San Roque de Cumbaza

Bei Tarapoto bin ich mit Daniel von Sacharuna-Tours in San Roque de Cumbaza zwei Tage durch die Bergwälder geführt worden. San Roque liegt ca. 17km nordwestlich von Tarapoto und ist fernab von der Geschäftigkeit und dem Motoradlärm Tarapotos. Daniel führte uns durch einen Bergweg durch die Regenwälder mit tollen Ausblicken und für mich exotischen Pflanzen.

Daniel führt eine kleine Agentur für Expeditionen und bietet eine kleine Dschungel-Lodge zum Übernachten an. Wer nach Tarapoto kommt, sollte zu Daniel gehen, dort ist es viel ruhiger als in Tarapoto:

Daniel Lerner, Sacharuna

https://sacharunadventure.com

Daniel beim Erklären.

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Tarapoto zwei

Wenn ich mit den Leuten sprechen, warum die Situation in Peru so schlecht sei, bekomme ich eigentlich immer die gleiche Floskel zu hören: „die Politiker berauben uns, ihnen ginge es nur um Geld, die Korruption ist schuld“. Wenn ich dann frage, warum ihr dann keine anderen Politiker wählt, heißt es, die ganze Politik sei korrupt.

Ich finde das ja ein bisschen einfach und schablonenhaft. Sicher verkaufen die Politiker die Reichtümer und Bodenschätze Perus an ausländische Investoren viel zu billig. Sicher geht es vielen Politikern nur um die Posten, die sie dann zu ihrem eigenen Vorteil und ihrer Freunde und Familie nutzen können. Aber trotzdem, immer nur auf die bestehende Verhältnisse schimpfen, ist mir zu einfach? Das hatten wir doch bei uns auch mal. Man kann sich einfach in die eigene Komfortzone zurückziehen und mit den Fingern auf andere schauen.

Sicher, hier in Peru herrscht eine andere Mentalität, das Fatalistische scheint eine größere Bedeutung zu haben. Aber mir fällt es schwer, über die ganzen Dinge, die kaputt sind, die hässlich sind, die nicht funktionieren, hinwegzusehen. Vielleicht ist das typisch deutsch, aber ich glaube an die Macht der Schönheit. Und ich sehe immer wieder Häuser und Menschen, die mit ihren bescheidenen Mitteln etwas Schönheit produzieren. Sei es dass sie eine graue Wand bemalen, einen Garten anlegen, Blumentöpfe aufstellen. Ich glaube nicht, dass die Armut immer als Ausrede Gültigkeit hat.

Hier ein paar schöne Beispiele:

Politisch nicht korrekt? Mich begleitet ja Andreas Altmann mit seinem Buch „Gebrauchsanweisung für die Welt“ auf dieser Reise. Und da schreibt er:

Das ist kein Drama, eher menschlich. Wichtig nur, dass sich die Feindschaft wieder legt. Dass aus dem Zorn kein Grundgefühl wird. Dass der Swing zurückkommt, die Freude, der Versuch, sich ein weiteres Mal mit der Welt zu versöhnen.

(Altmann, Andreas, Gebrauchsanweisung für die Welt, München 2012 und 2018)

Ändern kann man sowieso nur etwas bei sich selbst.

Tarapoto

6° 29′ 0″ S

76° 22′ 0″ W

Zwischendurch schaue ich mir immer mal wieder die Bilder meiner bisherigen Reise an. Ich sitze gerade im Cafe Quilpa:

in Tarapoto und bin richtig genervt von dem lauten Motorrad-Lärm in dieser Stadt. Nach drei Tagen Ruhe in San Roque de Cumbaza ist das doch ein richtiger Schock, doch ich musste noch einen Tag hierher, um meine Weiterfahrt in Richtung Süden nach Tingo Maria zu organisieren.

Also setze ich mir die Kopfhörer auf, mache ByteFM an und schaue mal in meine Fotos:

Kuelap

64.170243 S; 77.9238872 W

Der junge Herr scheint sich wirklich als Herr zu fühlen. Mit seiner verkehrt herum sitzenden Cap und der dunklen Sonnenbrille kommt er bestimmt ganz cool rüber. Das Klemmbrett in der Hand und seine Trillerpfeife machen ihn aber zum unangefochtenen Herrscher über den Platz. Herrisch wird jeder Besucher angepfiffen, der es wagt, sich in Ermangelung anderer Sitzgelegenheiten auf eine Betonmauer zu setzen. So bald sich ein neuer Minibus nähert, wird wieder die Trillerpfeife in Gang gesetzt und jeder unbedacht herumstehender aus dem Weg gepfiffen, damit der Bus ungehindert auf den Parkplatz fahren kann. Als der junge Herr jedoch den Fahrstuhl öffnen soll (den einzigen, den ich in Peru gesehen habe), scheint er die Gebrauchsanleitung wohl nicht richtig gelesen zu haben, er ruft zwei Mitoffizielle zur Hilfe, die ratlos verschiedene Knöpfe drückend, den Kasten jedoch nicht in Bewegung bringen. Die betroffene Dame entscheidet sich dann lieber, sich doch die Treppe hochzuziehen. Seit eineinhalb Stunden warte ich vor der Seilbahn in Kuelap, genauer in Nuevo Tingo. Die Seilbahn ist die einzige in Peru und noch ganz neu. Ich habe viel Zeit, die Szenerie zu beobachten. Mir entschließt es sich nicht, warum man um halb acht Tickets kaufen muss, wenn doch die erste Seilbahn erst um zehn fährt. Und dazu bin ich um fünf aufgestanden, um die siebzig Kilometer von Chachapoyas nach Nuevo Tingo zu fahren. Aber auf der Rückfahrt erklärt es mir eine Chilenin: „eso es Sudamerica“. So einfach ist das. Und ich mache mir Gedanken, warum die französische Herstellerfirma der Seilbahn nicht gleich auch einen Organisationsplan mitgeliefert hat, wie man große Menschenmengen effizient in die Seilbahnkabinen bugsiert. Das wäre ja. Auch nicht Peru! Das kaufen der Seilbahntickets gleicht dem Abschluss eines Ratensparvertrages: Vollständiger Name, Reisepass, Passnummer, Alter, Beruf, Herkunftsort: alles muss in den Computer eingetragen werden. Und dann bekommt man die Abfahrtszeit genannt: In zwei Stunden! Es sind vielleicht 150 Leute zu transportieren. Für die meisten Peruaner ist es wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Seilbahn fahren. Entsprechend genau und mehrmals wiederholt sind die Verhaltensanweisungen des Personals. Auf mich als geübter Seilbahnfahrer wirkt das alles ein wenig wie im Kindergarten, aber ich sollte vielleicht nicht so überheblich sein. Ich will ja auch eigentlich von der Festung Kuelap erzählen, die auf 3000m Höhe auf einem Felsrücken liegt. Sie war die Verteidigungsanlage des Volkes der Chachapoyas, die hier zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert lebten. Nach Einschätzung der Archäologen soll sie ähnlich bedeutsam sein wie Machu Picchu. Während die Inkastätte bei Cuzco gut erforscht scheint, fließen die Forschungsgelder nach Kuelap nur spärlich, wodurch viele Hintergründe zu dieser historischen Stätte noch unergründet sind. Dabei ist Kuelap älter und größer als Machu Picchu. Kuelap auf wikipediaNeben den imposanten Resten der Anlage beeindruckte mich besonders der fast 360 Grad Rundblick in die Anden. Von der Festung aus konnte ich weit in die Berge hineinschauen. Es ist faszinierend, wie hoch hier noch Landwirtschaft betrieben wird, und wie steil die zu bewirtschaftenden Flächen sind. Durch die vielen Niederschläge sind die Böden aber wohl auch ziemlich fruchtbar. Viele Dörfer liegen auf 3000m Höhe. Als Geograf muss ich dann doch an dieser Stelle auf dei von Alexander v. Humboldt zurückgehende Einteilung der Höhenstufen der Anden hinweisen. bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Anitagraser

In einem Gebäude in Lima habe ich diese schöne Zeichnung fotografiert. Und zum Schluss noch eine Frage, die ich mir im nach hinein stelle:

Gocta Wasserfall

6.023081 S; 77.887339 W

Es regnet, es gießt, es schüttet, es prasselt, es fließt, es durchnässt. Es gibt kein halten mehr. Die Jacke ist schnell durch, am längsten halten die Trekking-Schuhe durch, aber auch sie geben auf. Die Wollsocken saugen sich voll; es macht nur noch „quitsch-quatsch“.

Je näher ich dem Gocta -Wasserfall komme, desto feuchter wird es. Die Feuchtigkeit kommt von oben und unten, von allen Seiten. Ich habe mich 30km nördlich von Chachapoyas aus dem Minibus rausgelassen. Eine Schotterstraße zeigt nach oben, meine Nachfrage bei der ebenfalls ausgestiegenen jungen Frau bestätigt, dort geht es nach San Pablo. Eine Stunde Aufstieg, dann komme ich nach dem kleinen Bergdorf, ich zahle 20 Soles Gebühr und unterschreibe ein Formular, dass ich mir über die Gefahren meines Weges bewusst bin, oder so ähnlich.

Beim Marsch aus dem Ort fängt es schon an zu regnen. Nach weiteren 1 1/2 Stunden und 4,5km erreiche ich den Mirador: ich kann den Wasserfall sehen, zumindest durch eine Nebelwand aus feinen Regentropfen.

Unter mir geht es 500m nach unten. Nur nicht abrutschen, vor zwei Jahren ist ein koreanischer Tourist zu Tode gestürzt. Ich will noch weiter bis zur ersten Stufe des Cateracta gehen, die Amerikaner, die mit auf dem mirador stehen, sagen es würde sich absolut lohnen. Je weiter ich gehe, desto dunkler wird es, dabei ist es erst halb zwei. Der Regen macht es dunkler, der Regenwald wird dichter.

Nach weiteren 30min, ich glaube ich war nach Entfernungsmesser 500m vor dem Ziel, kehre ich um. Es wird mir zu unheimlich, ich glaube ich bin nur noch de einzige auf dem Weg. Der hat sich mittlerweile in einen Bergbach verwandelt. Nach weiteren zwei Stunden erreiche ich wieder San Pablo und stürze in das Registrierungszentrum. Zum Glück habe ich noch meine windstopper Jacke im Rucksack, die noch halbwegs trocken geblieben ist. Gleich hielt ein mototaxi, das mich wieder ins Tal des Utcobamba bringt. Zum Glück hält auch bald ein minibus an der Straße nach Chachapoyas. Aber mittlerweile bin ich nicht nur nass, sondern auch durchgefroren.

Den nächsten Tag verbringe ich mit Halsschmerzen im Bett.

Das Wissenswerte über den Gocta-Wasserfall habe ich auf der Wikipedia zu Gocta Seite ergänzt. Endlich habe ich auch mal Zeit, Wikipediaartikel zu bearbeiten, was ich immer schon mal tun wollte.

Zwei Tage später startete ich einen neuen Anlauf, diesmal über die Südseite des Tales mit Ausgangspunkt Cocachimba. Diesmal sah das Wetter vielversprechender aus. Auch dei Sonne lies sich mal blicken. Ein traumhafter Weg, erst durch Zuckerroh-Felder, dann wieder durch den immer dichter Werdenden Regenwald. Und dann stand ich davor, über 500m Wassersäule nach oben.

Der zweite Versuch hat sich nochmal richtig gelohnt, eine ganz andere Perspektive als von der ersten Stufe.

Hospedaje Los Jazmines, Cajamarca

Wenn man nach Cajamarca kommt, sollte man in der Hospedaje Los Jazmines Quartier beziehen. Das kleine Hostal liegt sehr zentral eine Ecke vom plaza del armas entfernt. Es hat einen schönen Innenhof und einen Garten und ist eine ruhige Oase im Stadttrubel. Ein kleines Cafe ist auch im Haus, wo man gut Frühstücken kann.

Aber das wichtigste finde ich: Das Hotel unterstützt und beschäftigt behinderte Menschen, besonders Taubstumme. Das finde ich schon einen Grund, dort zu übernachten.

Hospedajelosjazmines.com.pe