Karibik: Isla Fuerte

Nachdem das Auto auf halber Strecke liegengeblieben ist, sind wir mit einem zweiten Auto dann doch in Paso Nuevo angekommen. An der gebuchten Unterkunft erwartet uns eine Baustelle, ein paar Arbeiter schließen uns ein Zimmer ohne Fenster auf. Die Boote nach Isla fuerte sollen neben der Texaco-Tankstelle abfahren. Also schauen wir dort nach. Dort sitzen einige Menschen auf Plastikstühlen, Baumaterial ist gestapelt. Ein Mann spricht uns an, dass er noch 12 Personen zusammenkriegen muss, damit am Nachmittag noch ein Boot nach Isla Fuerte fahren kann. Wir sagen zu und holen unsere Sachen wieder aus der Unterkunft, die sowieso nicht schön war. Wir bekommen auch Plastikstühle zugewiesen. 

Warten auf die Boote

Nach einer Stunde Warten kommen ein paar Bootevom Meer aus angefahren. Einen Anleger gibt es nicht, die Boote fahren rückwärts an den Strand. Wir beobachten die Männer, die die schweren Sand- und Zementsäcke in die Boote tragen. Wir packen unser Gepäck wasserfest ein, so gut es geht. Dann sind wir dran: Die Männer tragen unsere Taschen in das Boot, wir waten durch das Wasser und klettern an Bord. Schwimmwesten an uns schon gehts los, 12km über das offene Meer. Wie angekündigt wird es wellig und nass. Der Kapitän führt uns sicher durch die Wellentäler und Berge. Wir werden direkt ins Hotel Fuerte Mayal gefahren. Von Paso Nuevo aus hatte ich bei dem Hotel angerufen, ob wir schon einen Tag früher kommen könnten. Später stellt sich heraus, dass die Köchin und Haushälterin auch erst angerufen werden musste und parallel zu uns auf die Insel gefahren ist. 

An der Texaco-Tankstelle fahren die. Boote nach Isla Fuerte ab

Wir sind fünf Nächte allein im Hotel auf Isla Fuerte und werden mit tollem Fisch von der Haushälterin bekocht. Wir gehen dreimal täglich Schwimmen, hängen in der Hängematte und schauen aufs Meer und lesen, und machen Yoga. Von unserem Zimmer aus können wir morgens vom Bett aus die Kolibris die Blüten anzapfen sehen. 

Die Blüten werden von den Kolibris gerne besucht
Der Strand auf Isla Fuerte

Unsere Wanderung führt uns über das Inseldörfchen Puerto Limon an den grüßten Strand, Playa San Diego, von wo aus wir an der Küste weiter nach Norden wandern. Sie ist wild und nicht aufgeräumt, Palmenstämme liegen herum, Treibgut und Fischerboote liegen am Strand. Dazwischen die scharfen Korallen in allen Formen. Zwischen den Stränden machen die Mangroven das vorankommen schwierig. An der Nordspitze der Insel kommen wir zu einem Hotel aus Holz, das allerdings nicht bewirtschaftet scheint. Gerade rechtzeitig zum Unterstellen, weil sich der Himmel in einem tropischen Regenguss entlädt. Außer ein paar Hühnern und einem Mann, der alleine an einem Anleger arbeitet, ist niemand zu sehen. 

Der Strand ist wild

Die Regenwolken verziehen sich, und wie es in den Tropen üblich ist, kommt schnell die Sonne wieder heraus, um alles zu trocknen. Wir finden den Weg zurück ins Inselinnere und wandern an leidlich bestellten Bananenplantagen vorbei. Nach nur kurzer Zeit erreichen wir die andere Seite der Insel (sie ist auch nur 2x3km groß) und gehen in einer Bucht schwimmen. 

Suche nach dem Weg in den Mangroven

Unser Versuch, durch die Mangroven die Nordspitze der Insel zu erreichen, scheitert an dem sumpfigen Morast. Wir kommen einfach nicht weiter und müssen umdrehen. Die Nordspitze umfahren wir dann auf einer Schnorcheltour, die wir gebucht haben. Wir werden vor der Insel zu Wasser gelassen und können uns die Unterwasserwelt und die Korallen in geringer Tiefe anschauen. Anschließend fahren wir durch die hohen Wellen an der Nordspitze, die das Boot herumhüpfen lässt. Wir haben zum Glück nur Schwimmsachen an. So kommen wir mit dem Boot noch einmal um die ganze Insel. 

Die kleinen „Lanchas“

Die Rückfahrt treten wir auf einer vollbepackten Lancha an: Das Boot liegt so tief, dass ständig das Wasser rein spritzt. Wir haben nur die Badesachen an und die Wechselkleidung in wasserfesten Säcken. Nach wenigen Minuten sind wir völlig durchnässt, obwohl wir an der wind- und wellenabgewandten Seite sitzen. Das Festland ist zuerst nicht zu sehen und taucht erst mit zwei Sendemasten auf. Beruhigend ist der Gedanke, dass der Bootsführer die Strecke mehrmals am Tag fährt. 

Wir erreichen wohlbehalten den Strand in Paso Nuevo und waten an Land. Es steht auch schon ein Fahrzeug bereit, dass uns nach Lorica fahren will. Der Fahrer muss allerdings erst die Stauden Bananen umpacken, um unser Gepäck unterzubringen. Mit einem jungen Paar aus Bogotá fahren wir dann los. 

Die durch den Sturm zerstörte Brücke

Die Weiterfahrt im Bus nach Necoclí wird dann langwierig. Ein vollbepackter VW-Transporter fährt mit uns los, in dem die Sitze für uns große Europäer viel zu klein sind. Auch in den Gängen stehen die Koffer. Schon gleich am Anfang fährt der Bus einen Umweg. Später erkennen wir warum: Alle Brücken sind bei den Unwettern im Februar unpassierbar geworden. Ein Tiefdruckgebiet aus Kanada ist bis in die Karibik vorgestoßen. In San Juan de Urabá wurde die ganze Böschung an der Brücke weggespült und mehrere Ponton-Fähren ermöglichen die Überfahrt über den Fluss. So brauchen wir für die 150km sechs Stunden, bis wir erschöpft in Necoclí am Golfo de Urabá ankommen. 

In Necoclí wollen wir eine Nacht bleiben, um am nächsten Morgen mit dem Boot den Golfo de Urabá nach Capurganá zu überqueren. Der Ort ist ein freundlicher Urlaubsort. Aber gleich laufen neben mir zwei Soldaten mit dem Maschinengewehr im Arm. Necoclí ist der Ursprungsort der Todesschwadronen der 90er und 00er Jahre, den ‚Grupos Autodefensas‘. Diese gingen mit großer Gewalt gegen die FARC-Guerilla und vor allem gegen die Bauern vor, die sie vermeintlich unterstützten. Viele Campesinos wurden ermordet oder vertrieben, heute breiten sich dort weitläufige Rinderfarmen von Großgrundbesitzern aus (Quelle: Coco, Reiseführer Kolumbien). 

In Necoclí muss man eine Hafensteuer bezahlen

Nach der Auflösung der ‚Autodefensas‘ bestimmt heute der ‚Clan del Golfo‘ die Region, die letzte große illegale Kokain-Organisation mit Verbindungen zu den mexikanischen Kartellen (Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Clan_del_Golfo, 26.04.26). Zum Glück bekommen wir von alledem nichts direkt mit. Aber wir müssen davon ausgehen, dass alle Hotels oder die Reedereien Schutzgeld bezahlen müssen. 

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