Aktuell: Wahl und Königskrönung in Thailand

Bangkok, 13,7625 N; 100,5004 O

Noch ist das Bild vom neuen König verpackt, aber im Mai soll es aufgehängt werden. Dann soll der neue König Rama X gekrönt werden, nachdem die zweijährige Trauerzeit nach dem Tod König Bhumibols vorbei ist. Seit zwei Jahren amtiert der neue König Maha Vajiralongkorn im Amt, aber wenn man sich in den Geschäften und Restaurants umschaut, findet man selten ein Bild von ihm. In Thailand, wo die Kritik am Königshaus unter schwerer Strafe steht, scheint dieses ein stummer Protest gegen den Lebenswandel des neuen zu sein:

Thronfolger in Thailand

Letzte Woche fanden Parlamentswahlen hier in Thailand statt. Noch ist das offizielle Ergebnis nicht veröffentlicht, aber es scheint sich knapp der Kandidat des Militärs durchgesetzt zu haben. Wenn man durch die Straßen Bangkoks geht, hat man nicht das Gefühl sich in einer Miltärdiktatur zu befinden. Aber seit dem Militärputsch von 2014 bestimmen die Militärs die Politik und haben ihnen genehme Politiker in die Regierung gesetzt. Kritische Nachrichtensender wurden verboten, die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Der öffentliche politische Diskurs ist zum Erliegen gekommen. Vor 2014 haben sich zwei politische Lager immer wieder erbittert bekämpft, ohne dass eine Seite die Mehrheit erringen konnte. Die „Gelbhemden“ galten als die Königstreuen, die „Rothemden“ als deren Kritiker. Aber Positionen sind in Thailand nicht so leicht den Parteien zuzuordnen wie bei uns in Europa. Bis dann das Militär putschte und eine Diktatur errichtet. Danach wurden die versprochenen Wahlen immer wieder verschoben. Zuletzt verbot der neue König seiner beliebten großen Schwester für das Parlament zu kandidieren. Die von ihr unterstützte Partei wurde kurzerhand aufgelöst. Dieser Vorgang wurde als Unterstützung des Königs für die Kandidaten des Militärs gewertet.

König verbietet Kandidatur der Prinzessin

Wenn man sich die Frage stellt, ob man in undemokratische Länder reisen kann, so muss man sich dieses auch für Thailand fragen. Interessant finde ich aber auch, dass die Thailänder offensichtlich bei der Wahl für „Ruhe im Karton“ mehrheitlich gestimmt haben, anstatt für demokratische Freiheiten. Was bedeutet das für die Demokratie? Ist der demokratische Streit um die besten Lösungen gar nicht immer das beste System? Als Tourist bekommt man davon auf der Straße nichts mit. Kein Militär patrouilliert mit Gewehren auf der Straße. Sieht so eine moderne Diktatur aus? Aber sollte es uns als Touristen egal sein? Der globale Tourismus sollte doch die Demokratie in die Welt bringen. In Myanmar haben wir erfahren, dass die Touristen aus dem Westen sein zwei Jahren wegbleiben wegen der politischen Situation. Wenn man nicht mehr in die Türkei fährt wegen der Demokratiedefizite in dem Land, wäre die Situation für Thailand nicht anders. Auf der anderen Seite: wäre ich nicht nach Thailand gefahren, hätte ich das bei allem politischen Interesse gar nicht erfahren.

Ich finde es ganz schön schwierig zu entscheiden, ob man als Tourist in Länder fahren sollte, die ein Demokratiedefizit haben. Ich finde es eher wichtig, dass man sich als Tourist auch für die politische Situation der Menschen im Reiseland interessiert. Letztendlich müssen die Menschen in Thailand und anderen Ländern ihre politische Situation selbst verbessern. Aber trotzdem sollten auch Touristen immer wieder für demokratische Verhältnisse eintreten, wenn das Versprechen eingehalten soll, dass die Globalisierung auch die Demokratie in der Welt verbreiten soll.

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