort, der noch nicht auf Tourismus ausgerichtet ist. Wenn Touristen kommen, dann als Tagesausflug aus Pereira. Am Nachmittag schlendern wir über und um den Hauptplatz, haben ein Cerveza, suchen ein Restaurant und scheitern. Keine Flexibilität beim Speisenangebot, alle Gerichte nur mit Fleisch. Wir kaufen uns letztendlich Arepas, Tomaten, Schmierkäse und ein paar Nüsse. Zwei Cervezas runden das Mahl ab, welches wir im Hotel zubereiten können. Hotel Carmen ist eins der wenigen Unterkünfte im Ort, die Buchung klappt über die Google Maps Angaben. 

Am nächsten Tag erkunden wir im Ort den Botanischen Garten namens Alexander von Humboldt. Er ist schön angelegt und wir sind allein unterwegs. Vögel sehen wir leider nur wenige, dafür eine Art Murmeltier, jedoch viel größer als in den Alpen und weniger scheu.

Nach einer kleinen Mittagspause bei Regen, ziehen wir bei Sonnenschein noch mal los und erklimmen einen Aussichtspark am Rande der Ortschaft. Der Park ist schön angelegt und die Aussicht auf Marsella toll. Auch der skurrile Friedhof, den wir  am Vormittag noch besichtigt haben, ist zu sehen. Die Mauern des Friedhofes erinnern an die Mauern einer Schloss-Einfriedung. 

Nach der Wanderung finden wir noch ein Restaurant, was uns kurz vor vier Uhr noch ein Mittagsmenü serviert und auf unseren Wunsch nach einer fleischlosen Variante eingeht. Es war lecker und hat zusammen 10€ (40.000 COP) gekostet. 

Marsella

Noch ein Kaffee am Zentralplatz, dem Parque Bolivar, ein Cerveza zum Abschluss, und dann ins Hotel zum Packen. Wir wollen morgen um 7:00 Uhr den Bus nach Santuario nehmen, müssen dafür aber erst nach Pereira.  Von Santuario geht es noch weiter nach San Rafael, eine Parkverwaltung mit Unterkunft am Rande des Nationalpark Tatamá, wo wir etwas länger bleiben wollen. Es soll dort geführte Wanderungen in den Nebelwald geben.

Santuario

Santuario, ein kleiner Ort an der östlichen Flanke der Cordillera Occidental, nördlich von Pereira. Hier buchen wir uns in eins der beiden Hotels ein und als wäre  der Partykrach am Hauptplatz von Salamina nicht gewesen, entscheiden wir uns für das schöne Hotel Santuario Plaza. Der Name verrät es bereits, es liegt am Dorfplatz. Und wieder hält sich unser Irrglaube, dass am Sonntag sicher früh abends Ruhe einkehren wird. Nein, natürlich nicht. Am Nachmittag ein buntes Treiben mit Ehrung des Kolumbianischen Rennradfahrers William Colorado, der sich den Straßentitel der U 20 in Kolumbien gesichert hat, und in Santuario geboren wurde. Ein regionaler Nationalheld. 

Der junge Mann mit dem Hut ist William

Außerdem gibt es einen Nachmittagsgottesdienst und eine Beerdigung. Die finden wohl gerne, oder generell (?) am Sonntag statt, das haben wir in Salamina schon erlebt. Wir wandern noch etwas aus dem sehr kleinen Ort heraus, der Weg/die Straße geht extrem steil abwärts.  Auf 1,5km gilt es auf dem Rückweg wieder 200 hm heraufzusteigen. Nach einer Dusche gehts zum Essen, danach noch ein bisschen Bar-Hopping am Platz und dann mit dem Glauben, eine ruhige Nacht zu haben, ins Bett.  

Kaffee

Kaum liegen wir, geht es mit der kolumbianischen Karaoke los: je später der Abend, desto lauter die Gesänge. Die Oropax werden tiefer in die Ohren gestopft und irgendwann nach Mitternacht ist  der Spuk vorbei. Zum Glück bleibt der Verkehrslärm hier aus, der uns in Salamina fast noch mehr den Schlaf geraubt hat.  Die Nacht ist für mich um 6:30 Uhr vorbei. Aus der Kirche vis a vie erschallt aus dem Lautsprecher ein Ave Maria, das im gesamten Dorf zu hören ist. Völlig schräg! Anstatt weiter zu schlafen, plane ich am iPad unseren Aufenthalt im südlichen Teil Kolumbiens – muss ja auch mal sein. 

Kaffee-Setzlinge

Gegen Mittag starten wir eine Wanderung ins angrenzende Tal, auf dem Rückweg entlang der Straße lassen wir uns vom Bus mitnehmen. Der Mittagsregen setzt ein, kurz und kräftig. Abends wird gepackt, morgen geht es nach Pereira als Ausgang unserer Los Nevados Tour. 

Santuario

Fazit: Santuario ist der dritte Ort in der Zona Caféteria und auch hier sind wir so ziemlich die einzigen europäischen Touristen. Es ist alles 100% authentisch hier, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, und an den permanenten Geräuschpegel gewöhnen wir uns langsam. Als Ausgleich leisten wir uns immer mal wieder geführte Touren in die Natur. 

Fin del Mundo

Am Eingang zum Track „Fin del Mundo“

Von Pasto sind wir über die Cordillera Central nach Putomayo in das Amozomas Tiefland gefahren. Die Straße wird auch „Trampolin del Muerte“genannt. Zwei Stunden ging es über eine abenteuerliche Piste über die Berge, doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Jetzt sind wir am Rande des Amazonas-Tiefland. Unsere erste Wanderung führte uns zum Wasserfall „Fin del Mundo“, der sich 80m in die Tiefe stürzt. Von dieser Wanderung gibt es diesmal eine Fotostrecke als Inspiration.

Diese Blüte heißt beso negro (schwarzer Kuss)
Der Weg führte über sehr glitschige Felsplatten
Mehrmals musste der Fluss überquert werden
Wir tauchen in die Tiefe des Regenwalds ein
Auf dem Weg zum Wasserfall
Der „Pozo Negro“
Der Wasserfall Fin del Mundo stürzt 80m die Tiefe
Mit Seil gesichert sitzen wir am Rand des Wasserfalls
Große Ameisen begleiten uns, von denen man sich besser nicht beißen lässt