Ich war drei Monate mit der tollsten Reisebegleitung unterwegs, die ich mir vorstellen konnte. Wir haben uns super verstanden und hatten sogar meist den gleichen Geschmack beim Essen und Trinken. Am letzten Tag haben wir uns dann noch im Kaffeepflücken geübt. Danke für die gemeinsame Zeit in Kolumbien.
Nachdem das Auto auf halber Strecke liegengeblieben ist, sind wir mit einem zweiten Auto dann doch in Paso Nuevo angekommen. An der gebuchten Unterkunft erwartet uns eine Baustelle, ein paar Arbeiter schließen uns ein Zimmer ohne Fenster auf. Die Boote nach Isla fuerte sollen neben der Texaco-Tankstelle abfahren. Also schauen wir dort nach. Dort sitzen einige Menschen auf Plastikstühlen, Baumaterial ist gestapelt. Ein Mann spricht uns an, dass er noch 12 Personen zusammenkriegen muss, damit am Nachmittag noch ein Boot nach Isla Fuerte fahren kann. Wir sagen zu und holen unsere Sachen wieder aus der Unterkunft, die sowieso nicht schön war. Wir bekommen auch Plastikstühle zugewiesen.
Warten auf die Boote
Nach einer Stunde Warten kommen ein paar Bootevom Meer aus angefahren. Einen Anleger gibt es nicht, die Boote fahren rückwärts an den Strand. Wir beobachten die Männer, die die schweren Sand- und Zementsäcke in die Boote tragen. Wir packen unser Gepäck wasserfest ein, so gut es geht. Dann sind wir dran: Die Männer tragen unsere Taschen in das Boot, wir waten durch das Wasser und klettern an Bord. Schwimmwesten an uns schon gehts los, 12km über das offene Meer. Wie angekündigt wird es wellig und nass. Der Kapitän führt uns sicher durch die Wellentäler und Berge. Wir werden direkt ins Hotel Fuerte Mayal gefahren. Von Paso Nuevo aus hatte ich bei dem Hotel angerufen, ob wir schon einen Tag früher kommen könnten. Später stellt sich heraus, dass die Köchin und Haushälterin auch erst angerufen werden musste und parallel zu uns auf die Insel gefahren ist.
An der Texaco-Tankstelle fahren die. Boote nach Isla Fuerte ab
Wir sind fünf Nächte allein im Hotel auf Isla Fuerte und werden mit tollem Fisch von der Haushälterin bekocht. Wir gehen dreimal täglich Schwimmen, hängen in der Hängematte und schauen aufs Meer und lesen, und machen Yoga. Von unserem Zimmer aus können wir morgens vom Bett aus die Kolibris die Blüten anzapfen sehen.
Die Blüten werden von den Kolibris gerne besuchtDer Strand auf Isla Fuerte
Unsere Wanderung führt uns über das Inseldörfchen Puerto Limon an den grüßten Strand, Playa San Diego, von wo aus wir an der Küste weiter nach Norden wandern. Sie ist wild und nicht aufgeräumt, Palmenstämme liegen herum, Treibgut und Fischerboote liegen am Strand. Dazwischen die scharfen Korallen in allen Formen. Zwischen den Stränden machen die Mangroven das vorankommen schwierig. An der Nordspitze der Insel kommen wir zu einem Hotel aus Holz, das allerdings nicht bewirtschaftet scheint. Gerade rechtzeitig zum Unterstellen, weil sich der Himmel in einem tropischen Regenguss entlädt. Außer ein paar Hühnern und einem Mann, der alleine an einem Anleger arbeitet, ist niemand zu sehen.
Der Strand ist wild
Die Regenwolken verziehen sich, und wie es in den Tropen üblich ist, kommt schnell die Sonne wieder heraus, um alles zu trocknen. Wir finden den Weg zurück ins Inselinnere und wandern an leidlich bestellten Bananenplantagen vorbei. Nach nur kurzer Zeit erreichen wir die andere Seite der Insel (sie ist auch nur 2x3km groß) und gehen in einer Bucht schwimmen.
Suche nach dem Weg in den Mangroven
Unser Versuch, durch die Mangroven die Nordspitze der Insel zu erreichen, scheitert an dem sumpfigen Morast. Wir kommen einfach nicht weiter und müssen umdrehen. Die Nordspitze umfahren wir dann auf einer Schnorcheltour, die wir gebucht haben. Wir werden vor der Insel zu Wasser gelassen und können uns die Unterwasserwelt und die Korallen in geringer Tiefe anschauen. Anschließend fahren wir durch die hohen Wellen an der Nordspitze, die das Boot herumhüpfen lässt. Wir haben zum Glück nur Schwimmsachen an. So kommen wir mit dem Boot noch einmal um die ganze Insel.
Die kleinen „Lanchas“
Die Rückfahrt treten wir auf einer vollbepackten Lancha an: Das Boot liegt so tief, dass ständig das Wasser rein spritzt. Wir haben nur die Badesachen an und die Wechselkleidung in wasserfesten Säcken. Nach wenigen Minuten sind wir völlig durchnässt, obwohl wir an der wind- und wellenabgewandten Seite sitzen. Das Festland ist zuerst nicht zu sehen und taucht erst mit zwei Sendemasten auf. Beruhigend ist der Gedanke, dass der Bootsführer die Strecke mehrmals am Tag fährt.
Wir erreichen wohlbehalten den Strand in Paso Nuevo und waten an Land. Es steht auch schon ein Fahrzeug bereit, dass uns nach Lorica fahren will. Der Fahrer muss allerdings erst die Stauden Bananen umpacken, um unser Gepäck unterzubringen. Mit einem jungen Paar aus Bogotá fahren wir dann los.
Die durch den Sturm zerstörte Brücke
Die Weiterfahrt im Bus nach Necoclí wird dann langwierig. Ein vollbepackter VW-Transporter fährt mit uns los, in dem die Sitze für uns große Europäer viel zu klein sind. Auch in den Gängen stehen die Koffer. Schon gleich am Anfang fährt der Bus einen Umweg. Später erkennen wir warum: Alle Brücken sind bei den Unwettern im Februar unpassierbar geworden. Ein Tiefdruckgebiet aus Kanada ist bis in die Karibik vorgestoßen. In San Juan de Urabá wurde die ganze Böschung an der Brücke weggespült und mehrere Ponton-Fähren ermöglichen die Überfahrt über den Fluss. So brauchen wir für die 150km sechs Stunden, bis wir erschöpft in Necoclí am Golfo de Urabá ankommen.
In Necoclí wollen wir eine Nacht bleiben, um am nächsten Morgen mit dem Boot den Golfo de Urabá nach Capurganá zu überqueren. Der Ort ist ein freundlicher Urlaubsort. Aber gleich laufen neben mir zwei Soldaten mit dem Maschinengewehr im Arm. Necoclí ist der Ursprungsort der Todesschwadronen der 90er und 00er Jahre, den ‚Grupos Autodefensas‘. Diese gingen mit großer Gewalt gegen die FARC-Guerilla und vor allem gegen die Bauern vor, die sie vermeintlich unterstützten. Viele Campesinos wurden ermordet oder vertrieben, heute breiten sich dort weitläufige Rinderfarmen von Großgrundbesitzern aus (Quelle: Coco, Reiseführer Kolumbien).
In Necoclí muss man eine Hafensteuer bezahlen
Nach der Auflösung der ‚Autodefensas‘ bestimmt heute der ‚Clan del Golfo‘ die Region, die letzte große illegale Kokain-Organisation mit Verbindungen zu den mexikanischen Kartellen (Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Clan_del_Golfo, 26.04.26). Zum Glück bekommen wir von alledem nichts direkt mit. Aber wir müssen davon ausgehen, dass alle Hotels oder die Reedereien Schutzgeld bezahlen müssen.
Die Wellen schlagen über uns zusammen. Unter uns in nur 30cm Tiefe liegen die scharfkantigen Korallen, und wir müssen aufpassen, dass wir von den Wellen nicht an die harten Kanten geschleudert werden. Bunte Fische tummeln sich in den Korallen, die vielen kleinen Löcher bieten ihnen Unterschlupf. Ein Anblick wie in einem Aquarium, auch wenn das Wasser etwas trüber ist.
Korallen
Wir sind am Cabo de Timburón (Haifisch) in Zapzurro, einem kleinen Dorf am nordwestlichen Zipfel von Kolumbien am Golfo de Urabá. Die Grenze nach Panama liegt oben auf dem Bergkamm. In einer kleinen mit Palmen bestandenen Bucht Schnorcheln wir. Wir sind alleine. Wenn das Meer nicht soviel Müll angeschwemmt und die Besucher ihre Plastikflaschen wieder mitgenommen hätten, wäre es eine Traumbucht. Vom Meer aus beim Schwimmen und Schnorcheln sieht man zum Glück nur die grünen Palmen.
Der Strand am Cabo Timburón
Und ich denke: hier kommst du nie wieder her, das wirst du nie wieder sehen. In meinem Alter soll man sich über die Endlichkeit des Lebens bewusst sein. Der Spruch gilt jetzt hier besonders.
Wir sind am Westufer des Golfo de Urabá, hierher gibt es keine Straße. Man fährt von Necoclí mit einem Schnellboot zwei Stunden über den Golf, eine nasse und schaukelige Angelegenheit. Von Capurganá geht es weiter in einer kleinen ‚Lancha‘, die sich wacker gegen die hohen Wellen kämpft. Die Sachen sind wasserfest eingepackt, aber ein mulmiges Gefühl bleibt doch, wenn der Fahrer den richtigen Winkel zu den Wellen nehmen muss. Nach einer halben Stunde biegen wir in die ruhige Bucht von Zapzurro ein, der letzte Ort in Kolumbien am norwestlichen Ende, kurz bevor geografisch Mittelamerika beginnt.
Bucht von Zapzurro
Wir bleiben 6 Tage in Zapzurro, um nochmal volles Karibikleben kennenzulernen. Das Leben tickt hier anders als an anderen Orten. Wir kommen in der ‚Esquina del Mar‘ auf Empfehlung unter, aber das Hotel hat seine beste Zeit schon hinter sich. Die Bilder im Internet sind schon etwas älter. Den Renovierungsstau an den Gebäuden sehen wir im ganzen Ort. Alle Materialien müssen hierher mit dem Boot gebracht werden, jeder einzelne Ziegelstein mit der Hand ausgeladen werden. Für viele hier ist das morgendliche Bier oder die Hängematte attraktiver als die Arbeit. Mit den nächtlichen Regengüssen schwemmen die Bäche die Abwässer direkt neben dem Strand und unserem Hotel ins Meer. Eine Kläranlage scheint es nicht zu geben, so dass der Abwassergeruch uns begleitet. Vor unserem Balkon kommt täglich jemand, um den Haufen Abfall, der sich nebenan auf einem leeren Grundstück befindet, anzuzünden, was aber selten gelingt. So schwelt der Haufen einfach vor sich hin und produziert ordentlich Qualm.
Der Stand von Zapzurro
Schon morgens geht in der nachbarlichen Kneipe die Musikanlage an. Sie beschallt die ganze Straße. Der Besitzer hofft auf die ersten Biergäste. Aber wird sind sowieso schon ab 6 Uhr wach, weil wir früh schlafen gehen.
Von Capurganá aus startet der Fluchtkorridor für Menschen aus aller Welt, die sich von Südamerika in Richtung USA zu Fuß aufmachen. Sie müssen 5 Tage durch den Urwald des Darién laufen, dauernd bedroht von bewaffneten Banden, die Schutzgeld erpressen, und den Gefahren des Urwald mit Spinnen, Schlangen, Moskitos und Starkregenfällen. Wir schauen uns Videos über den ‚Darién-Gap‘ an, und sind ganz traurig, wissend, dass sie nicht in den USA aufgenommen werden. Nachts prasselt der Regen auf unser Blechdach, schrecklich die Vorstellung, dass die Flüchtlinge bei diesen Bedingungen im Wald hocken.
ARTE-Dokumentation
Wir erleben hier in Zapzurro die authentische Karibik Kolumbiens. Im Departamento Chocó sind die Orte sehr arm, und auch der Tourismus scheint nicht für etwas mehr Wohlstand auszureichen. Dafür fehlt die Straßenanbindung. Also bleibt der Teufelskreis aus Armut, geringem Umweltbewusstsein und wenigen Möglichkeiten.
Kokospalmen-Setzlinge werden ausgeladen
Der Urwald geht bis ans Wasser herunter. Keine Hochhäuser, keine großen Hotels. Nur Wasser und Natur. Der Wanderweg nach Capurganá führt uns in den Regenwald, wo wir sogar eine Affenfamilie beobachten können. Der Weg führt durch tollen Regenwald, von einem Aussichtsturm kann man die Bucht von Capurganá und Zapzurro überblicken. Am Wasserfall Diana sind wir ganz allein im Regenwald. Wunderschöne Schmetterlinge kreisen um das fallende Wasser.
Auf dem Weg zur Cascada Diana
Am Cabo Timburón schnorcheln wir an einsamen Stränden. Nur einzelne andere Touristen kommen hierher. Hier kommt dann echtes Karibik-Feeling auf. Aber ist dieses Gefühl nicht nur eine Illusion oder eine Projektion? Das Bild, was sich der Europäer von der Karibik erhofft?
Strand am Cabo Timburón
Wir steigen die Treppen in Richtung Panama hoch. Oben auf dem Kamm ist die Grenzstation (der einzige offizielle Übergang zwischen Kolumbien und Panama). Zwei Fahnen, die Nationalwappen und keine Grenzbeamten. Auf der panamaischen Seite liegt La Miel, ebenfalls ein isolierter Ort ohne Straßenzugang, ähnlich wie Zapzurro. Die Attraktion ist der Duty-Free-Shop. Gerade werden aus einem Seelenverkäufer die Kartons und Getränkekisten ausgeladen. Per Hand werden sie auf eine ‚Lancha‘ verfrachtet und am Strand in das Lager getragen. Der Shop ist eine riesige Halle mit großen Schnaps und Parfum-Regalen, voll klimatisiert. Man tritt ein und betritt eine andere Welt. Außer uns ist niemand im Laden.
Das Lager des Duty-Free-Shops wird wieder gefüllt
Die südöstliche Seite der Bucht von Zapzurro ist dann leider wieder etwas trostlos. Es gibt einen Weg, aber man läuft durch ein Meer von angeschwemmten Plastikflaschen. Am Ende des Weges hat man einen tollen Blick auf die Brandung an einem neu errichteten Glamping-Platz, aber Baden kann man nicht. Das holen wir vor dem ‚Cafe del Mar‘ nach, wo wir später noch phantastischen Fisch essen werden. Das Schnorcheln ist hier allerdings ernüchternd: wir merken schon, dass das Wasser hier besonders warm ist. Der Blick unter die Wasseroberfläche zeigt abgestorbene Korallen. Die weißen Reste bedecken die noch halbwegs lebenden roten Korallenkissen. Aber auch diese sind dem Untergang geweiht. Den steigenden Meerestemperaturen sei dank.
Dir Bucht von Zapzurro Richtung Café del Mar
Am Dienstag steigen wir nach einer Woche in das Motorboot, das uns zum Flughafen nach Acandī bringen soll. Wir haben viel tolle Natur, palmenbestandene Strände und Schnorcheln im badewannenwarmen Wasser erlebt. Aber wir haben auch das Leben mit Armut, die Umweltverschmutzung, die absterbenden Korallen gesehen. Die Karibik mit den Traumstränden scheint nur eine Touristenphantasie zu sein. Die Realität haben wir in den letzten Tagen anders erlebt.
Morgenstimmung mit dem Blick von unserem Balkon
Die ‚Lancha‘ legt dann in Capurganá ab, aber nach 5 Minuten bekommt der Kapitän einen Anruf. Wir drehen um, es fehlt noch ein Passagier. Es werden Witze gemacht, dass das Abholen 20.000$ extra kostet. Als wir wieder los sind, gibt es wieder einen Anruf, gleiches Procedere. Diesmal macht die junge Frau ihre Verspätung mit einem breiten Lächeln wett. Die anderen Passagiere werden nervös, ob sie das Flugzeug noch erreichen. Aber wir sind rechtzeitig in Acandí.
Die Bucht von Zapzurro
Wir verlassen die Karibik in einer winzigen Maschine von einem sehr kleinen Flugplatz und haben eine tolle Sicht auf den Golf von Urabá mit dem Delta des Urabá, dem Nationalpark Paramillo, die Cauca-Fluß und dem Anflug auf Medellin zwischen den Bergen hindurch.
Wir besuchen das Museo del Oro in Bogota. Nachdem wir von dem ganzen Gold und dem Schmuck aus der vorkolonialen Zeit ganz überwältigt sind, gehen wir noch mit der letzten Aufmerksamkeit in das Untergeschoss des Museums, wo eine Sonderausstellung über Wandmalereien an Felsen in der Serrania de Lindosa im Bundesstaat Guaviare im Orinoco/Amazonica-Tiefland ausgestellt ist. Nach dem Rundgang war klar: Da müssen wir hin.
Die Serrania de Lindosa in der Ausstellung im Museo de Oro
Wir sind zwar erst nach Santander in den Norden von Bogota gefahren. Doch dann sind wir nochmal südwärts von Bucaramanga über Bogotá nach San José de Guaviare geflogen, auch weil die Osterwoche an anderen Orten er sehr voll werden würde. Ostern ist eines der Hauptreisezeiten in Kolumbien.
Angekommen im San José del Guivare: Die Regenwolken türmen sich schon auf
Beim Aussteigen aus dem Flugzeug auf dem sehr kleinen Flugplatz von San José schlug uns gleich die Hitze Amazoniens ins Gesicht. Wir wollen eine Woche bleiben, und das Wetter war wie aus dem Lehrbuch über den Regenwald: Dicke Quellwolken hängen über dem Himmel, manchmal zeigt sich die Sonne, am Nachmittag verdunkelt sich der Himmel und um 15 oder 16 Uhr fängt es ergiebig an zu regnen. So sitzen wir am ersten Nachmittag schon im Café und schauen zu, wie das Wasser durch die Straßen fließt.
Cañon del Jaguar
Wir vertrauen uns während der Woche der Agentur von Andres an, der uns zu den Sehenswürdigkeiten der Region führt. Wir werden morgens am Hotel abgeholt, haben ein Morgenprogramm, dann gibt es irgendwo Mittagessen, und dann noch einen Nachmittagsziel, meist mit Schwimmen oder Baden.
Die Kanufahrt zur Laguna Negra, einen Altarm des Rio Guaviare
Diese Orte haben wir besucht:
Cañon del Jaguar
Pozos Naturales
Puerta de Orion
Laguna Negra
Cerro Azul
Mit dem Boot über den Rio Guayabero zu den Pinturas Raudal
Pinturas Nueva Tolima und Túneles
Puerta de Orion
Wir sind hierher gekommen, um die Wandmalereien zu sehen, die im Museo de Oro ausgestellt waren. Die Wandmalereien von Chiribiquete sind schon etwas länger geschützt, und komplett gesperrt als Nationalpark. Man darf nicht einmal mit dem Flugzeug darüber fliegen. Von den 25 bemalten Wänden in Lindosa hat man sich entschieden, vier für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um ein Verständnis für diese wichtigen Kulturgüter zu schaffen und die anderen Wände zu schützen. Diese sind nur für Wissenschaftler zugänglich.
Felsmalereien am Cerro Azul
Die Altersdatierung auf ca. 11.000 Jahre vor Chr. basieren auf Vermutungen. So sind auf den Wänden Tiere abgebildet, die längst ausgestorben sind, wie zum Beispiel der Mastodon oder das Mammut. Die Zeichnungen wurden auf das Ende der letzten Eiszeit hin datiert, wo das Klima auch am Äquator etwas kühler war.
Die Wand von Raudal: Die Vierecke mit den vielen Punkten weist auf eine Freude am Addieren hin
Die Zeichnungen waren nicht nur Kunst, sondern auf Kommunikationsmittel. Die Menschen, die diese Zeichnungen erstellt haben, lebten nomadisch. So haben die vorbeiziehenden Gruppen ihre Zeichnungen auf den Wänden zu unterschiedlichen Zeiten hinterlassen, die auch der Bezehung wischen den Stämmen diente.
Das Alter der Farbstoffe kann leider nicht mit der Carbon 36-Methode ermittelt werden, weil sie aus stark verarbeiteten Stoffen bestehen
Die Wandzeichnungen in Lindosa und Chriribiteque gehören zu den weltweit wichtigsten prähistorischen Malereien. In Lindosa wurden sie erst nach 2016 nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und der FARC entdeckt, weil das Gebiet von Guaviare in Guerillahand war und nicht betreten werden konnte. Auch heute gibt es noch Rebellengruppen, die die sich nicht an das Friedensabkommen halten und weiter sich vom Drogenanbau und -handel, Schutzgeld und Schmuggel finanzieren. Erst im Januar kam es zwischen rivalisierenden Gruppen zu einem Massaker.
Der Blick über den Regenwald mit der Serrania de Maccarena im Hintergrund. Von unten drang das Geschrei der Brüllaffen herauf
Trotzdem wird in diesem Gebiet sehr viel auf die Entwicklung durch den Tourismus gesetzt. Man hofft, durch den Tourismus den jungen Menschen eine Perspektive im Departamento Guivare zu geben, dass sie in ihrer Heimat bleiben können. Das Gebiet befindet sich noch immer in der Transformation aus der Zeit der Gewalt in eine friedliche Zukunft. Die Losung des Präsidenten ist: Paz Total, völliger Frieden. Es war richtig zu merken, wie wir als Touristen willkommen geheißen wurden. Bis auf einen Franzosen haben wir allerdings keine anderen ausländischen Touristen getroffen. Auf der Plaza Principal wurden wir bei einer Kulturpräsentation gleich angesprochen als auslöndische Touristen, ich wurde gleich zu einem Interview eingeladen, Kathrin von einer Indigena geschminkt. Mehrfach wurde vom Kommentator ausgerufen, dass sie auch Besucher aus Deutschland hätten.
Bei einem Kulturfest auf dem Plaza Principal in San José wurden wir als internationale Touristen besonders beachtet
Wir hatten das Gefühl, dass das Geld, was wir hier in der Region lassen, der Entwicklung zugute kommt. Unser Guia Andres hat aufgezählt, wieviele Menschen von den Exkursionen profitieren. Die touristischen Punkte wurden alle von sehr jungen Leute verwaltet und die Kulturgüter geschützt.
Nach einer Woche in San José del Guaviare sind wir ganz beseelt zurück nach Bogotá geflogen. Nach sechs langen Exkursionen haben wir das Gefühl, besondere Orte gesehen zu haben. Dabei hatten wir auch den Eindruck, dass der Tourismus etwas zur Entwicklung des Amazonasgebiets beiträgt. Wir haben die Setzlinge gesehen, die zur Wiederaufforstung gerodeter Flächen gezogen wurden. Die touristischen Organisationen setzen sich bei den Bauern für die Ausweitung der Schutzzonen in der Natur ein. Hier war der Ort, Tourismus etwas bewegen kann.
Sonnenuntergang am Rio de GuaviareSan Jose liegt am westlichen Rand des Guayana-Schilds, eines der ältesten Gesteinsformationen der Erde, ca. 1,6 Mrd Jahre alt. Typisch sind hier die Tafelberge
Nein, es ist keine Wüste. Obwohl sie ‚Desierto‘ heißt, Desierto de Tatacoa. Sie ist aber heiß, sehr heiß. Wir sitzen im Schatten eines Baumen, und es ist zu heiß zum lesen. Ein Sprung in den Pool wäre auch keine Abkühlung. Kathrin kann sowieso nicht schwimmen, weil sie sich am Vorabend einen Riss im Oberschenkel zugezogen hat, als die kleine Hollywoodschaukel zusammenbrach, auf der wir saßen.
Es wird über 40 Grad heiß
Am Vormittag sind wir mit dem TucTuc von Claudia in die Tatacoa gefahren. Es ist keine Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald, der sich durch die Auffaltung der Ost-Kollidiere in einen Regenschatten verwandelt hat. Trotzdem fallen noch mehr als 1000mm Regen pro Jahr, mehr als in Hamburg. Durch die hohe Durchschnittstemperatur bleibt die Verdunstungsrate aber höher als der Niederschlag. Der Regen hat skurrile Gesteinsformationen geschaffen: Hohe Gesteinstürme, ‚etorakes‘, die von Zeit zu Zeit einstürzen. Wir wandern mit unserem ‚guia‘ durch ein rotes Gesteinslabyrinth, in der nur Akazien und Kakteen wachsen.
„Etorakes“
Die Tatacoa ist in den roten und den grauen Teil untergliedert, benannt nach den Farben der Gesteine. Wir erfahren, dass sie ursprünglich von einem prähistorischen Regenwald bedeckt war, was Fossilienfunde belegen. Große Pflanzenfresser wie der ‚Toxodonte’ legen nahe, dass vor 13 Millionen Jahren hier große Mengen an Grünfutter vorhanden sein mussten, um die vorzeitlichen Tiere zu ernähren. (1) Der Blick über das karge Land zwischen den beiden Anden-Bergketten ist beeindruckend. Zerklüftete Formationen, die der Regen geschaffen hat.
Tatacoa ist keine Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald
Villavieja ist das kleine kolonial geprägte Städtchen am Eingang der Tatacoa. Wir wandern die wenigen Kilometer dorthin und erkunden die niedrigen, einstöckigen Kolonialhäuser. Die Eingangstüren geben den Blick auf den weiten Patio frei, der sich hinter jeder Fassade befindet.
Der Magdalena, der längste Fluss Kolumbiens
An der Menge der Bierflaschen auf den Tischen erkennt man, dass es Sonntag ist. Aus den Kneipen dringen theatralische ‚Ranchero‘-Lieder, die Bierflaschen werden nicht abgeräumt. Eine Gruppe Männer versucht einen angetrunkenen Kumpel hinten auf ein Motorrad zu hieven, was er selber nicht mehr schafft.
Wir sitzen am Magdalena-Ufer, schauen auf die kleine Fähre mit dem Außenborder, die Personen und Motorräder über den größten Fluß Kolumbiens transportiert. Morgen wollen wir auch die Fähre nehmen, um auf der anderen Seite in Apia den Bus in Richtung Bogotá zu nehmen. Wir wissen noch nicht genau, wie weit wir unsere Koffer auf der Piste zur Bushaltestelle ziehen müssen. Am Zentralplatz sprechen wir Claudia an, dass sie uns morgen um 6.30 Uhr am Hotel abholt und uns zur Fähre bringt.
Die graue Tatacos
Es ist heiß in Tatacoa. Wir gehen nicht mehr unter den Baum zum lesen, sondern in unsere „Hütte“ und schalten die Klimaanlage an. Das Blechdach lässt die Hitze richtig sammeln. Auch nachts müssen wir die Klimaanlage laufen lassen. In der Hütte gegenüber macht man Wochenende auf kolumbianisch: Mehrere Leute schließen die Hütte und setzen sich bei lauter Musik in den Jacuzi und trinken Bier.
Wir entschließen uns, einen Tag früher nach Bogotá zu fahren. Zu unserer Überraschung können wir die große Hitze gar nicht mehr zu gut ab. Morgens regnet es, die Piste ist voller Pfützen und verschlammt. Claudia holt uns mir ihrem TucTuc ab. Sie rät uns, nicht mit der Fähre über den Magdalena zu setzen, weil es unsicher ist, wie die Piste auf der anderen Seite aussieht und ob es dort Motorräder gibt, die uns zum ‚Terminal‘ bringen. Unsere Rolltaschen wollen wir nicht durch den Schlamm ziehen. Also entscheiden wir uns, mit dem ‚Kleinbus‘ nach Neiva zu fahren, um den dort abfahrenden Bus zu nehmen, ein Umweg von zwei Stunden.
Leguan am Plaza Principal in Villavieja
Ich lasse mich gleich von einem Mann ansprechen, der uns zu einem Schalter bringt, wo ich eine Fahrkarte nach Bogotá kaufe. Ich versäume es leider nach der Geschwindigkeit des Bus zu fragen. Wir haben offenbar einen sehr langsamen Bus bekommen, unterwegs überholen uns immer wieder die großen schnelleren Busse. Unser kommt selten über 70km/h. In Bogotá stehen wir noch 2 Stunden im Stau, bis wir den Terminal Salitre erreichen.
Nach fast 8 Stunden Busfahrt von Medellin (150km) sind wir in Salamina angekommen. Der Bus war alt, eng und voll. Doch nachdem wir die Stadtgrenze nach ca. einer Stunde erreicht haben, wird die Fahrt landschaftlich spannend und immer schöner: wir befinden uns in den Andenbergen der westlichen Cordillera Central.
Salamina
An Salamina müssen wir uns erstmal wieder gewöhnen. Unsere Unterkunft Hotel Colonial liegt am Parque Bolivar, Hauptplatz des Ortes mit 30.000 Einwohnern. Unser Zimmer ist groß, wir haben die Suite. Das Haus ist aus der Kolonialzeit und schon etwas in die Jahre gekommen. Die Belegschaft ist nett, beim Frühstück gibt es eine fleischlose Variante. Abends bei der Suche nach einem Restaurant merken wir schnell, dass hier der Fleischkonsum überwiegt. Aber es gibt, wie schon am Pazifik, großartigen Fisch, besser als je zuvor gegessenen! Leider ist die Umgebung des Hotels sehr laut : hier am Hauptplatz ist Treffpunkt für jung und alt, besonders am Abend zum Feiern in den Bars. Und feiern heißt hier, dass die Musikvideos der kolumbianischen Musiker lauthals mit gegrölt werden. Es klingt furchtbar und ist echt laut, wenn man schlafen will.
Tagsüber versuchen wir Wanderwege zu finden, leider erweisen sich die Angaben in der Alpenvereinskarte nur als Gerüchte. Wir laufen stattdessen kleine, sehr steile Straßen, versuchen uns aber auch im Gelände und landen auf matschigen Rinderwiesen.
Der Kaffee muss bewacht werden
Am letzten Tag machen wir einen Ausflug ins Valle Samaria zu einem der wenigen Wachspalmenstandorten in Kolumbien. Diese bis zu 60m hohen Palmen gibt es nur in Kolumbien, und auch hier nur an wenigen Stellen. Sie sind sehr beeindruckend und hier in der Nähe von San Felix gibt es ein Aufforstungsprogramm für die aussterbende Palmenart. Um in das Tal zu kommen, fahren wir mit einem Willy (Jeep), vor Ort essen wir lecker vegetarisch und auf der Rückfahrt regnet es heftig. Ein sehr gelungener Ausflug!
Landschaft bei San Felix
Am nächsten Tag geht es in der Frühe mit dem Bus über Manizales nach Marsella.
Marsella
Nach insgesamt fünf Stunden Busfahrt, mit einer langen Pause am Busterminal in Manizales, kommen wir in Marsella an. Die Landschaften waren großartig, die Straße gesäumt von Bananen, Kaffeepflanzen, Regenwald und steilen Hängen sowie einzelnen Hütten, Ställen, Fincas und kleinen Ortschaften. Je südlicher und tiefer wir kommen, desto breiter sind die Seitentäler und die Kaffeeanbauflächen mehren sich.
Kleinbus bezieht sich auch auf die Beinfreiheit
Mit Marsella erwartet uns ein kleiner Ort, der noch nicht auf Tourismus ausgerichtet ist. Wenn Touristen kommen, dann als Tagesausflug aus Pereira. Am Nachmittag schlendern wir über und um den Hauptplatz, haben ein Cerveza, suchen ein Restaurant und scheitern. Keine Flexibilität beim Speisenangebot, alle Gerichte nur mit Fleisch. Wir kaufen uns letztendlich Arepas, Tomaten, Schmierkäse und ein paar Nüsse. Zwei Cervezas runden das Mahl ab, welches wir im Hotel zubereiten können. Hotel Carmen ist eins der wenigen Unterkünfte im Ort, die Buchung klappt über die Google Maps Angaben.
Am nächsten Tag erkunden wir im Ort den Botanischen Garten namens Alexander von Humboldt. Er ist schön angelegt und wir sind allein unterwegs. Vögel sehen wir leider nur wenige, dafür eine Art Murmeltier, jedoch viel größer als in den Alpen und weniger scheu.
Nach einer kleinen Mittagspause bei Regen, ziehen wir bei Sonnenschein noch mal los und erklimmen einen Aussichtspark am Rande der Ortschaft. Der Park ist schön angelegt und die Aussicht auf Marsella toll. Auch der skurrile Friedhof, den wir am Vormittag noch besichtigt haben, ist zu sehen. Die Mauern des Friedhofes erinnern an die Mauern einer Schloss-Einfriedung.
Nach der Wanderung finden wir noch ein Restaurant, was uns kurz vor vier Uhr noch ein Mittagsmenü serviert und auf unseren Wunsch nach einer fleischlosen Variante eingeht. Es war lecker und hat zusammen 10€ (40.000 COP) gekostet.
Marsella
Noch ein Kaffee am Zentralplatz, dem Parque Bolivar, ein Cerveza zum Abschluss, und dann ins Hotel zum Packen. Wir wollen morgen um 7:00 Uhr den Bus nach Santuario nehmen, müssen dafür aber erst nach Pereira. Von Santuario geht es noch weiter nach San Rafael, eine Parkverwaltung mit Unterkunft am Rande des Nationalpark Tatamá, wo wir etwas länger bleiben wollen. Es soll dort geführte Wanderungen in den Nebelwald geben.
Santuario
Santuario, ein kleiner Ort an der östlichen Flanke der Cordillera Occidental, nördlich von Pereira. Hier buchen wir uns in eins der beiden Hotels ein und als wäre der Partykrach am Hauptplatz von Salamina nicht gewesen, entscheiden wir uns für das schöne Hotel Santuario Plaza. Der Name verrät es bereits, es liegt am Dorfplatz. Und wieder hält sich unser Irrglaube, dass am Sonntag sicher früh abends Ruhe einkehren wird. Nein, natürlich nicht. Am Nachmittag ein buntes Treiben mit Ehrung des Kolumbianischen Rennradfahrers William Colorado, der sich den Straßentitel der U 20 in Kolumbien gesichert hat, und in Santuario geboren wurde. Ein regionaler Nationalheld.
Der junge Mann mit dem Hut ist William
Außerdem gibt es einen Nachmittagsgottesdienst und eine Beerdigung. Die finden wohl gerne, oder generell (?) am Sonntag statt, das haben wir in Salamina schon erlebt. Wir wandern noch etwas aus dem sehr kleinen Ort heraus, der Weg/die Straße geht extrem steil abwärts. Auf 1,5km gilt es auf dem Rückweg wieder 200 hm heraufzusteigen. Nach einer Dusche gehts zum Essen, danach noch ein bisschen Bar-Hopping am Platz und dann mit dem Glauben, eine ruhige Nacht zu haben, ins Bett.
Kaffee
Kaum liegen wir, geht es mit der kolumbianischen Karaoke los: je später der Abend, desto lauter die Gesänge. Die Oropax werden tiefer in die Ohren gestopft und irgendwann nach Mitternacht ist der Spuk vorbei. Zum Glück bleibt der Verkehrslärm hier aus, der uns in Salamina fast noch mehr den Schlaf geraubt hat. Die Nacht ist für mich um 6:30 Uhr vorbei. Aus der Kirche vis a vie erschallt aus dem Lautsprecher ein Ave Maria, das im gesamten Dorf zu hören ist. Völlig schräg! Anstatt weiter zu schlafen, plane ich am iPad unseren Aufenthalt im südlichen Teil Kolumbiens – muss ja auch mal sein.
Kaffee-Setzlinge
Gegen Mittag starten wir eine Wanderung ins angrenzende Tal, auf dem Rückweg entlang der Straße lassen wir uns vom Bus mitnehmen. Der Mittagsregen setzt ein, kurz und kräftig. Abends wird gepackt, morgen geht es nach Pereira als Ausgang unserer Los Nevados Tour.
Santuario
Fazit: Santuario ist der dritte Ort in der Zona Caféteria und auch hier sind wir so ziemlich die einzigen europäischen Touristen. Es ist alles 100% authentisch hier, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, und an den permanenten Geräuschpegel gewöhnen wir uns langsam. Als Ausgleich leisten wir uns immer mal wieder geführte Touren in die Natur.
Von Pasto sind wir über die Cordillera Central nach Putomayo in das Amozomas Tiefland gefahren. Die Straße wird auch „Trampolin del Muerte“genannt. Zwei Stunden ging es über eine abenteuerliche Piste über die Berge, doch dazu in einem anderen Beitrag mehr.
Jetzt sind wir am Rande des Amazonas-Tiefland. Unsere erste Wanderung führte uns zum Wasserfall „Fin del Mundo“, der sich 80m in die Tiefe stürzt. Von dieser Wanderung gibt es diesmal eine Fotostrecke als Inspiration.
Diese Blüte heißt beso negro (schwarzer Kuss)Der Weg führte über sehr glitschige FelsplattenMehrmals musste der Fluss überquert werden Wir tauchen in die Tiefe des Regenwalds einAuf dem Weg zum WasserfallDer „Pozo Negro“Der Wasserfall Fin del Mundo stürzt 80m die TiefeMit Seil gesichert sitzen wir am Rand des WasserfallsGroße Ameisen begleiten uns, von denen man sich besser nicht beißen lässt
Wenn man um halb neun ins Bett geht, ist man um 6 Uhr ausgeschlafen. Nachts mal auf Klo zu müssen, war schon eine Herausforderung, mit der Stirnlampe im Stockdunkeln den Weg zu finden. Am Morgen sind wir dann doch tatsächlich ausgeschlafen und ausgeruht. Es kann also auf unsere letzte Etappe unserer Nevado-Durchquerung in Richtung Salento gehen.
Finca ArgentinaAufbruch an der Finca Argentina
Wir brechen wieder bei herrlichem Sonnenschein auf, sagen den Hühnern und Schweinen adios und wandern weiter bergab. Die anfänglich noch kühlen Bergtemperaturen werden schnell wärmer, je tiefer wir kommen. Wir durchqueren jetzt die verschiedenen Vegetationszonen der Anden, immer mehr neue Bäume kommen hinzu. Es tauchen immer mehr Blüten auf. Palmen erscheinen wieder im Wald. Von den steilen Hängen rechts von uns kommen immer mehr Flüsse, die wir auf schmalen Brücken überqueren. Der Weg bleibt schlammig, die Gummistiefel behalten ihren Wert.
Das üppige Grün des Berg-Nebelwalds
Unser Ziel ist das Valle de Corora mit den legendären Palmas de Cera, dem Nationalbaum Kolumbiens. Sie sind in den Reiseführern meist als alleine stehende, sehr hohe schlanke Palmen zu sehen, die weit voneinander entfernt auf Grasland stehen. Dem Cocora-Valley hat dieser unökologische Standort zum beliebtesten Touristenattraktion nach Cartagena gemacht. Aber wir erfahren von unserem Führer, dass dieser Standort gar nicht artgerecht ist und die Palme zum Absterben bringen wird. Er zeigt uns die Exemplare, die auf unserem Weg: sie wachsen direkt im Wald in Nachbarschaft zu anderen Palmen und Bäumen. Sie wachsen sehr langsam und haben nach zehn Jahren noch nicht einmal einen Stamm ausgebildet. Es dauert 20 Jahre, bis sie Samen werfen kann.
Valle Cocara mit der Palma de Cera
Das von Touristen bestaunte Valle de Cocora mit den alleinstehenden schlanken sehr hohen Palmas de Cera ist eine ökologische Katastrophe: Die samen haben keine Chance zum keimen und wachsen, weil in der landen Kinderzeit von den Rindern abgefressen werden. Die Touristen müssten also vom Valle des Cocora einige Kilometer weiter in den Wald gehen, um das richtige Ökosystem der Palma de Cera zu sehen.
Eines der vielen Flussüberquerungen
Wir überqueren eine letzte Furt des Flusses Cardenas und kommen auf einen Fahrweg, der uns nach einigen hundert Metern zur Touristenattraktion „Valle de Cocora“ bringt. Wir kommen an den Eintrittskiosken vorbei, an dem man 30.000 Pesos Eintritt zahlen muss. Uns begegnen Familien wie aus dem Ei gepellt, ganz in weiß für einen Sonntagsausflug. Uns begegnen saubere Pferde mit schicken Reiterinnen darauf. Wir wirken mit schlammverschmierten Gummistiefeln und drei Tage ungewaschen deplatziert. Carlos erklärt uns, dass man das „Disneysierung des Tourismus“ nennt.
Die Tour ist zu Ende, wir ziehen die Gummistiefel aus
Unsere Drei-Tage-Wanderung ist zu Ende. Wir ziehen die Gummistiefel aus und die normalen Wanderschuhe wieder an. Ein Taxi holt uns ab. Wir sind erschöpft aber glücklich, es geschafft zu haben. In Salento gehen wir mit Carlos noch in einem asiatischen Restaurant essen, dann verabschieden wir uns und fahren mit dem Taxi weiter zu unserer nächsten Station, nur 25km weiter: Filandia.
Wandern zwischen 3400 und 4200m Höhe an den Füßen von mehreren Vulkanen. Diese Wanderung war eines unserer Ziele auf der Kolumbienreise.
Der Wecker klingelt um 3.50 in Peireira. Unsere Sache sind neu gepackt, der Wanderrucksack mit Schlafsack und warmer Wanderkleidung, der Rest alles in die Reisetasche. Um 4.30 holt uns Carlos und sein Fahrer am Hotel ab. Bei strömenden Regen fahren wir durch die Nacht in Richtung Berge. Erst hört der Asphalt auf, dann wird der Weg immer steiler, aus der unbefestigten Straße wird ein steiniger Weg. Unbeleuchtete Maultiere mit Milchkannen kommen uns entgegen. Bis über 4000m Höhe dominiert die Viehwirtschaft? Große Weideflächen mit vereinzelten Rindern, nur wenig Wald ist erhalten.
Es geht los auf knapp 4000m
Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir Potosí, eine Berghütte am Rande des Nationalparks. Wir bekommen noch ein Frühstück, und jede Menge Zusatzgewicht. Ich war so stolz, knapp gepackt zu haben. Jede Menge Süßzeug und Knabberkram, Äpfel aus den USA, sowie Gummistiefel und ein dicker Regenponcho.
Mit der üblichen Registrierung mit Reisepassnummer am Parkeingang wandern wir gemächlich nach oben. Wir starten auf 3900m Höhe, was die Schritte langsamer werden lässt. Nach einer Stunde erreichen wir einen Mirador mit Aussicht auf mehrere Wasserfälle und den Lago de Otun. Dann erreichen wir die berühmte Paramo-Landschaft, mit spezialisierten Palmen, die nur hier im Hochmoor wachsen. Jetzt wechseln wir auch unsere Wanderschuhe gegen die Gummisitefel. Wir werden sie die nächsten Tage nicht mehr ausziehen.
Nach dem Mittag-Lunch mit Reis und Eiern wandern wir durch den Paramo und den Nebelschwaden, was eine geheimnisvolle Atmosphäre hervorruft. Der Name der stehenden Korbblüter, Freilejones, geht auf die spanischen Entdecker zurück, die in ihnen im Nebel einen „Kapuziner-Mönch“ sahen, einen „Fraile capuchino“.
Die Wolken werden immer dichter, und dann fängt es an zu regnen: Regenjacke an und die Regenhose raus aus dem Rucksack. Wir laufen unserem Guide Carlos hinterher, der Weg zieht sich immer länger. Es geht aber abwärts – im Bewusstsein, dass es am Ende noch wieder bergauf geht. So kommen wir an unseren tiefsten Punkt und müssen einen reißenden Fluss auf ein paar schmalen Planken überqueren.
15km haben wir schon auf der Uhr, und jetzt kommt erst das dicke Ende. Noch 3km und noch 300m Aufstieg. Eigentlich sind wir schon mit den Kräften am Ende. Nach ein paar Kuh- und Pferdeweiden geht es in einer schmalen Rinne steil bergauf. Wir sind nur noch „dos caracoles“, zwei Schnecken auf dem Weg nach oben. Wir kommen nur noch langsam voran, jeder Schritt schmerzt und eigentlich müssten wir aufgeben. Aber das ist keine Option, denn weit und breit ist nichts. Also weiter langsamen Schrittes nach oben, wir feuern und gegenseitig an: „Wir schaffen das“.
Es dämmert, und das ist in diesen Breiten ein kurzes Vergnügen. Gerade rechtzeitig zum Abendrot treten wir aus der Rinne heraus und haben noch einen herrlichen Blick über das Cauca-Tal in Richtung Ost-Kollidiere und das Tatamà. Aber die Passhöhe ist noch immer nicht erreicht. Jetzt geht es im letzten Abendlicht wieder von Grasssode zu Grasbüschel im schlammigen Hochmoor Carlos gibt die Stirnlampen aus, nachdem wir die Passhöhe erreicht haben. Wir erblicken die „Finca Berlin“, unser Ziel. Aber es ist noch ein glitschiger Abstieg in der Dunkelheit. Wir sind mit den Kräften am Ende.
Völlig erschöpft torkeln wir in die Finca, begrüßt von laut bellenden Schäferhunden. Wir können kaum noch sprechen, schaffen es gerade noch, die Gummistiefel und die Regenklamotten auszuziehen. Nach dem Essen fallen wir gleich ins Bett. Die Unterkunft ist sehr einfach, aber dqs ist uns zu diesem Zeitpunkt egal: Wir sind einfach zu kaputt. Ob wir uns bis morgen regenerieren können? Hoffentlich können wir schlafen auf 3811m Höhe.