Kleinigkeiten des Alltags

Betel kauen

Sie sehen aus wie Dracula. Ihr Lächeln eröffnet eröffnet einen roten Schlund, aus denen kleine weiße Zähne hervorluge, oder was davon übrig geblieben ist. Die Männer kauen Betelnüsse. Betelnüsse färben sich in Verbindung mit Spucke rot. Sie regen den Speichelfluss an, so dass sie dauern irgendwo ausspucken müssen. Überall sieht man die roten Flecken auf der Straße, an den Bäumen oder den Mülleimern der Restauranttische. Betelkauen ist eher das Genussmittel der einfachen Leute. An den Busbahnhöfen oder den Märkten sieht man viel mehr Männer kauen als anderswo. Frauen kauen fast keine Nüsse. Das dauernde Hingerotze ist schon ziemlich eklig. Das sonst so schöne Lächeln der Menschen kann durch das Betelkauen zu einer Fratze werden. Betel ist schon eine uralte Kulturpflanze, die leicht berauschende und aufputschende Wirkung hat. Verkauft werden die Nüsse von Betelschneidern,

die an Busbahnhöfen und Märkten sitzen. Sie verpacken die Nüsse in kleine Päckchen, die dann gekaut werden.

Das sagt wikipedia:

Unreife Betelnüsse werden in Asien mit Betelschneidern kleingehackt. Üblicherweise werden diese in mit gelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, welche nicht von der Betelpalme, sondern vom Betelpfeffer (Piper betle) stammen. Der fertige Betelbissen (auch sirih) wird gekaut. Wegen des bitteren Geschmacks werden häufig Gewürze wie Pfefferminze, Lakritze oder auch Kautabak hinzugegeben. Der gelöschte Kalk bewirkt, dass das in den Nüssen befindliche Arecolin in Arecaidin und Methanol hydrolysiert, greift aber auch das Zahnfleisch an. Sinn der Umwandlung des Alkaloids in die freie Base ist die leichtere Resorbierbarkeit. Die Wirkstoffe werden nach dem Kauen im Mund direkt resorbiert und passieren rasch die Blut-Hirn-Schranke, was gegen Ermüdung wirkt. Das Betelkauen wird seit Jahrhunderten praktiziert, aktuellen Schätzungen zufolge in Ostafrika und Asien von mehr als 450 Millionen Menschen. Durch die Alkalisierung bilden sich Phlobatannine, welche den Speichel rot färben. Daher fand dies in Asien auch zum Färben der Lippen Verwendung. (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Betelnusspalme)

Von Kalaw an den Inle-See

Inle-See: 20 Grad 33 Minuten N, 96 Grad 55 Minuten O

Mit Than, unserem Führerund fünf weiteren Trekkern geht es drei Tage zu Fuß durch das Land von Kalaw an den Inle-See.

Nach den Feldern rund um Kalaw kommen wir in den grünen tropischen Wald in Richtung des Stausees zur Wasserversorgung der Stadt. Das Wasserwerk wurde erst 2016 mit Hilfe Japans gebaut, mir ist rätselhaft, wie vorher die Wasserversorgung ohne die Filterbecken aussah. Durch üppig grünen Wald geht es stetig nach oben. Oben am Kamm der Berge angekommen, eröffnet sich uns ein weiter Blick nach Süden über große Teeplantagen. Nur: der Wald ist komplett weg, stattdessen brennen überall die Feuer. Ganze Bergrücken werden abgefackelt. Wie es vermieden wird, dass auch die bestellten Plantagen oder die die Häuser niederbrennen, kann uns Than auch nicht sagen. Trotz des tollen Blickes gehen die Aschestücken auf uns nieder und trüben die Stimmung. 10-15% des Klimawandels gehen auf das Konto von Brandrodung (1).

Die Wege verlaufen meist auf den Höhenrücken der Berge. Felder wechseln sich mit Wald ab. Über uns ziehen Adler ihre Kreise. Wir treffen auf ein paar Häuser, vor denen Männer ein Brettspiel spielen. Jeder hat Geldscheine in der Hand. Auf dem Brett werden Spielsteine hin und her geschossen, ähnlich wie beim Billiard. Legal ist das Spiel um Geld nicht. Wehe jemand ruft die Polizei an.

Nach einiger Zeit treffen wir auf die Bahngleise. Die Bahnlinie führt von Taunggyi nach Yangon. Die Schritte immer genau auf die Schwellen zu setzen ist gar nicht so leicht. Die Abstände sind nie gleich. Da konzentrieren wir uns lieber auf den Schritt als in die Landschaft zu schauen. Mit dem Schwellenschritt erreichen wir Myndeik, im Bahnhof gibt es erstmal Tee im Laden/Restaurant/Wohnzimmer ? des Bahnhofsvorstehers. Sein Sohn spielt währenddessen mit den Flaggen des Vaters, rot und grün. Von hier aus kann man mit dem Zug nach Yangon fahren, wenn man genügend Zeit und Geduld mitbringt.

„Kommt der Zug gleich?“

Die Ankunft eines Zuges ist das Ereignis im Dorf. Die Frauen setzen sich in Bewegung, den wenigen Reisenden etwas zu verkaufen: Getränke, Fleischstücken am Spieß, Gemüse für Zuhause oder Blumen für die Pagode oder den häuslichen Schrein. Laut schreiend wird sich auf die Wagonfenster gestürzt und die Ware feilgeboten. Der Zug bleibt lang genug stehen, damit alle Wünsche erfüllt werden. Er hat meist sowieso schon Verspätung.

Langsam setzt er sich wieder in Bewegung, quietschend rumpelt er aus dem Bahnhof. Die Frauen gehen wieder nach Hause, es war der letzte Zug für heute. Um halb Fünf färbt sich das Licht abendlich gelb/rot. Wir brechen auch zu unseren letzten Kilometern zu unserer ersten Unterkunft auf. Das Licht färbt die Landschaft ein bezaubernde warme Farben. Die Hitze des Tages bleibt noch bei uns, die Steine und der Boden strahlen die Wärme zurück.

Wir erreichen ein Dorf. Vor einem Haus, das sich nicht von den anderen unterscheidet, biegt Than ein. 21 km haben liegen hinter uns. Wir haben unsere Unterkunft erreicht. Im ersten Stock bekommen wir ein Zimmer mit sechs Schlafplätzen: Reismatten auf dem Boden, je ein Kopfkissen und zwei Decken. Wie im Lager auf einer Berghütte. Die asiatischen Lager sind aber extrem hart. Auch die Badezimmer sind ländlich, ein Wellblechverschlag mit einem Bottich mit Wasser und einer Schöpfkelle. Die Plumpsklos etwas weiter hinten. Der Wasserbüffel steht gleich hinter dem Klo. Die Familie Kocht traditionell in der Mitte ihres Hauses. Die Nacht ist stockdunkel. Ich kann meine Hand nicht vor Augen sehen und muss die Stirnlampe ertasten.

Die Dusche

Am nächsten Morgen wird die Landschaft schnell anders. Wir lassen den Wald hinter uns und Felder in hügeliger Landschaft tun sch vor uns auf. Braun und Ocker werden die bestimmenden Farben des Tages. An einem Geschäft stoßen weitere fünf Wanderer zu uns, die nur zwei Tage unterwegs sein wollen. Kleine Felder reihen sich aneinander, auf vielen wird mit der Hacke gearbeitet. Feldarbeit ist Handarbeit. Die Werkzeuge bescheiden: Hacke, langes Buschmesser, das wars meistens. Manchmal bearbeitet eine ganze Gruppe ein Feld, aber das ist selten. Die meisten Felder sind abgeerntet. Es wird schnell sehr heiß. die schützenden Bäume des Waldes fehlen. Nur einzelne große weit ausladende Bäume säumen unseren Weg. Das einzige, was noch auf den Feldern steht, ist Chili. Unser Weg ist ist ein ständiges auf und ab, klare Täler oder oder Flussläufe sind nicht zu erkennen.

Mittags erreichen wir ein Dorf, wo eine Familie für uns kocht. Avocadosalat, gebratener Reis, Gemüse, Hühnchenfleisch. Danach Mittagsschlaf, einfach nach hinten auf den Teakholzboden fallen lassen und eine Stunde schlafen. Unser Marschtempo ist durchaus flott, auch als erfahrene Wanderer müssen wir uns ranhalten. Aber bei jedem Fotostopp fallen wir wieder zurück.

Die Dörfer, durch die wir kommen, haben meist keinen Strom. Die ersten Dörfer waren Palaung-Dörfer, dann kamen wir durch Dörfer des Pao-Volkes (2). Unser Guide konnte sich hier gut verständigen, er stammt selbst aus dieser Volksgruppe. Viele der Dorfbewohner können kein Birmanisch verstehen und sprechen. Heiraten zwischen den Volksgruppen sind selten und bedürfen besonderer Genehmigung der Eltern und Dorfvorstände. Frauen tragen besondere Trachten, schwarze Gewänder mit bunten Säumen. Auf dem Kopf tragen sie bunte um den Kopf geschlagene Tücher. Die Männer sind eher einfallslos gekleidet. Myanmar ist ein Vielvölkerstaat mit 135 Ethnien.

Uns kommt eine große Frauengruppe entgegen, alle Altersstufen. Alle im gleichen Pao-Schwarz gekleidet. Sie schauen uns aus hübschen Gesichtern an. Sie kommen von einer Hochzeitsfeier. Männer und Frauen gehen getrennt. Dann können die Männer ungestört trinken. Sie fragen uns, ob wir nicht müde seien von der ganzen Wanderung. Than übersetzt für uns. Unter einem Baum sitzen sieben alte Frauen. Sie sind auch alle im traditionellen Schwarz gekleidet. Sie gehen auf eine Beerdigung. Die meisten haben kaum noch Zähne im Mund. Sie wirken schon sehr alt, laut Than sind sie wohl erst Mitte sechzig. Das Leben mit der Arbeit auf dem Feld ist wohl sehr zehrend. Aber sie sehen sehr würdevoll aus.

Die Dörfer, durch die wir kommen, haben meistens keinen Strom. Chinesische Solarzellen und eine angehängte Batterie erlauben mittlerweile etwas Licht am Abend, das Aufladen der Smartphones und vielleicht einen Fernseher. Nachts ist es aber meist stockdunkel. Wir kommen an einer natürlichen Quelle vorbei, einer kleinen grünen Oase. Das Wasser sprudelt eine kleine Kante zügig herunter. Die Dorfbewohner haben zwei kleine Generatoren installiert, um das Dorf mit Strom zu versorgen. Die Dinger wirken wirklich antiquiert. Es scheint überall die Eigeninitiative der Menschen im Dorf nötig zu sein, der Staat scheint sich um die Elektrifizierung nicht zu kümmern. Dabei sehe ich die Elektrizität als eines der zentralen Aufgaben eines Staates innerhalb der Daseinsvorsorge.

Aus der Quelle wird ein kleiner Fluss, der aus dem trockenen Tal eine grüne Oase macht. Pumpen befördern das Wasser auf die Felder. Über den Fluss kann man über wackelige Bambusbrücken das Ufer wechseln. An einem flachen Uferabschnitt können wir baden. Birmesen haben keine Badehosen oder Bikinis, hier wird traditionell im Longi gebadet.

Als wir uns im Wasser abkühlen, kommen Kinder mit einer Herde Wasserbüffel den Pfad hinunter. Die Jungen reiten auf den Tieren. Auch Wasserbüffel lieben das Bad im Fluss, was ihr Name auch vermuten lässt. Ich habe noch nie mit einer Herde Wasserbüffel gebadet. Die Tiere sind jedoch sehr scheu und werden gleich ganz nervös, wenn man sich ihnen zu sehr nähert. Die Kinder nutzen die Gelegenheit zu einem ausführlichen Schwimmen.

Die letzten eineinhalb Stunden unserer Wanderung verläuft im gelben Licht des frühen Abends. Da die Sonne den kürzesten Weg über den Zenit nimmt, nähert sie sich am nachmittag sehr schnell dem Horizont. Macht sie Mittags kaum Schatten, ist er um vier Uhr nachmittags schon mehrere Meter lang. Entsprechend schnell neigt sie sich dem Horizont zu, was das Licht ein ein warmes Gelb und später Orange wandelt. Die ganze Landschaft ist in warme Farbtöne gehüllt. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Dorf, in dem wir wieder bei einer Familie übernachten.

Das Abendessen ist super, viele verschiedene Gemüse und Salate. Etwas erschrocken sind wir, als wir erfahren, dass alle Lebensmittel, die wir essen, extra aus Kalaw mit dem Auto in die Dörfer gefahren werden. Wir dachten, dass wir das lokale Gemüse aus den Dörfern zu Essen bekommen und das dieses eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit für die Familien aus dem Dorf bedeutet. Vielleicht sind die Lagermöglichkeiten auf dem Dorf zu beschränkt. Neben der kleinen Übernachtungsgebühr verdienen die Familien hauptsächlich am konsumierten Bier.

Inle-See

Der See wird austrocknen, wenn die Abholzung so weitergeht wie bisher. Das weiß auch unser Guide. Wir schauen auf gelbe kahle Bergflanken westlich und östlich des Sees.

Am Ende unserer Wanderung setzt Than die Gruppe in zwei Langboote, die auf uns warten. Erst fahren wir mit gemächlichem Tempo durch schmale Kanäle, links und rechts die Wasserkulturen mit den Bambushütten der Bauern. Alles geht hier per Boot. Der schmale Kanal mündet in den großen, ein großes Myanmar-Beer Werbeplakat zieht an uns vorbei. Jetzt reiht sich Langboot an Langboot, mit hoher Geschwindigkeit auf Naung Shwe zufahrend.

Nur in der Ferne registrieren wir die kahlen Berge. Auf der letzten Etappe sind wir durch ein extrem trockenes Tal gewandert. Hier waren nur noch niedrige Bäume und Buschwerk vorhanden. Sicher stand auch hier mal tropischer Wald. Wir erfahren, dass 80% des Teakholz-Bestandes von Myanmar in der Zeit der Militärdiktatur abgeholzt wurde. Das Holz wurde als Devisenbringer ins Ausland verkauft, die Profite von den Konzernen der Generäle einkassiert. Neben dem ökologischen Raubbau auch ein Diebstahl am eigenen Volk. Und dieses System aus Korruption und Bereicherung scheint auch heute noch weiterzugehen. Ich lese auf tagesschau.de einen Bericht, dass die Renovierung des Segelschiffes „Gorch Fock“ der Bundeswehr mit illegalem Teak-Holz aus Myanamr erfolgte.

Sanierung der „Gorch Fock“: Deals mit der Holzmafia?

(1) vgl. http://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/klimawandel.htm

(2) https://en.m.wikipedia.org/wiki/Pa%27O_people

Mandalay

21,9588 N; 96,0891 O

Mandalay – das hört sich schon vom Wort her romantisch und verträumt an.

So Ist es aber gar nicht in dieser Stadt. Hier herrscht die Armut und die Realität eines der ärmsten Länder der Welt. Die Küchen stehen direkt am Straßenrand in den Abgasschwaden, als Fußgänger muss man sich auf der Straße den hunderten von Mopedfahrern entgegenstellen, Fußwege gibt es nicht, Werkstätten befinden sich auf offener Straße, wo mal eben ein Getriebe eines uralten chinesischen Lastwagens auseinander genommen wird. Antiquiert wirkende Handwagen mir enormen Lasten werden durch die Straßen geschoben, Fahrräder sind mit enormen Paketen beladen. Vereinzelt fahren noch alte Fahrrad-Ritschkas herum. Dazwischen laufen rosa Nonnen mit einer Blechschale auf ihrem täglichen Bettel-Gang durch die Stadt. Allgegenwärtig ist der ohrenbetäubende Lärm der Moped, bei denen die meisten auf einen Schalldämpfer verzichtet zu haben scheinen. Alles scheint sich auf der Straße abzuspielen. Auch die Marktstände finden sich an den Straßenläufen wieder. Richtige Geschäfte oder gar Supermärkte findet man selten.

Die Strand Road suggeriert ein Flanieren am Fluss, einen Blick über den Ayeyawaddy mit schönem Sonnenuntergang. Auch hier sieht die Realität anders aus. Die Strand Road ist ein staubiges Stück an der Flussböschung, an der sich die Plastikplanen-Hütten entlangziehen. An der Strand Road liegt alles auf dem sandigen Boden, die Fische, die verkauft werden, liegen auf Plastikfolien zwischen den Fahrbahnen, die Bügelwäsche, die mit einem Bügeleisen geglättet wird, das seinen Namen noch wirklich verdient; Kinder, die alte Motorradreifen durch den Sand treiben. Unterbrochen wird die Szenerie immer wieder durch die kleinen Plastikhocker, auf denen die Menschen sitzen und essen und trinken.

Vor der Strand Road fällt das Ufer sandig ab bis zum Fluss. Die Schiffe liegen hier in dreier bis fünfer Reihen. Einfache Planken verbinden sie mit dem Ufer. Kaianlagen und Anleger sind nicht zu sehen. Es wirkt wie vor hundert Jahren. Die Zentner-Säcke Reis werden auf den Schultern über die Planken an das Ufer balanciert. Die noch alterschwächeren Lastwagen werden beladen, oben auf sitzen die Männer und Frauen (!), die die Ladung auf und abladen. Die alten Hino-Lastwagen brauchen zwei bis drei Anläufe, bis sie die Rampe zur Straße hinauf schaffen, immer wieder muss ein Gehilfe herunterspringen und einen Balken hinter die Reifen legen, damit der Fahrer einen neuen Anlauf nehmen kann und der Lastwagen nicht unkontrolliert zurückrollt.

Baumstämme liegen im Wasser, sie werden den Ayeyawaddy-Fluss hinab geflößt. Der Fluss ist Badezimmer und Waschstube in einem. Überall stehen Frauen knietief im braunen Flusswasser und waschen Wäsche, die auf Bambusstangen getrocknet wird. Ich weiß nicht, wie die Menschen ihre weißen T-Shirts und Longis immer wieder so sauber bekommen, mit denen sie dem Staub trotzen. Überall sind viele Menschen aktiv, kein Lastwagen, der nicht mindestens mit drei Leuten besetzt ist.

Und leider überall: Müll! Alles ist voll von Plastik. Plastiktüten und Plastikverpackung, Plastikflaschen. Jede Straße, jeder Weg, jede Grünanlage ist gefüllt mit Plastikmüll. Die Wasserflächen sind bedeckt mit schönen Lotuspflanzen, aber die Ränder sind prall gefüllt mit weggeworfenen Plastikflaschen und -tüten. Keiner scheint sich daran zu stören. Der Müll ist eine echte Plage, überall macht er sich breit. Alle scheinen es zu ignorieren, wenn sie durch diesen Plastik-Sumpf gehen müssen. Ein paar halbherzige Schilder stehen herum, die vor der Plastik-Vermüllung warnen, aber sie wirken wie lautlose Rufer in der Wüste.

Laut und chaotisch

Die Mopeds knattern durch die Stadt. Es scheinen keine Verkehrsregeln zu geben. Kein rechts vor links oder auch andersherum. Wer anhält, hat verloren. Auf der Fahrt mit einem wilden Tuk Tuk – Fahrer währen wir heute fast mit einem Auto zusammen gestoßen. Nur noch die Vollbremsung des Autos konnte den Zusammenprall verhindern. Der Tuk Tuk Fahrer sich ordentlich aufgeregt, obwohl das Auto von rechts kam. Hier gilt das Recht des stärkeren, oder des frecheren.

Aber es gibt auch noch keine Hochhäuser in Mandalay, keine großen Einkaufszentren, keine Glaspaläste der Banken. Ist das Modernität? Wäre Bangkok oder Chiang Mai ein Vorbild für Mandalay? Sollen jetzt die chinesischen Investoren kommen und ganze Straßenzüge abreißen, um sie mit Glaspalästen vollzubauen. Erfahrung mit Zwangsumsiedlungen und Größenwahn-Projekten hat Myanmar ja schon seit Jahrhunderten. Die Chinesen stehen bereit mit ihrem Geld. Durch das nach wie vor schwierige Verhältnis Myanmars zum Westen durch die Vertreibung de Rohinyas hat das Land sich wieder mehr zu China hin geöffnet. Doch die Chinesen sind nicht beliebt, überall wo man fragt, rollen die Leute mit den Augen, wenn man sie auf die Chinesen anspricht. Sie hätten keine Manieren, hören wir. Auch die Angst vor einem Ausverkauf Myanmars an China ist zu hören. Bisher gingen die Erlöse der Geschäfte mit China immer in zwei Taschen: den der Generäle und den der chinesischen Geschäftsleute. Das Volk von Myanmar hatte nie was davon.

Wird die Stadt kollabieren, wenn immer mehr Mopeds und Autos hinzukommen? Wie schön wäre es, wenn alle lärmenden Mopeds durch E-Mopeds ersetzt würden, die nur noch dahinsurren. Die Straßeninfrastruktur Mandalays ist völlig unzureichend für den Individualverkehr. Ein Bussystem existiert nicht. Wie wird es werden, wenn sich die Menschen noch mehr Mopeds leisten können? Der Staat scheint seine Aufgabe in der Daseinsvorsorge überhaupt nicht wahrzunehmen. Der öffentliche Transport läuft über Pritschenwagen, auf deren Ladefläche Bastmatten ausgelegt sind und über Mototaxis und Tuk Tuks. Ein Lob an den Liberalismus, der Markt muss es regeln. Die Eisenbahn in myanmar ist verrottet. Sie fährt noch auf den Gleisen die einst die englischen Kolonialherren bauten. So ist die Geschwindigkeit der Züge auch nicht schneller als 30km/h. Man kann aber für 1000 Kyat (60 cent) acht Stunden Zug fahren.

Mir kommt der Gedanke, dass eigentlich gar nicht die Menschen arm sind, sondern dass der Staat, in dem sie leben, sie im Stich lässt. Der Staat macht nicht das, was ein guter Staat eigentlich tun sollte: die Daseinsvorsorge für seine Bürger bereitstellen. Für Schulen, Ärztliche Versorgung, Infrastruktur und Transport, Müllbeseitigung, für Demokratie und Menschenrechte sowie ein soziales System zu sorgen. Das Fehlen all dessen macht die Menschen in Myanmar arm.

Hsipaw

22.623616 N; 97.30036004 O

Dämmerung über Birma

Der kleine Herr im blauen Hemd ist Mr Donald, Sao Oo Kya, 78, der Neffe des letzten Sao (Prinz) von Hsipaw. Wir stehen vor East Haw, des „Shawn Pallace“ genannten Villa des letzten Shan-Prinzen, Sao Kya Seng. Mr Donald versucht mit seiner Frau Fern (Sao Sarm Hpong) das Gedenken an die Ereignisse vom März 1962 aufrechtzuerhalten und erzählt Besuchern gegen eine Spende die Geschichte.

Ich stehe in einem Salon der Villa. Die Frau von Mr. Donald erzählt, dass hier die Krönungszeremonie der Sao Tsusandi, der Frau des Prinzen Sao Kya Seng, stattfand. Ich kenne die Bilder, die sie uns zeigt, die das Prinzenpaar vornehm abgebildet zeigt. Ich habe in den letzten Wochen „Dämmerung über Birma“ von Inge Sargent gelesen. In diesem Buch sind alle Bilder abgedruckt. Die Prinzessin war Inge Eberhard aus Österreich.

Im März 1962 putschte sich das Militär in Rangun an die Macht. Die Generäle ließen die gesamte Regierung und die Parlamentsangehörigen inhaftieren. Unter den festgenommenen Parlamentariern war auch der Sao von Hsipaw, eines der Shan-Staaten, die zu der birmanischen Föderation gehörten. Sao hatte Ingrid in Denver in den USA Anfang der 50er Jahre im Studium kennengelernt. Sie verliebten sich und heirateten. Sao nahm seine Frau mit nach Birma, wo sie erst bei der Ankunft in Rangun erfuhr, wer ihr Ehemann wirklich war: der Prinz von Hsipaw, einem Shan-Staat.

Das Foto wurde hier aufgenommen:

Zehn Jahre lebten sie zusammen in Hsipaw und versuchten, das zurückgebliebene, feudalistisch organisierte Land zu modernisieren, Sao mit dein Einflüssen aus den USA, Tsusandi in der Verbesserung der medizinischen Versorgung der Menschen. Bis zum gewaltsamen Umsturz durch die Militärs 1962.

Nachdem der Prinz von den Militärs festgenommen wurde, hat Ingrid ihren Mann nicht mehr wiedergesehen. Sie hatte einen Beweis seiner Festnahme durch einen aus der Haft geschmuggelten Brief. Doch das Militär behauptete, sie habe den Sao gar nicht festgenommen und wisse nichts über seinen Verbleib – eine beliebte Methode, das Verschwinden von missliebigen Personen zu vertuschen. Der Sao wurde vermutlich durch die Militärs ermordet. Alle Versuche der Prinzessin, Kontakt zu ihrem Mann herzustellen, misslangen. Nach zwei Jahren flüchtete sie als österreichische Staatsbürgerin aus Birma, um ihre Kinder zu schützen.

Nach 1962 legte sich für über dreißig Jahre das bleiernde Tuch einer brutalen Militärdiktatur über Birma. Das Land fiel durch einen diktatorischen Sozialismus zu dem ärmsten Land Südostasiens ab. Durch die Abschottung hatte es keinen Anteil am Wirtschaftsboom der anderen Staaten der Region. Bis heute, trotz zaghafter Demokratisierung und der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi als faktische Regierungschefin, hat das Militär noch Macht in Myanmar. Mr Donald, der selber mehrere Jahre im Gefängnis saß, erklärte uns, dass ohne die Rücksacktouristen keine Demokratisierung in Myanmar möglich gewesen wäre.

Es war sehr bewegend, die Geschichte von Sao und Prinzessin Tsusandi (der Inge aus Österreich) an dem Ort zu erfahren, an dem sie stattgefunden hat. Die Geschichte, die wir noch kurz vorher im Buch „Dämmerung über Birma“ gelesen haben. Tief bewegt gingen wir wieder in die Stadt zurück.

Myanmar

Wir sind doch etwas angespannt, ob alles gut klappt mit der Ein- und Weiterreise nach Myanmar. Im Bus von Chiang Rai in die Grenzstadt Mae Sai lese ich noch in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts: Hsipaw, unser erstes Ziel in Myanmar, wird gewarnt, weil es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Shan-Rebellen und der Armee gekommen ist. Die Anspannung wird nicht weniger.

Wir hatten ja sowieso länger überlegt, ob wir wegen der Menschenrechtsverletzungen der Armee in den Rohinjha-Gebieten überhaupt nach Myanmar fahren sollten. Wir haben uns dann doch dafür entschieden. Erst seit kurzem ist die Einreise über Tachileik nahe dem „Goldenen Dreieck“ auf dem Landweg möglich. Die Informationen über das Internet und den Reiseführern sind widersprüchlich. Die einen raten ganz von der Einreise über Land ab. Andere behaupten, man müsse auch dort wieder ausreisen, wo man eingereist ist. Genaueres weiß man nicht.

Wir gehen also mit etwas klammen Gefühl an die Grenzbrücke in Mae Sai. Wir haben einen Flug von Tachileik nach Lashio gebucht, 100km von Hsipaw entfernt. Wir haben eine Unterkunft gebucht. Der letzte Bus von Lashio geht um 14 Uhr (!), also bleibt ein teures Taxi. Ausreisestempel bei der Thailändischen Immigration, kein Problem.An ein Paar Bettlern vorbei gehen wir über die Brücke. Wir betreten Myanmar, bis vor kurzem noch eine brutale Diktatur und noch lange keine Demokratie. Ich erwarte realsozialistische Verhältnisse. Das Ambiente stimmt mit den Erwartungen überein, aber die Beamten sind freundlich und alles geht schnell und unkompliziert. Das e-Visum, in Deutschland im Internet gebucht, funktioniert reibungslos. Wir bekommen ein Motorrad-Taxi zum Flughafen und können noch unterwegs eine SIM-Karte für das Land kaufen.

Das Flugzeug hat nur 30 Minuten Verspätung, super für Myanmar-Verhältnisse. Der Flughafen ist antiquiert. Während in Thailand die Passagiere darauf getrimmt werden, die Check-In-Automaten zu bedienen, steht hier noch echtes Personal, in großer Zahl. Golden Myanmar Airlines heißt die Fluggesellschaft und man wird persönlich betreut. Wir bekommen einen goldenen Aufkleber auf die Brust, zum Zeichen, dass wir dazugehören. Wenn man nicht rechtzeitig in der Schlange steht, wird man gesucht.

Die Männer tragen traditionelle Longhis. Die Autos sind viel kleiner, die LKWs stinken mehr. Der Gang über die Grenze ist auch ein Schritt in der Entwicklung nach unten. Vom Schwellenland Thailand in das Entwicklungsland Myanmar, vom Human Devellopment Index Platz 83 von Thailand auf den Platz 145 für Myanmar. Man sieht es sofort: die Straßen sind schlechter, die Autos kleiner, die Menschen oft dünner, die Mopeds zahlreicher, die Hütten ärmlicher, der Müll am Straßenrand unübersehbarer. Myanmar hatte keinen Anteil an dem Wirtschaftsboom der südostasiatischen Tigerstaaten, weil es sich seit dem Militärputsch 1962 von der Welt abgeschottet hat und weil es wegen der massiven Menschenrechtsverletzungen von der Staatengemeinschaft mit vielen Sanktionen belegt wurde.

Wir sind gut angekommen im Shan-Staat in Hsipaw. Ich bin gespannt was wir hier alles erleben werden. Bis vor kurzem konnten Ausländer nur ein Visum für eine Woche bekommen. Erst in denn letzen paar Jahren wurden die Einreisebestimmungen gelockert und Myanmar will mehr am touristischen Boom teilhaben. So ind die Angaben in den Reiseführern schnell veraltet. Trotzdem sind noch viele Routen nicht für Touristen offen und man darf keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Wir können zwar problemlos über Land einreisen, die Weiterreise innerhalb Myanmars war im Bus jedoch nicht möglich. Wir müssen von Tachileik nach Lashio fliegen.

Erst seit 2016 hat Myanmar ansatzweise demokratische Strukturen.

Bei der … Wahl am 8. November 2015 gewann die NLD 77 % der Sitze im Parlament. Aung San Suu Kyi konnte jedoch nicht selbst Präsidentin werden, da ihre beiden Söhne britische Pässe haben. Im März 2016 wurde Htin Kyaw, ein enger Vertrauter von Aung San Suu Kyi, zum neuen Präsidenten gewählt. Aung San Suu Kyi wurde in der Folge zur Außenministerin ernannt. wikipedia

Aung San Suu Kyi bestimmt als „Regierungsberaterin“ die Politik im Lande. Seit Ende der achtziger Jahre war sie Anführerin der Opposition in Myanmar und wurde seit dem unter Hausarrest gestellt. Trotz des langsamen Wandels hat da Militär noch große Macht in Myanmar. 25% der Parlamentssitze sind für das Militär reserviert. Nach wie vor werden grobe Menschenrechtsverletzungen durch das Militär begangen. Die ethnische Unterdrückung und Vertreibung der muslimischen Minderheit der Rohinyas sind die immer noch andauernden Verbrechen des Militärs. Leider hat sich die die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi dazu weder geäußert noch etwas dagegen unternommen, was ihr erhebliche Kritik eingebracht hat. Wikipedia, Amnesty International

Wir sind trotzdem hergefahren. Einerseits die Neugier auf ein Land in einem rasanten Wandlungsprozess und auch in der Hoffnung darauf, dass Tourismus eine Öffnung und Öffentlichkeit befördern und eine Demokratisierung unterstützen kann. In den nächsten Tagen wird uns Mr Donald in dieser Hoffnung bestärken.

Doi Phoi Kha Nationalpark

18.77631597359 N 100.77394008636 O

Provinz Nan, Nord-Thailand

Orange ist die Farbe dieses Abends. Orange leuchtet die tief stehende Sonne im Westen. Ihre Strahlen werden durch den Dunst gefiltert. Ihr Licht taucht den tropischen Regenwald in eine warme Farbe, wo dass eine magische Atmosphäre entsteht. Nicht mehr die gnadenlose Sonne des Tages brennt auf das Blätterdach, dem man dankbar ist, dass es großzügig Schatten spendet.

Orange ist aber auch die Farbe des Feuers, das auf der gegenüberliegenden Talseite brennt. Zuerst hören wir das knacken der berstenden Stämme und riechen den Rauch, bis wir den Motorroller an einer geeigneten Stelle am Straßenrand anhalten können und frei Sicht über das Tal bekommen. Orange ziehen sich die Flammen den Berghang hinauf, finden reichlich Nahrung im ausgetrockneten Pflanzenreich. Wir stehen zwischen vertrockneten Maispflanzen, deren Felder sich die Berghänge hochziehen.

Brandrodung und Feuer-Landwirtschaft, mitten im Nationalpark! Auf der Einfahrt in die Berge fahren wir schon an kahlen Berghängen vorbei, an denen der tropische Regenwald, der hier eigentlich wachsen sollte, verschwunden war. Als wir den Nationalpark dann erreichen, sind die Berge dann mit dem erwarteten grünen Pflanzentuch bedeckt, bis hinauf in die höchsten Berggipfel stehen die hohen hell-stämmigen alleinstehenden Bäume inmitten des geschlossenen Blätterdaches des dritten Stockwerkes des Regenwaldes.

Am Abend fahren wir zu dem angekündigten „sunset-point“ auf der Straße Richtung Bo Kluea. Die Sonne ist aber schon eine Stunde vor der offiziellen Sunset-Zeit im Qualm des Feuers verschwunden. Eine eigenartige Stimmung macht sich breit, obwohl das Feuer weit weg ist auf der anderen Talseite. Weckt der Anblick eine archaische Angst des Menschen vor dem Feuer?

Wieso ist das Abbrennen der Felder mitten im Nationalpark erlaubt? Wieso sind schon so viele Flächen des Regenwalds in die Landwirtschaft gegangen? Viele Berge hier im Norden Thailands sind kahl, entwaldet, abgeholzt, abgebrannt. Sie sind noch nicht einmal landwirtschaftlich genutzt, nur einige Felder an den steilen Hängen sind bebaut. An den Straßen hängen Schilder, die vor den Gefahren des Abbrennens warnen, aber wirkliche Konsequenzen scheint es nicht zu haben. Überall sieht man verbrannte Erde. Der holländische Besitzer von Nan-Guesthouse erklärt uns, dass eine unheilige Allianz aus Monsanto, die eine Ausweitung der Anbauflächen fordert, der Verquickung der Regierung mit dem internationalen Saatguthersteller (jetzt in Besitz der deutschen Bayer-AG), der korrupten Polizei und traditionellen Anbaumethoden ein Ende des Abbrennens verhindert.

https://www.thaizeit.de/thailand-themen/news/artikel/smog-alarm-nordthailand-hat-mit-dunst-zu-kaempfen.html

https://www.dw.com/de/thailand-erstickt-im-rauch/a-15779897

Als wir den vier Kilometer langen Wanderweg durch den Doi Phu Kha-Nationalpark gehen, bekommen wir davon nichts mit. Nach einer einsamen Nacht in einer Bambushütte im Visitor-Center des Nationalparks

tauchen wir in die Artenvielfalt des Regenwaldes ein. Der Wald hier in 1300m Höhe ist ganz anders als der Regenwald in Südthailand bei Krabi. Die Bäume sind nicht ganz so hoch und es gibt richtige Bananenfelder im Wald. Die Bananenplanze kann in ihrem Stamm 10-15 Liter Wasser speichern, und trägt somit zur Wasserversorgung des Waldes in der Trockenzeit bei. Dafür fehlen hier die großen Bäume mit den Brettwurzeln.

Hauptattraktion im Park ist die der phukha-Baum, oder Brettschneidera-Baum (thailändisch Chompoo Phu Kha). Nur wenige Exemplare gibt es hier im Park oder in Nord-Thailand. Der Baum ist sonst nur noch in Süd-China, Nord-Vietnam und Laos verbreitet. Auf der Wanderung treffen wir auch nur auf zwei unscheinbare Exemplare, für die extra eine bergiger Pfad in den Wald geschlagen wurde. Die rosa Blüten blühen im Februar, und wir haben Glück, im Februar hier zu sein. Der Baum ist doch eher unscheinbar, und ich muss mir das Gefühl einreden, etwas ganz seltenes zu sehen.

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Bretschneidera

Nach dem ersten Tag auf den thailändischen Mopeds fahren wir am zweiten Tag souverän auf der Bergstraße in Richtung Pass zwischen Ost und West. Auf 1770m Höhe erreichen wir eine Aussichtsplattform mit Parkplatz und Essensverkauf. Der Blick geht über schöne bewaldete Hänge, nur die Fernsicht läßt die Mischung aus Dunst und Qualm kaum zu.

Die Straße führt in endlosen Kurven und Serpentinen nach unten, die Hitze umfängt uns wieder, jede Kurve bringt einen neuen Hitzeschwall. In Bo Kulea gibt es eine sehr einfache Suppe, der Wunsch, „kein Fleisch“ wurde vermutlich nicht verstanden. Der Ort beherbergt eine der wenigen Salzsiedereien in Thailand. In einer kleinen Touristenzone werden Salzbeutelchen und andere Dinge, die man aus Salz herstellen kann, verkauft. Wir können in den Schacht hineinschauen, aus dem die Lake herausgeholt wird.

Nach einem Kaffee und Kuchen (natürlich in Plastikfolie) setzen wir uns wieder auf die Mopeds und fahren nach Süden Richtung . Es folgt eines der schönsten Strecken, die wir je gefahren sind. Zuerst geht es durch das Flusstal an Reisfeldern und Feldern vorbei. an einer Kreuzung geht es hinauf in die Berge, die Straße wird ordentlich steil. Ab drei Uhr nachmittags wird das Licht weicher, weil die Sonne schnell tiefer steht. Einmal an Höhe gewonnen, führt die Straße von Höhenzug zu Höhenzug, immer mit großem Blick über die Landschaft. Waldgebiete und Felder wechseln sich ab. Es ist ein ständiges Auf und Ab, nur selten kommen wir an einem Dorf vorbei. Das warme Licht macht die Landschaft ganz weich.

Plötzlich taucht eine weiße Pagode im grünen Blättermeer auf. Ein Tempel steht mitten in der Landschaft, der Buddha sitzt frei zwischen den Säulen. Dann wird die Landschaft gelber, weil die landwirtschaftliche Nutzung zunimmt und der Wald verschwindet. Die Sonne steht mittlerweile tief, die Felder sind abgeerntet und liegen im gelben Licht träge in der Landschaft.

Unser Ziel ist ein kleiner orangener Punkt auf dem Smartphone. Der Punkt zeigt ein Doppelbett, ansonsten nur thailändische Buchstaben, für uns nicht zu entziffern. Der Punkt zeigt einen Ort an der Straße auf Google-Maps, an dem hoffentlich eine Unterkunft steht. Aus Bo Kulea haben wir die angegebene Telefonnummer über whatsapp angeschrieben, und Antwort bekommen. Die Unterkunft finden wir nur über die Entfernungsanzeige über Google-Maps. Als das „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ ertönt, stehen wir vor einem Feldweg mit einem Schild in thailändischer Sprache. Keine Unterkunft zu sehen. Wir fahren durch eine Kautschuk-Plantage (nach Ko Phayam kann ich die Bäume erkennen) und treffen auf ganz neue, winzige Bambushüttchen. Eine junge Dame scheint uns zu erwarten.

Leider spricht sie kein wort Englisch. Dafür entschädigt die Aussicht, die Bambushüttchen stehen an einem Hang mit Blick über die abgeernteten Felder und die Berge im Hintergrund. Aber außer Aussicht haben die Hütten nichts, die Frage nach Bett oder Matratze bleibt unverstanden. Also wieder unseren unbekannten Kontakt über whatsapp anschreiben, mit Bitte um Klärung. Es scheint sich jetzt eine Dreiecks-Kommunikation zu entwickeln, die junge Dame telefoniert aufgeregt. Unser whatsapp-Kontakt scheint ihre Schwester zu sein.

Ein Moped kommt an, eine weitere Schwester und Mama, mit genauso wenig Englisch dabei, dafür mit um so mehr Lachen. Jetzt erstmal die Selfies mit Mama machen. die Matrazenfrage haben wir immer noch nicht geklärt. Aber jetzt kommt Google Übersetzer ins Spiel, so geht jetzt die Kommunikation besser. Unsere Gastgeber laden sich jetzt schnell mal die App runter. Jetzt wissen wir auch, dass wir Matratze, Essen und ein Bier bekommen.

Um die Verständigung etwas zu verbessern, wird der junge Englischlehrer Totty aus der Truppe aktiviert, der sich mit uns unterhalten soll. Das klappt auch ganz gut, jedoch sind wir verwundert, wie weit die geringen Englischkentntnisse des jungen Mannes für ein Lehrerexamen reichen können. Aber wir erfahren, dass vier junge Leute die Bambushütten zu einer Lodge aufbauen wollen, ein ambitioniertes Projekt an einer Straße, an der alle Viertelstunde ein Auto vorbeikommt. Es war ein toller Abend an einem ungewöhnlichen Ort mit viel Lachen. Wir bekamen tolles thailändisches Essen. Um Neun lagen wir in unserer Hütte im „Bett“.

Krabi

8.063117 N; 98.9181101 O

Die Natur ist einfach wunderschön in diesem Teil von Thailand.

Ich sitze auf der Dachterrasse des Smile Guesthouse und blicke den Krabi-Fluss hinauf. Laut knattern die Langboote zu ihren Anlegestellen hin. Gegenüber der Stadt breitet sich der grüne Mangrovenwald aus, angepasst an de;stetigen Wechsel von Ebbe und Flut. In der Ferne erheben sich die grün bewachsenen Kartsberge. Steil aufragende Klippen, von einem grünen Teppich überzogen. Nur vereinzelnd leuchten ein paar weiße Felsen aus ihm hervor. Links und rechts vom Fluss stehen die Hundeohren,zwei gegenüberliegende Felsen, die ein Wahrzeichen von Krabi sind.

Als kleinen weißen Punkt erkenne ich sitzenden Buddha auf einem der Spitzen. Er gehört zum Tiger Cave Temple, einem sehr bekannten Kloster nahe Krabi. In 1270 Stufen kann man die Treppen zu ihm erklimmen, was wir am folgenden Tag auch machen werden. Von oben hat man einen tollen Blick über das Land: auf der einen Seite die Kulturlandschaft mit vielen Feldern und Plantagen, auf der anderen Seite die Karstfelsen, die als grüne Säulen zwischen dem flachen Land stehen. In der Ferne im Dunst liegt das Meer, die Adamanensee.

Wie haben die Menschen diesen riesigen Buddha auf die kleine Gipfelplattform gehieft?

Der Anstieg über die Treppen ist wirklich steil, eine Seilbahn ist nicht zu erkennen. Mit dem Hubschrauber? Auf jeden Fall ist der Tiger Cave Temple ein magischer Ort.

Vorher gehen wir noch den Rundweg Wonderland. Über eine kurze Treppe konnte man in eine „Insel“, umgeben von Felswänden hinein steigen. Neben Wohnhöhlen der Mönche Buddhastatuen unter Felsvorsprüngen und in Höhlen eröffnet sich uns eine bezaubernde Tropenvegetation.

Der Reiseführer sagt uns, dass es sich um eines der letzten unberührten Regenwaldgebiete handeln soll. Der Rundweg führt uns an riesigen Bäumen mit gewaltigen Brettwurzeln vorbei, an faszinierenden Pilzen auf umgestürzten Baumstämmen und unfassbaren grünen Farbschattierungen.

Wie schade, dass ich kein Biologe bin und keine die vielen wunderbaren Pflanzen beim Namen kenne. Eingerahmt ist dieses Biotop von senkrechten Kalkwänden, in denen jede kleine Nische und Höhle bewachsen ist. Das Schreiten auf diesem Waldpfad ist schon eine besondere Meditation, eine Lektion in Demut vor der Natur.

Und trotzdem, auch wenn es schon tausendmal geschrieben wurde, der Blick von der Aussichtsplattform des Tigers Cave Temple bestätigt es auch dem ungeübten Auge: es ist nicht mehr viel übrig vom tropischen Regenwald. Er ist fast nur noch im „Zoo“ der Nationalparks zu bewundern. Aber haben wir Europäer das Recht, diese Entwicklung zu kritisieren, wo wir doch alle Urwälder in Europa fast vernichtet und in Kulturland umgewandelt haben? Kann man es den Thailändern vorwerfen, wenn sie ihre Wälder roden, um Ackerland zu gewinnen, um sich eine Lebensgrundlage zu verschaffen? Sicher nicht, aber die Vernichtung des Regenwaldes hat globale Konsequenzen und kann deshalb nicht mehr nur aus der lokalen oder nationalen Perspektive betrachtet werden. Der Regenwald ist ja nicht nur schön anzuschauen, sondern er beheimatet ja auch eine riesige genetische Vielfalt, die für die Gewinnung von Arzneien eine wichtige Rolle spielen kann.

Wir steigen auf unser Moped und fahren zum Huai To Wasserfall. Hier wird die Natur durch einen Nationalpark geschützt. Amerikanisches Modell: Schranke, Eintrittskarten kaufen, großer Parkplatz, parkähnlich angelegter Eingangsbereich. Auf breiten Wegen für die naturferne Kundschaft geht es zum Wasserfall. Viele Schilder, vor den Gefahren der Natur warnend, begleiten uns. Aber es geht hinein in den tropischen Urwald, einem Bachlauf entlang. Der erst noch so komfortable flipflopgeeignete Weg wird ein felsiger Klettersteig. Der Bach hat sich zu einem Wasserfall an der Steilkante des Berges verwandelt. Mehrere Becken laden zum Baden ein. Die Sonne steht schon flach und verwandelt das grüne Blättermeer in warme Töne. Die Ranger haben den Urwald rund um den mehrstufigen Wasserfall großzügig zurück geschnitten. Dadurch können wir noch auf den Felsen in der Sonne sitzen und uns von den Strahlen trocknen lassen. Normalerweise wäre der Wasserfall unter dem Blätterdach verschwunden und kaum begehbar gewesen.

Im Park können wir noch einen Riesenbaum bewundern.

Unfassbare Wurzeln bieten ihm Halt, mehr als 30m Umfang. Die Spitze des Urwaldriesen war nicht mehr zu erkennen. Im Kampf um das Licht im Urwald versuchen die Bäume immer höher hinaus zuwachsen. Um bei Stürmen standhaft zu bleiben, haben viele Arten Brettwurzeln ausgebildet. Da im tropischen Urwald die Nährstoffe nur in den oberen Schichten des Bodens vorhanden sind, sind die Bäume Flachwurzler. Durch die Brettwurzeln können das flache Wurzeln und eine große Standfestigkeit kombiniert werden.

Was habe ich in diesen Tagen gelernt? Südthailand hat hat mit seinen restlichen Tropischen Urwäldern und den weißen Kalkfelsen eine tolle Natur. Trotzdem ist diese Natur auf wenige Stellen zusammengeschrumpft. Das Wandeln in diesen Wäldern ist wie eine Gehmeditation. Der Hauptvernichter der Wälder ist der ausuferende Palmölanbau, deren Hauptabnehmer wir im Westen sind. Wir haben also auch einen

Einfluss auf die weitere Entwicklung.

Als nächstes werden wir uns die tollen Strände und Küsten rund um Krabi anschausen.

Südostasien

In zwei Tagen geht es weiter. Freitag um 18 Uhr in den Flieger nach Bangkok. Die letzten Sachen kommen noch auf den Haufen, morgen muss dann alles in die Tasche eingepackt werden.

Wir haben ja zwei unterschiedliche Ziele: Thailand, Myanmar und Kambodscha sind ja tropisch und benötigen eine ganz andere Ausrüstung als die Berge in Nepal. Am 28. März werden wir uns in Bangkok verabschieden und nach Nepal fliegen. Dort soll es wieder in die großen Höhen gehen, die wir ja schon in Südamerika getestet haben. Den Gokyo-Trek im Himalaya-Gebiet haben wir uns vorgenommen. Vom 5300m hohen Gokyopeak gibt es hoffentlich einen tollen Blick auf die 8000er. Und die Wanderausrüstung sieht natürlich ganz anders aus als die Thailand-Ausrüstung. Also zweimal packen. Aber jedes darf nicht schwerer als 10kg werden.

Neu dabei ist eine tragbare Solaranlage, da auf dem Trek sicher keine Steckdose zu finden sein wird. Die Smartphones dienen heute ja auch als Navigationsgeräte, dafür bleibt der Garmin zu Hause. Einen Schreck gab es gestern noch durch Berichte über den Zustand des Trinkwassers in Nepal. Da haben wir ja noch mit dem Kauf eines Katadyn-Filters geliebäugelt, aber noch einmal 600g mehr war uns doch zu viel. Jetzt müssen es die Mikropur-Tabletten richten.

In zweit Tagen schon in der Mega-Metropole Bangkok zu sein, übersteigt im Moment noch meine Vorstellungskraft. Hamburg ist so schön beschaulich. Aber das macht Lust auf das Neue, das Unbekannte. Natürlich bin ich immer noch nicht fertig, die Eindrücke aus Südamerika richtig zu verarbeiten. Die Fotos und Filme, die ich gemacht habe, helfen dabei. Aber es braucht einige Zeit, bis ich diese alle bearbeitet habe.

Neu an dieser Reise wird sein, dass Kathrin und ich die ganze Zeit gemeinsam unterwegs sein werden. So eine große Reise haben wir noch nie gemacht, auch das wird sicher eine Herausforderung für die gemeinsame Kommunikation. Aber ich habe keine Bedenken, dass wir das nicht hinkriegen könnten.

Ab jetzt werde ich also die neue Kategorie „Asien“ für meine Beiträge aktivieren. Seid gespannt auf die Berichte. Ich freue mich auf Kommentare.