Am 22.06.2026 wurde in der Stichwahl für das Präsidentenamt der rechtsextreme Abelardo de la Espreilla mit einer hauchdünnen Mehrheit zum neuen Präsidenten von Kolumbien gewählt. Kolumbien reiht sich jetzt in die Reihe der rechten Präsidenten in Lateinamerika ein: Argentinien, Chile, Peru, El Salvador; und ebenso bei den großen USA im Norden.
Damit steuert das Land auf vier schwierige Jahr zu, wo zu hoffen ist, dass die Errungenschaften der letzten Regierung nicht wieder alle verloren gehen: eine Erhöhung des Mindestlohn, der Versuch der nationalen Versöhnung durch das Prinzip des ‚Totalen Frieden‘ – Paz total, der Landverteilung an ehemalige Guerillakämpfer.
Trotzdem haben diese Errungenschaften offensichtlich nicht die Mehrheit überzeugen können, obwohl mehr Menschen als je zuvor das Linksbündnis ‚Pacto Historico‘ gewählt haben. Das Konzept des ‚Paz Total‘ konnte das Land nicht befrieden, der Kokaanbau hat einen Höchstwert erreicht genauso wie die Anzahl von Anschlagopfern und politischen Morden. Die Kartelle sind so stark wie nie zuvor. Auch die soziale Situation der Bevölkerung konnte nicht deutlich genug verbessert werden. Letztlich ist die Regierung Petro am eigenen Anspruch gescheitert, auch wenn diese Mammutaufgabe, das Land nach 50 Jahren Gewalt zu befrieden, kaum in vier Regierungsjahren gelingen kann.
Die Menschen wollen ein Ende der Gewalt, und haben jetzt die Gewalt gewählt: Espreilla will mit harter militärischer Hand gegen Drogenhändler und kriminelle Banden vorgehen. Er habe ‚die dicksten Eier in der Hose‘, um die Aufgabe zu erledigen, posaunt er heraus. Es ist zu befürchten, dass viele Bürgerrechtler, indigene Aktivisten und linke Politiker in guter kolumbianischer Tradition Opfer dieser Politik werden, wie ein Blick nach El Salvador befürchten lässt.
Ich kann nur hoffen, dass dieses schöne Land die nächsten vier Jahre ohne völlige Spaltung übersteht. Und dass die bevorstehenden militärischen Auseinandersetzungen das Land nicht in einen Bürgerkrieg stürzt. So schlimm es auch ist, ich hoffe dass der militärische Kampf gegen die Kartelle und Drogenmafia, die sich eine illegitime linke Aura gibt, erfolgreich ist, ohne Kollateralschaden in der Zivilgesellschaft. Es scheint ohne Militär nicht zu gehen. Es braucht aber auch die verbindenden Elemente in einem Land mit großer sozialer Ungleichheit. Ich hoffe dass die starke Opposition unter Cepeda ein Gegengewicht bilden kann.
Ich wünsche sehr, dass Kolumbien die Geisel des Kokaanbaus und der Gewalt überwinden kann.
