Cusco

13.5155 W; 71.9737 S

„Good restaurant! Massage Sir! Paintings! Good quality!“

Alle zehn Meter werde ich angesprochen, irgendetwas zu kaufen oder ein Lokal zu betreten. Nach der Touristen-Abstinenz der letzten Wochen ist das ein echter Schock. Touristen-Angebote im Überfluss. Jeder scheint hier etwas vom Touristen-Kuchen abhaben zu wollen. Das Touristen-Angebot ist schier unüberschaubar: so viele Restaurants, Kunsthandwerk-Läden, Bars, fliegende Händler, Frauen mit kleinen Alpaka-Babys, die für Fotos posieren wollen. Ich werde fast erschlagen.

Es ist fast schwer spanisch zu sprechen. Wie selbstverständlich werde ich hier auf englisch angesprochen. Hier sind plötzlich auch die ganzen US-Amerikaner. Und viele spirituell angehauchte Leute. Es gibt hier einen Kaktus, San Pedro, der halluzinogene Wirkung hat. Viele der Touristen kommen für Sessions mit dieser Droge hierher.

Und ich werde übers Ohr gehauen. Hier in Cusco muss man sofort aufpassen, was man zahlt, das was einem gesagt wird, ist immer viel zu niedrig und es wird am Ende immer mehr. Oder umgekehrt, es wird ein astronomisch hoher Preis gefordert, den man dann runterhandeln muss, auf ein Niveau, das immer noch zu hoch ist (gemessen natürlich an den peruanischen Preisen). Daran war ich die letzten Wochen nicht gewöhnt.

In den letzten Wochen bin ich kaum internationalen Touristen begegnet. Irgendwann hat es mir gefehlt, der Austausch mit anderen Reisenden. Nach vier Tagen in Tarma bin ich nicht weiter mit dem Bus gereist, wie ich eigentlich vorhatte. Zu lange dauern die Passagen mit dem Bus, von einer zur anderen Stadt muss man immer mindestens zehn Stunden einrechnen. Von Ayacucho nach Cusco wären es sogar 16 Stunden gewesen. Also habe ich mich in Jauja in das Flugzeug nach Lima gesetzt und bin dort nach Cusco umgestiegen. Auf den Besuch von Ayacucho habe die ich leider verzichtet. Aber man kann nicht alles haben. Dass es bei Tarma überhaupt einen Flughafen gibt, habe ich erst am Morgen von einem Alten, bei dem ich noch einen Kaffee am Stand getrunken habe, erfahren.

Cusco – ist wirklich schön!

Ich wandele durch tolle koloniale Straßen, die spanischen Häuser nett, aber nichtaufdringlich renoviert. In der Innenstadt sind die Straßen breit, die Häuser repräsentativ, mit schönen Holzbalkonen, pompösen Eingangsportalen und netten Innenhöfen. In dem nördlich gelegenen Viertel San Blas, wo mein Hostal liegt, sind die Straßen schmal, die Häuser niedrig, so dass man als Fußgänger ruhig durch die Gassen wandeln kann. Zwischen den Häusern gibt es immer wieder einen schönen Blick über die Stadt.

Tagsüber scheint die Sonne, der weite blaue Himmel ist von dicken Schönwetterwolken bestückt. Erst abends kommen die Gewitterwolken. Es ist ja invierno, Winter, obwohl ich mich ja geografisch auf der Südhalbkugel im Sommer befinden sollte. Aber hier wird die Regenzeit als Winter bezeichnet. Die soll ja eigentlich erst im Dezember beginnen, aber nach den Regengüssen der letzten Abende scheint es jetzt schon loszugehen. Es schüttete dermaßen, dass die Gullydeckel sich anhoben und ich nicht mehr die Straße queren konnte, weil knöcheltief das Wasser durch die Straßen floß.

Sitze bei 31 Grad an einem kleinen Kiosk in San Blas, mit einem überwältigenden Blick über die Stadt, aus dem Lautsprecher läuft Rockmusik, canción del amor, und die goldenen Christbaumkugeln erinnern daran, dass bald die Adventszeit beginnt.

Die chica in blau versucht die Touristen in ihre Nachbarbar zu lenken, die mit lauter house music Depeche Mode bei mir Konkurrenz macht. Ich habe ja mein Cusqueña ja schon hier bestellt.

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