Puerto Maldonado 1

 

12.5986 S; 69.2176 W

Von 3000 auf 200.

Höhenmeter

Die Flaschen sind alle zusammengezogen. Der Druck von außen ist so groß geworden, dass er sie zusammenquetscht. Mit einem lauten „pffft“ strömt die heiße Luft des Amazonas-Tieflandes in die Flaschen hinein und entlässt sie wieder in ihre normale Form. Ich bin von Cusco nach Puerto Maldonado geflogen. 

Ich steige vor der Anaconda-Lounge aus dem Taxi.  Klingeln. Mit einem Klack öffnet sich das Tor. Vor mir ein rot-schlammiger Weg durch einen tropischen Garten. Wohin komme ich hier? 

Ich werde von einer thailändschen Frau  empfangen und zu einer Hütte geführt. Die Anaconda-Lodge soll für 6 Tage meine Bleibe im Amazonas-Tiefland sein. 

http://www.anacondajunglelodge.com/index.html

Puerto Maldonado ist eines der östlichsten Vorposten der peruanischen Zivilisation. Die bolivianische Grenze ist nur ca. 50km entfernt, jedoch nur per Boot zu erreichen. Nach Osten gibt es erstmal nur hunderte Kilometer grüne Fläche. Es liegt am Zufluss des Tambopata in den Rio Madre die Dios, der östlich von Manaus in den Amazonas mündet. 

Erst standen hier nur ein paar Palmblätter bedeckte Hütten, aber über das Projekt der transkontinentalen Straßenverbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik, zwischen Peru und Brasilien, wurde über den  Rio Madre de Dios eine Brücke gebaut. Die Straße sollte einen Alternative zum Panamakanal bieten. Seitdem ist Puerto Maldonado an das Kernland Perus angebunden und hat einen großen Bevölkerungszuwachs verzeichnet.  

Das Naturschutzgebiet Tambopata  ist eines der letzten großen Primärwälder des feuchttropischen Gürtels der Erde. Zunehmend besuchen Touristen das Gebiet, wodurch sich viele sogenannte Lodges am Fluss angesiedelt haben.  Für mich ist das Gefühl faszinierend, über den Fluss in Richtung Osten zu blicken mit dem Gefühl, dass dort viele hundert Kilometer Regenwald ohne jede Besiedelung liegen. 

 

Anaconda lodge

Anaconda-Lodge

Salkantay-Trek

Neben dem klassischen Inka-Trail entwickelt sich der Salkantay-Trek zu der beliebten Alternative, zu Fuß zum Macchu Picchu zu kommen. Diesen Trail habe ich über fünf Tage in der letzten Woche absolviert.

image

Morgens ging es um halb sechs in  der Frühe mit einem Kleinbus nach Mollepata, wo es Frühstück gab. anschließend fuhren wir nur noch über eine Piste immer bergauf bis nach Soraypampa, einer flachen Ebene in den steilen Tälern. Hier war großer Trubel, überall wurde gebaut, aber nur weniges war fertig. Man war sich anscheinend über das touristische Potential der Berge bewusst. So stiefelten auch viele peruanische Tagesausflügler in leichter Kleidung und zum Teil mit lauten Bassboxen am Rucksack hinauf zur Lagune des Humantay auf 4250m Höhe.

47A9A684-70AF-48B0-A0F2-438A63375E32

Auch hier war der Geltscherrückgang wieder deutlich zu sehen, nur noch wenige Eiszungen ragten vom Berg herunter. Trotzdem war der Blick über die Lagune beeindruckend. Weil der schmale Platz an der Spitze des Sees mit hunderten andeen Touristen geteilt werden musste, kletterten wir die linke Seitenmoräne hoch, von wo aus sich ein noch beeindruckender Blick bot.

Nach dem Rückweg nach Soraypamapa bogen wir bergauf ab, während die Tagestouristen zu ihren Bussen an den Parkplätzen talabwärts mussten. Jetzt kehrte etwas mehr Ruhe ein und wir erreichtn nach kurzer Wanderung unseren Zeltplatz Quiswarniyoc.  Am Nachmittag riss es noch etwas auf und wir hatten auf dem Aussichtspunkt kurz oberhalb des Zeltplatzes noch einen imposanten Blick auf den Nevado Salkantay.

0DB51945-DAA7-4260-88D9-75D372A5CF60

Zweiter Tag

Nebelig fünf Uhr morgens.

Nach dem Koka-Tee und Frühstück stapfen wir los ins grau. Auf dem ersten Plateau zückt Juan, unser Guide, ein Fläschchen mit Zuckerrohrschnaps. Alle stellen sich im Kreis auf und er schüttet jedem ein paar Tropfen in die Hände. Gemeinsam klatschen wir die Hande, der Schnaps spritzt und wir atmen dann die Alkoholdämpfe ein. Juan verspricht uns, dass jetzt das Wetter besser werde und wir Kondore und den Salkantay sehen werden.

Über zwei weiteren Stufen geht es weiter hoch auf den 4630m hohen Pass Abra des Salkantay.

C8AD86B7-7E95-452D-84B3-D9575C1D5CD7

Alles Götter-Anbeten hat nichts genutzt, wir stehen weiterhin im Grau, dazu weht ein kalter Wind die Wolken aus dem Tal über den Pass. In der Ferne hören wie die Lawinen vom Salkantay herunterschlagen, aber sehen können wir nichts. Also den Abstieg beginnen und ins Tal zum nächsten Zeltplatz Chawllay. Regenzeug an und hinab zum Mittagessen. Plötzlich lassen wir die Wolkendecke über uns und rechts von uns breitet sich ein üppig grünes Tal aus, an dessen Grund  ein rauschender Fluss sich hinzog. Wir mussten das Regenzeug ausziehen, um nicht total ins Schwitzen zu kommen. Wir waren über den Pass in eine andere Vegetationszone gelangt. Um uns herum war nun alles grün und nass, die Pflanzen üppig nach der kargen Vegetation beim Aufstieg.

Auf 2900m erreichten wir unseren Zeltplatz an einer beeindruckenden Kreuzung von vier Tälern.

6BB4CE6F-B0C5-4F67-991D-C6D36DAB9D96

Dritter Tag

Jetzt ging es nur noch abwärts, und es wurde immer wärmer. Schmetterlinge begleiteten uns auf einem tollen Pfad durch das Tal des Rio Sacsara. Ab Playa Sahuayacco ging es mit einem Minibus auf atemberaubender Piste weiter, den Fluss auf ein Paar alten Bohlen überwindend. Der Vorderreifen unseres Bus gab dann auch bald auf und ließ seine Luft raus. Der Fahrer wechselte den Reifen mit erstaunlicher Routine unter den kritischen Augen der Gruppe.

638CEAF0-3EA4-4089-A807-4457FE308656

In Santa Teresa war unser dritter Schlafplatz. Mittlerweile war es richtig tropisch warm. Den Nachmittag verbrachten wir im strömenden Regen in den aguas calientes, de heißen Quellen von Santa Teresa.  Am Abend war Party geplant, schnell gab es Runden von Tequila und komische Party-Spielchen, die man von Skireisen kennt.

Vierter Tag

07DE690B-9305-40C7-9F2E-CCCB3173C680

Der Tag sollte uns nach Llactapata bringen, von wo aus man das erste Mal Macchu Picchu erblicken kann. Nur am morgen war es klar, so dass wir die 700m Aufstieg in einem flotten Tempo absolvieren mussten. Dabei musste ich meinen ganzen Ehrgeiz herausholen, um mit den jungen Leuten in meiner Gruppe, die meist nur halb so alt waren wie ich, mithalten zu können. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt, wir hatten einen tollen Blick auf Macchu Picchu, wenn auch in großer Entfernung. Der Weg verlief weite Teile auf dem alten Inka-Pfad, und wir erfuhren vieles über die Inkakultur von Juan.

2BDB9AC1-1F6C-4A51-A1E1-5C5C12FA448E

Dann ging es wieder 810m nach unten nach Hidroelectrica, einer kleinen Siedlung bür den Bahnhof und das Elektrizitätswerk. Von hier aus ging es eben an den Bahngleisen entlang zehn Kilometer nach Aguas Calientes. Die Höhenmeter und das Tempo steckte mir aber in den Knochen. trotzdem war der Marsch durch das Tal des Urubamba und die üppige Vegetatation ein Erlebnis. Nach den insgesamt 27km des Tages waren alle ziemlich kaputt.

Fünfter Tag: Macchu Picchu

Der Wecker klingelt um halb vier. Abmarsch um vier, um sich um halb fünf in die Schlange am ersten Kontrollposten an der Brücke über den Urubamba einzureihen. Wir waren dann auch die ersten in der Schlange. Wenn man früh nach Macchu Picchu kommt, kann man Fotos in der ersten Morgensonne ohne die Touristenmasseb machen. Und so war es denn auch: nach dem Aufstieg über mehr als tausend Treppenstufen wurden wir ab sechs Uhr früh eingelassen, und wie auf Bestellung kam die Sonne hinter dem Berg hervor und beleuchtete das Heiligtum in warmen Licht.

398DF729-0997-4B9E-971A-FEDD0C7A81C1

Ich habe ja im Vorfeld überlegt, ob ich eigentlich nach Macchu Picchu muss, wo doch die ganzen Touristen-Massen hinwälzen. Ich muss aber sagen, es hat sich gelohnt. Die Lage der Ruinen ist wirklich einmalig, die Berge der Umgebung haben schon etwas magisches.

So wollten einige von uns noch auf den 3060m hohen Macchu Picchu Mountain mit 2780Treppenstufen. Das war richtig hart, sie liefen fast senkrecht den Berg hoch, in einer Steilheit, die kein Bergpfad erreicht. Als wir nach ca. 2 Stunden den Gipfel erschöpft erreichten, hatten wir nur: Wolken. Der erhoffte Blick blieb uns verwehrt. Trotzdem gab es beim Abstieg noch ein paar schönem Blicke in das Urubambatal und auf die Ruinen. Wir waren aber richtig erschöpft von den Tagen auf dem Trek. Fast 90km lagen hinter uns, und das frühe Aufstehen ließ uns die Augenlider zufallen.

Um 18 Uhr saßen wir im Zug nach Ollantaytambo. Zum Glück konnten wir im Hostal vorher noch duschen, die Kleidung war komplett durchgeschwitzt. Um 22 Uhr  waren wir wieder in Cusco.

Der Salkantay-Trek war eine tolle Erfahrung. Der Weg war super vielfältig und führte durch ganz verschiedene Landschaften und Klimazonen. Die Organisation durch die Agentur Macchu Picchu Reservations war super und vor allem die Führung durch den Guide Juan  kompetent und lustig. Und wenn es mal nicht so lief, halfen seine Kokablätter.

9F96B704-305C-4A0E-83E2-2ACD2C20380A

Cusco

13.5155 W; 71.9737 S

„Good restaurant! Massage Sir! Paintings! Good quality!“

Alle zehn Meter werde ich angesprochen, irgendetwas zu kaufen oder ein Lokal zu betreten. Nach der Touristen-Abstinenz der letzten Wochen ist das ein echter Schock. Touristen-Angebote im Überfluss. Jeder scheint hier etwas vom Touristen-Kuchen abhaben zu wollen. Das Touristen-Angebot ist schier unüberschaubar: so viele Restaurants, Kunsthandwerk-Läden, Bars, fliegende Händler, Frauen mit kleinen Alpaka-Babys, die für Fotos posieren wollen. Ich werde fast erschlagen.

Es ist fast schwer spanisch zu sprechen. Wie selbstverständlich werde ich hier auf englisch angesprochen. Hier sind plötzlich auch die ganzen US-Amerikaner. Und viele spirituell angehauchte Leute. Es gibt hier einen Kaktus, San Pedro, der halluzinogene Wirkung hat. Viele der Touristen kommen für Sessions mit dieser Droge hierher.

Und ich werde übers Ohr gehauen. Hier in Cusco muss man sofort aufpassen, was man zahlt, das was einem gesagt wird, ist immer viel zu niedrig und es wird am Ende immer mehr. Oder umgekehrt, es wird ein astronomisch hoher Preis gefordert, den man dann runterhandeln muss, auf ein Niveau, das immer noch zu hoch ist (gemessen natürlich an den peruanischen Preisen). Daran war ich die letzten Wochen nicht gewöhnt.

In den letzten Wochen bin ich kaum internationalen Touristen begegnet. Irgendwann hat es mir gefehlt, der Austausch mit anderen Reisenden. Nach vier Tagen in Tarma bin ich nicht weiter mit dem Bus gereist, wie ich eigentlich vorhatte. Zu lange dauern die Passagen mit dem Bus, von einer zur anderen Stadt muss man immer mindestens zehn Stunden einrechnen. Von Ayacucho nach Cusco wären es sogar 16 Stunden gewesen. Also habe ich mich in Jauja in das Flugzeug nach Lima gesetzt und bin dort nach Cusco umgestiegen. Auf den Besuch von Ayacucho habe die ich leider verzichtet. Aber man kann nicht alles haben. Dass es bei Tarma überhaupt einen Flughafen gibt, habe ich erst am Morgen von einem Alten, bei dem ich noch einen Kaffee am Stand getrunken habe, erfahren.

Cusco – ist wirklich schön!

Ich wandele durch tolle koloniale Straßen, die spanischen Häuser nett, aber nichtaufdringlich renoviert. In der Innenstadt sind die Straßen breit, die Häuser repräsentativ, mit schönen Holzbalkonen, pompösen Eingangsportalen und netten Innenhöfen. In dem nördlich gelegenen Viertel San Blas, wo mein Hostal liegt, sind die Straßen schmal, die Häuser niedrig, so dass man als Fußgänger ruhig durch die Gassen wandeln kann. Zwischen den Häusern gibt es immer wieder einen schönen Blick über die Stadt.

Tagsüber scheint die Sonne, der weite blaue Himmel ist von dicken Schönwetterwolken bestückt. Erst abends kommen die Gewitterwolken. Es ist ja invierno, Winter, obwohl ich mich ja geografisch auf der Südhalbkugel im Sommer befinden sollte. Aber hier wird die Regenzeit als Winter bezeichnet. Die soll ja eigentlich erst im Dezember beginnen, aber nach den Regengüssen der letzten Abende scheint es jetzt schon loszugehen. Es schüttete dermaßen, dass die Gullydeckel sich anhoben und ich nicht mehr die Straße queren konnte, weil knöcheltief das Wasser durch die Straßen floß.

Sitze bei 31 Grad an einem kleinen Kiosk in San Blas, mit einem überwältigenden Blick über die Stadt, aus dem Lautsprecher läuft Rockmusik, canción del amor, und die goldenen Christbaumkugeln erinnern daran, dass bald die Adventszeit beginnt.

Die chica in blau versucht die Touristen in ihre Nachbarbar zu lenken, die mit lauter house music Depeche Mode bei mir Konkurrenz macht. Ich habe ja mein Cusqueña ja schon hier bestellt.

San Roque de Cumbaza

Bei Tarapoto bin ich mit Daniel von Sacharuna-Tours in San Roque de Cumbaza zwei Tage durch die Bergwälder geführt worden. San Roque liegt ca. 17km nordwestlich von Tarapoto und ist fernab von der Geschäftigkeit und dem Motoradlärm Tarapotos. Daniel führte uns durch einen Bergweg durch die Regenwälder mit tollen Ausblicken und für mich exotischen Pflanzen.

Daniel führt eine kleine Agentur für Expeditionen und bietet eine kleine Dschungel-Lodge zum Übernachten an. Wer nach Tarapoto kommt, sollte zu Daniel gehen, dort ist es viel ruhiger als in Tarapoto:

Daniel Lerner, Sacharuna

https://sacharunadventure.com

Daniel beim Erklären.

img_5130-1

 

Tarapoto zwei

Wenn ich mit den Leuten sprechen, warum die Situation in Peru so schlecht sei, bekomme ich eigentlich immer die gleiche Floskel zu hören: „die Politiker berauben uns, ihnen ginge es nur um Geld, die Korruption ist schuld“. Wenn ich dann frage, warum ihr dann keine anderen Politiker wählt, heißt es, die ganze Politik sei korrupt.

Ich finde das ja ein bisschen einfach und schablonenhaft. Sicher verkaufen die Politiker die Reichtümer und Bodenschätze Perus an ausländische Investoren viel zu billig. Sicher geht es vielen Politikern nur um die Posten, die sie dann zu ihrem eigenen Vorteil und ihrer Freunde und Familie nutzen können. Aber trotzdem, immer nur auf die bestehende Verhältnisse schimpfen, ist mir zu einfach? Das hatten wir doch bei uns auch mal. Man kann sich einfach in die eigene Komfortzone zurückziehen und mit den Fingern auf andere schauen.

Sicher, hier in Peru herrscht eine andere Mentalität, das Fatalistische scheint eine größere Bedeutung zu haben. Aber mir fällt es schwer, über die ganzen Dinge, die kaputt sind, die hässlich sind, die nicht funktionieren, hinwegzusehen. Vielleicht ist das typisch deutsch, aber ich glaube an die Macht der Schönheit. Und ich sehe immer wieder Häuser und Menschen, die mit ihren bescheidenen Mitteln etwas Schönheit produzieren. Sei es dass sie eine graue Wand bemalen, einen Garten anlegen, Blumentöpfe aufstellen. Ich glaube nicht, dass die Armut immer als Ausrede Gültigkeit hat.

Hier ein paar schöne Beispiele:

Politisch nicht korrekt? Mich begleitet ja Andreas Altmann mit seinem Buch „Gebrauchsanweisung für die Welt“ auf dieser Reise. Und da schreibt er:

Das ist kein Drama, eher menschlich. Wichtig nur, dass sich die Feindschaft wieder legt. Dass aus dem Zorn kein Grundgefühl wird. Dass der Swing zurückkommt, die Freude, der Versuch, sich ein weiteres Mal mit der Welt zu versöhnen.

(Altmann, Andreas, Gebrauchsanweisung für die Welt, München 2012 und 2018)

Ändern kann man sowieso nur etwas bei sich selbst.

Tarapoto

6° 29′ 0″ S

76° 22′ 0″ W

Zwischendurch schaue ich mir immer mal wieder die Bilder meiner bisherigen Reise an. Ich sitze gerade im Cafe Quilpa:

in Tarapoto und bin richtig genervt von dem lauten Motorrad-Lärm in dieser Stadt. Nach drei Tagen Ruhe in San Roque de Cumbaza ist das doch ein richtiger Schock, doch ich musste noch einen Tag hierher, um meine Weiterfahrt in Richtung Süden nach Tingo Maria zu organisieren.

Also setze ich mir die Kopfhörer auf, mache ByteFM an und schaue mal in meine Fotos:

Kuelap

64.170243 S; 77.9238872 W

Der junge Herr scheint sich wirklich als Herr zu fühlen. Mit seiner verkehrt herum sitzenden Cap und der dunklen Sonnenbrille kommt er bestimmt ganz cool rüber. Das Klemmbrett in der Hand und seine Trillerpfeife machen ihn aber zum unangefochtenen Herrscher über den Platz. Herrisch wird jeder Besucher angepfiffen, der es wagt, sich in Ermangelung anderer Sitzgelegenheiten auf eine Betonmauer zu setzen. So bald sich ein neuer Minibus nähert, wird wieder die Trillerpfeife in Gang gesetzt und jeder unbedacht herumstehender aus dem Weg gepfiffen, damit der Bus ungehindert auf den Parkplatz fahren kann. Als der junge Herr jedoch den Fahrstuhl öffnen soll (den einzigen, den ich in Peru gesehen habe), scheint er die Gebrauchsanleitung wohl nicht richtig gelesen zu haben, er ruft zwei Mitoffizielle zur Hilfe, die ratlos verschiedene Knöpfe drückend, den Kasten jedoch nicht in Bewegung bringen. Die betroffene Dame entscheidet sich dann lieber, sich doch die Treppe hochzuziehen. Seit eineinhalb Stunden warte ich vor der Seilbahn in Kuelap, genauer in Nuevo Tingo. Die Seilbahn ist die einzige in Peru und noch ganz neu. Ich habe viel Zeit, die Szenerie zu beobachten. Mir entschließt es sich nicht, warum man um halb acht Tickets kaufen muss, wenn doch die erste Seilbahn erst um zehn fährt. Und dazu bin ich um fünf aufgestanden, um die siebzig Kilometer von Chachapoyas nach Nuevo Tingo zu fahren. Aber auf der Rückfahrt erklärt es mir eine Chilenin: „eso es Sudamerica“. So einfach ist das. Und ich mache mir Gedanken, warum die französische Herstellerfirma der Seilbahn nicht gleich auch einen Organisationsplan mitgeliefert hat, wie man große Menschenmengen effizient in die Seilbahnkabinen bugsiert. Das wäre ja. Auch nicht Peru! Das kaufen der Seilbahntickets gleicht dem Abschluss eines Ratensparvertrages: Vollständiger Name, Reisepass, Passnummer, Alter, Beruf, Herkunftsort: alles muss in den Computer eingetragen werden. Und dann bekommt man die Abfahrtszeit genannt: In zwei Stunden! Es sind vielleicht 150 Leute zu transportieren. Für die meisten Peruaner ist es wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Seilbahn fahren. Entsprechend genau und mehrmals wiederholt sind die Verhaltensanweisungen des Personals. Auf mich als geübter Seilbahnfahrer wirkt das alles ein wenig wie im Kindergarten, aber ich sollte vielleicht nicht so überheblich sein. Ich will ja auch eigentlich von der Festung Kuelap erzählen, die auf 3000m Höhe auf einem Felsrücken liegt. Sie war die Verteidigungsanlage des Volkes der Chachapoyas, die hier zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert lebten. Nach Einschätzung der Archäologen soll sie ähnlich bedeutsam sein wie Machu Picchu. Während die Inkastätte bei Cuzco gut erforscht scheint, fließen die Forschungsgelder nach Kuelap nur spärlich, wodurch viele Hintergründe zu dieser historischen Stätte noch unergründet sind. Dabei ist Kuelap älter und größer als Machu Picchu. Kuelap auf wikipediaNeben den imposanten Resten der Anlage beeindruckte mich besonders der fast 360 Grad Rundblick in die Anden. Von der Festung aus konnte ich weit in die Berge hineinschauen. Es ist faszinierend, wie hoch hier noch Landwirtschaft betrieben wird, und wie steil die zu bewirtschaftenden Flächen sind. Durch die vielen Niederschläge sind die Böden aber wohl auch ziemlich fruchtbar. Viele Dörfer liegen auf 3000m Höhe. Als Geograf muss ich dann doch an dieser Stelle auf dei von Alexander v. Humboldt zurückgehende Einteilung der Höhenstufen der Anden hinweisen. bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Anitagraser

In einem Gebäude in Lima habe ich diese schöne Zeichnung fotografiert. Und zum Schluss noch eine Frage, die ich mir im nach hinein stelle: