- Kolumbien ist sehr unterschiedlich: Wir haben das Land von West am Pazifik in Nuqui nach Süd in Pasto und Putumayo, in die Mitte nach Bogotá und Medellin, nach Santander im Nordosten, nach Osten ins Orinoco und Amazonastiefland, nach Norden an die Karibik und noch einmal zurück in die Mitte in die ‚zona Cafetera‘ bereist. Überall war es anders. Wir haben zum Schluss 20 Orte gezählt, an denen wir gewesen sind, und keiner glich dem anderen: Die Landschaft veränderte sich, die Kulturen, die Wörter für ‚Kaffee‘. Wir haben bewusst nur ein Land für unsere Reise ausgesucht und wurden bestätigt. Die Vielfältigkeit Kolumbiens reicht für ein dreimonatige Reise. Dadurch konnten wir uns bei den meisten Orte auch viel Zeit lassen, meist drei Tage; an einigen waren wir eine Woche.
- Die Menschen in Kolumbien sind sehr freundlich. DAs Grüßen auf der Straße gehört zur Pflicht. Zur Begrüßung gibt man sich die Hand. Es wird immer die Kommunikation gesucht, eingeleitet von einem ‚¿Como Esta? Am Strand von Nuqui wurden wir von den Polizistinnen mit Handschlag begrüßt, in San José mussten wir ein Foto mit der Polizei machen.
- Das Transportmittel in Kolumbien ist der Bus. Und der ist sehr langsam. Für Reisen von Ort zu Ort sollte man immer einen ganzen Tag einplanen, auch wenn nur 150km zurückzulegen sind. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist selten höher als 30km/h. Mittags wird erstmal eine Stunde angehalten und gegessen und Siesta gemacht. Danach kann es weitergehen. Eile und Geschwindigkeit scheint nicht wichtig. Selten fährt der Bus halbwegs pünktlich los. Oft wird darauf geachtet, dass erst alle Sitzplätze belegt sind. Nur einmal haben wir einen Bus verpasst: In Medellin wollten wir nach Jericó fahren, der Bus sollte in 5 Minuten abfahren. Ich habe mich an den Kolumbien-Modus erinnert und mich zur Gelassenheit aufgerufen, und noch zwei Sandwiches bei Subway gekauft. Der Bus war dann weg, und die Ticketverkäuferin wollte unseren Fahrschein nicht umtauschen. Lehrgeld!
- Die großen Busse fahren eher nur nachts. Minibusse und Vans sind das, was der Name verrät: klein. Wir haben uns meist kaum in die Sitze gequetscht bekommen, die Knie schlugen immer vorne an. 5, 6 oder 7 Stunden in diesen kleinen Dingern ist schon eine Herausforderung. Aber Reisen ist ja kein Luxusurlaub. Wir wollten das alltägliche Leben in einem Entwicklungsland kennenlernen.
- Alexander von Humboldt ist immer noch sehr präsent. Viele Orte, Plätze, Parks und Schulen sind nach ihm benannt. Häufig wurden wir auf ihn angesprochen, als deutlich wurde, dass wir aus Deutschland kommen. So bekannt ist der Geograf in Deutschland nicht. ‚Alles hängt mit Allem zusammen‘ war seine Idee von Ökologie, die als solcher Begriff damals noch nicht existierte.
- Im März wurden im Hamburger Hafen 1,8t Kokain in einem Container aus Ecuador beschlagnahmt. Herkunft: Kolumbien. Was hat Hamburg mit Kolumbien zu tun: Über den Hamburger Hafen kommen große Mengen von Kokain aus Kolumbien nach Deutschland und Europa. Die Geldschwemme, die durch den Kokain-Konsum nach Kolumbien geschwemmt wird, ist das größte Problem des Landes. Wenn so viel Geld im Spiel ist, ist die Motivation, diesen lukrativen Geschäftsbereich zu verteidigen und auszubauen, sehr groß. Und es ist genügend Geld da, um Waffen zu kaufen und den Staat auf allen Ebenen zu korumpieren. Darüber wollte aber kein Kolumbianer mit uns sprechen.
- Der Kampf des Staats, über Verhandlungen zu einem Frieden zu kommen, scheint gescheitert. Die Kampagne des ‚Paz Total‘ von Präsident Petro hat die Narcos eher aufgewertet und mächtiger gemacht. Die Kokainproduktion war im letzten Jahr so hoch wie nie. Ende April wurde ein hinterhältiger Anschlag auf der Panamericana Richtung Popayan verübt, bei dem 20 ältere Menschen in einem Minibus ermordet wurden. Die ersten drei Monate des Jahres 2026 waren die gewalttätigsten seit 10 Jahre, schreibt EL PAIS. Das waren die Monate, in denen wir Kolumbien bereisten.
- Ende Juni findet die Stichwahl zur Präsidentenwahl statt. In der ersten Runde hat der rechtsextreme Kandidat de la Espriella die meisten Stimmen erhalten. Er rühmt sich im Wahlkampf damit, die „dicksten Eier“ zu haben. Er würde die Gewaltspirale wieder ankurbeln. Es wäre ein Krieg, der nicht zu gewinnen wäre.
- Warum kommt dieses schöne Land mit so vielen freundlichen Menschen nicht voran? Die sozialen Gegensätze bleiben ungelöst, wenige sehr reiche stehen sehr vielen armen Menschen gegenüber. Ein Aufstiegsversprechen, z.B. durch Bildung, gibt es nicht. Für Jungen bleibt als Hoffnung nur der Fußball oder das Geschäft mit den Drogen. Und für Mädchen?
