Myanmar

Wir sind doch etwas angespannt, ob alles gut klappt mit der Ein- und Weiterreise nach Myanmar. Im Bus von Chiang Rai in die Grenzstadt Mae Sai lese ich noch in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts: Hsipaw, unser erstes Ziel in Myanmar, wird gewarnt, weil es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Shan-Rebellen und der Armee gekommen ist. Die Anspannung wird nicht weniger.

Wir hatten ja sowieso länger überlegt, ob wir wegen der Menschenrechtsverletzungen der Armee in den Rohinjha-Gebieten überhaupt nach Myanmar fahren sollten. Wir haben uns dann doch dafür entschieden. Erst seit kurzem ist die Einreise über Tachileik nahe dem „Goldenen Dreieck“ auf dem Landweg möglich. Die Informationen über das Internet und den Reiseführern sind widersprüchlich. Die einen raten ganz von der Einreise über Land ab. Andere behaupten, man müsse auch dort wieder ausreisen, wo man eingereist ist. Genaueres weiß man nicht.

Wir gehen also mit etwas klammen Gefühl an die Grenzbrücke in Mae Sai. Wir haben einen Flug von Tachileik nach Lashio gebucht, 100km von Hsipaw entfernt. Wir haben eine Unterkunft gebucht. Der letzte Bus von Lashio geht um 14 Uhr (!), also bleibt ein teures Taxi. Ausreisestempel bei der Thailändischen Immigration, kein Problem.An ein Paar Bettlern vorbei gehen wir über die Brücke. Wir betreten Myanmar, bis vor kurzem noch eine brutale Diktatur und noch lange keine Demokratie. Ich erwarte realsozialistische Verhältnisse. Das Ambiente stimmt mit den Erwartungen überein, aber die Beamten sind freundlich und alles geht schnell und unkompliziert. Das e-Visum, in Deutschland im Internet gebucht, funktioniert reibungslos. Wir bekommen ein Motorrad-Taxi zum Flughafen und können noch unterwegs eine SIM-Karte für das Land kaufen.

Das Flugzeug hat nur 30 Minuten Verspätung, super für Myanmar-Verhältnisse. Der Flughafen ist antiquiert. Während in Thailand die Passagiere darauf getrimmt werden, die Check-In-Automaten zu bedienen, steht hier noch echtes Personal, in großer Zahl. Golden Myanmar Airlines heißt die Fluggesellschaft und man wird persönlich betreut. Wir bekommen einen goldenen Aufkleber auf die Brust, zum Zeichen, dass wir dazugehören. Wenn man nicht rechtzeitig in der Schlange steht, wird man gesucht.

Die Männer tragen traditionelle Longhis. Die Autos sind viel kleiner, die LKWs stinken mehr. Der Gang über die Grenze ist auch ein Schritt in der Entwicklung nach unten. Vom Schwellenland Thailand in das Entwicklungsland Myanmar, vom Human Devellopment Index Platz 83 von Thailand auf den Platz 145 für Myanmar. Man sieht es sofort: die Straßen sind schlechter, die Autos kleiner, die Menschen oft dünner, die Mopeds zahlreicher, die Hütten ärmlicher, der Müll am Straßenrand unübersehbarer. Myanmar hatte keinen Anteil an dem Wirtschaftsboom der südostasiatischen Tigerstaaten, weil es sich seit dem Militärputsch 1962 von der Welt abgeschottet hat und weil es wegen der massiven Menschenrechtsverletzungen von der Staatengemeinschaft mit vielen Sanktionen belegt wurde.

Wir sind gut angekommen im Shan-Staat in Hsipaw. Ich bin gespannt was wir hier alles erleben werden. Bis vor kurzem konnten Ausländer nur ein Visum für eine Woche bekommen. Erst in denn letzen paar Jahren wurden die Einreisebestimmungen gelockert und Myanmar will mehr am touristischen Boom teilhaben. So ind die Angaben in den Reiseführern schnell veraltet. Trotzdem sind noch viele Routen nicht für Touristen offen und man darf keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Wir können zwar problemlos über Land einreisen, die Weiterreise innerhalb Myanmars war im Bus jedoch nicht möglich. Wir müssen von Tachileik nach Lashio fliegen.

Erst seit 2016 hat Myanmar ansatzweise demokratische Strukturen.

Bei der … Wahl am 8. November 2015 gewann die NLD 77 % der Sitze im Parlament. Aung San Suu Kyi konnte jedoch nicht selbst Präsidentin werden, da ihre beiden Söhne britische Pässe haben. Im März 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter von Aung San Suu Kyi, zum neuen Präsidenten gewählt. Aung San Suu Kyi wurde in der Folge zur Außenministerin ernannt. wikipedia

Aung San Suu Kyi bestimmt als „Regierungsberaterin“ die Politik im Lande. Seit Ende der achtziger Jahre war sie Anführerin der Opposition in Myanmar und wurde seit dem unter Hausarrest gestellt. Trotz des langsamen Wandels hat da Militär noch große Macht in Myanmar. 25% der Parlamentssitze sind für das Militär reserviert. Nach wie vor werden grobe Menschenrechtsverletzungen durch das Militär begangen. Die ethnische Unterdrückung und Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohinyas sind die immer noch andauernden Verbrechen des Militärs. Leider hat sich die die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi dazu weder geäußert noch etwas dagegen unternommen, was ihr erhebliche Kritik eingebracht hat. Wikipedia, Amnesty International

Wir sind trotzdem hergefahren. Einerseits die Neugier auf ein Land in einem rasanten Wandlungsprozess und auch in der Hoffnung darauf, dass Tourismus eine Öffnung und Öffentlichkeit befördern und eine Demokratisierung unterstützen kann. In den nächsten Tagen wird uns Mr Donald in dieser Hoffnung bestärken.

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