Einen Überblick über unsere Reise durch Thailand, Myanmar und Nepal gibt diese kleine Diaschau.
Kategorie: Thailand
Kathmandu, letzter Tag der Reise
27° 43′ 0″ N, 85° 19′ 0″ E
Langsam kommt der Monsun die südliche Berge hinauf. Es regnet fast täglich und es ist so diesig, dass man die Berge um das Kathmandutal nicht mehr sehen kann. Eine gute Gelegenheit auf der Dachterrasse zu sitzen und etwas zurückzuschauen auf die letzten drei Monate.

Drei Monate, drei Länder. Thailand war so etwas wie der sanfte Einstieg nach Asien. Am Anfang noch sehr exotisch, aber als wir nach zwei Monaten aus Yangon wieder nach Bangkok zurückkehrten, fühlte es sich wohlorganisiert und vertraut an. Wir sind von Süd nach Nord durch Thailand gefahren und haben von tropischer Küste, Regenwald, Megastadt Bangkok, Geschichtspark Sukhothai, die ländliche Region um Nan und Chiang Rai einen guten Überblick über das Land, seine verschiedenen Landschaften und Kulturen bekommen.

Mit dem Grenzübertritt nach Myanmar war die Ungewissheit für uns schon groß, was uns erwarten wird. Wie wird das Reisen in einer fast-noch Militärdiktatur sein? Dass wir aus einer quasi Militärdiktatur Thailand kamen, haben wir gar nicht richtig gemerkt. An jeder Station der Reise durch das Land haben wir neue Dinge dieses sehr armen Landes entdeckt. Von den ethnischen Verschiedenheiten, den buddhistischen Traditionen der goldenen Pagoden und Tempeln, der offensichtlichen Armut der Menschen, der reichen Vergangenheit, den Naturschönheiten, dem Müll, der Nähe zum übermächtigen Nachbarn China und den Versuchen der Modernisierung in der Hauptstadt Yangon. Wir sind von Tachilek nach Hispaw in den Shan-Staaten, Mandalay, Bagan, Kalaw und Inle-See, dem Ayeyawaddy-Delta, den Stränden am Golf von Bengalen bis nach Yangon gereist.

Die letzte Station der drei Monate war Nepal. Dieses Land ist noch ärmer als Myanmar, was wir gleich an den ersten Tagen in Kathmandu erleben konnten. Die Auseinandersetzung mit dieser Armut begleitete uns den ganzen Monat. Armut bedeutet offensichtlich auch immer Vermüllung. Nepal ist durch das Erdbeben von 2015 sehr in seiner Entwicklung zurückgeworfen worden, auch wenn man die Auswirkungen meist nur noch an den Gerüsten der Pagoden an den Durbar-Plätzen in Kathmandu und Patan sehen kann.

Doch ein Schwerpunkt unserer Reise in Nepal war der Gokyo-Trek im Himalaya, auf dem wir 13 Tage durch das Everest-Gebiet wanderten. Dieses Trekking war mit Sicherheit eines der Höhepunkte der drei Monate, ein einzigartiges Naturerlebnis im höchsten Gebirge der Welt.

Die letzten zwei Wochen verbrachten wir im Kathmandutal. Der Flugzeug-Crash in Lukla und die Cancelation unseres Rückfluges nach Dehli trübte unsere Lust auf zwei weitere Tage im rumpeligen Bus und den Besuch eines weiteren Ziels in Nepal. Wir besuchten die Sehenswürdigkeiten Kathmandus und wanderten drei Tage in Dhulikhel in den mittleren Bergen am östlichen Kathmandutal.
Die ganze Reise war eine Begegnung mit der Lebenskultur in Süd- und Südostasien. Dabei ist die Freundlichkeit der Menschen sicher eines der besonderen Erfahrungen geworden. Am deutlichsten war sie in Thailand zu spüren. Das Lächeln der Menschen ist nicht nur eine Erfindung des Tourismus-Marketings, sondern wir haben es tausendfach gesehen. Wenn man ein Lächeln gibt, bekommt man freundliches Lächeln zurück. Eigentlich eine Binsenweisheit, trotzdem werde ich diese Erfahrung mit nach Deutschland nehmen, wo das Lächeln vielleicht noch nicht so populär ist. Auffallend war auch, dass die Menschen mir meist offen ins Gesicht geschaut haben. Selten wurde beschämt weggeschaut, oft interessiert und freundlich zurückgeblickt.

Beeindruckt hat mich auch das Lachen in vielen Situationen, die ich beobachtet habe, obwohl die Menschen einen viel härteren Alltag mit Armut und schwierigen Lebensbedingungen haben als wir in Deutschland. In allen drei Ländern wurde viel gelacht, besonders in Thailand und Nepal. Die Menschen in Myanmar waren etwas zurückhaltender, vielleicht prägt über vierzig Jahre Militärdiktatur die Freude.
Beeindruckend war auch der Kontakt mit den Religionen. In Thailand und Myanmar dominierte der Buddhismus. Die Pagoden, Klöster und Statuen in Thailand waren in einem beeindruckendem Zustand, tolle Komplexe mit viel Gold und Rot, wahnsinnig vielen Details in Skulpturen, rituellen Gegenständen und Malereien. Es war fast unüberschaubar, die Vielzahl der Symbole zu verstehen und zu deuten. Die Plätze waren aber immer schöne Orte der Ruhe und der Meditation. Es gab kaum einen Ort, der nicht mit einer Buddhastatue oder einem Schrein ausgestattet war. Gut, dass es das Internet gibt, da konnten wir auftauchende Fragen zum Buddhismus oft schnell nachlesen. In Thailand waren die großen Meditationshallen am imposantesten.

In Myanmar waren es die großen goldenen Stupas, die die spirituellen Stätten prägten. In diesem Land trat der Gegensatz von der Pracht der buddhistischen Orte zu der Armut und dem Verfall im Umfeld für mich sehr irritierend in den Vordergrund. Wenn die Klöster reich und die Schulen und Krankenhäuser arm sind, stimmt für mich das Verhältnis nicht mehr. In Mandalay gibt es eine Buddhastatue, die mit so viel Blattgold beklebt ist, dass ihre Proportionen nicht mehr zu erkennen sind und die eher nach einem großen Goldklops als nach einer Buddhastatue aussieht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses Verhalten im Sinne der Lehren Buddhas sein können, der doch die Abkehr von aller Gier auf das Materielle als Voraussetzung für eine Erleuchtung gepredigt hat.
Am unverständlichsten ist für mich, dass in zutiefst buddhistischen Ländern wie Thailand und Myanmar die Menschenrechte so mit Füßen getreten werden. Wie können Menschen, die die buddhistische Weltsicht, die nach meinem Verständnis auf Toleranz, Friedfertigkeit und dem Wohlergehen aller Lebewesen ausgerichtet ist, solche menschenverachtenden Staatssysteme aufbauen. In Myanmar beteiligen sich sogar buddhistische Mönche an der rassistischen Hetze gegen andere Religionen, besonders der Moslems. Das hat meine Sympathien für die buddhistische Lehre doch arg angekratzt.
In Nepal ist die Gesellschaft überwiegend durch den Hinduismus geprägt. Ich muss zugeben, dass ich bei den vielen Besuchen der hinduistischen Stätten die Vielzahl der Götter, Inkarnationen und Symbole nicht verstanden habe. Dazu kommt, dass sich in Nepal der Buddhismus und der Hinduismus fröhlich vermischen, und an vielen Stätten eine buddhistische Stupa neben einem hinduistischen Tempel stehen. Leider musste ich feststellen, dass die religiösen Orte in Nepal viel weniger gepflegt waren als in Myanmar oder Thailand. Besonders an den hinduistischen Tempeln lag viel Müll herum, die Tempel waren mit roter Farbe bespritzt und die Verbrennungsrituale haben ihre rußigen Spuren hinterlassen. Sogar die rituellen Wasserspender waren oft zu Müllplätzen verkommen.

Überhaupt der Müll! Dieses Thema war ein ständiger Begleiter auf unserer Reise. Weite Landstriche, die wir bereist haben, waren völlig vermüllt. Sauber war eigentlich nur der Nationalpark Sargamantha am Everestgebiet, wo die Menschen erkannt haben, dass eine saubere Umwelt ihr Kapital im Tourismus ist. Aber in vielen anderen Gebieten, egal ob Stadt oder Land, ist die Landschaft mit Müll übersät. Egal, ob der Bauer in Bagan mit seinem Moped losfährt und seinen Reissack voller Müll über die Brücke in den ausgetrockneten Fluss wirft, oder die Städter achtlos die Plastikflaschen in der Stadt in die Baulücken wirft. O.k. Es gibt kaum eine organisierte Müllabfuhr. In Myanmar haben die Menschen erst seit zehn Jahren in größerem Stil Kontakt mit Plastik. Sicher haben die Menschen andere Sorgen des Überlebens als die Müllentsorgung. Aber die Vermüllung nimmt solche Ausmaße an, dass sie für uns schwer zu ertragen war. In Bagan war die weite Steppenlandschaft übersät mit Plastiktüten, die vom Wind weggeblasen wurden und an den stacheligen Sträuchern hängen geblieben sind.

In Nepal war zu sehen: Müll und Armut scheinen zusammen zu gehören. Je ärmer die Gegend, desto mehr Müll türmte sich auf. Zum Teil watete man an den Bushaltestellen durch das Plastik. Der städtische Müll Kathmandus wird zu den Flüssen gebracht. Man sieht Menschen, die die Säcke mit Müll die Flußböschungen herunterwerfen. Man scheint zu hoffen, dass das Wasser des Monsuns die Sachen wegschwemmen wird. Ich weiß nicht, wohin das Problem mit dem Müll hinführen soll. Wir sind in Europa ja auch nicht besser, wir exportieren den Müll auch noch in die ärmeren Länder. Lange habe ich mich als Deutscher auf der besseren Seite gefühlt, hier würde Mülltrennung und -vermeidung groß geschrieben. Aber die Recherchen der letzten Monate haben offen gelegt, das die Recyclingquote in Deutschland erschreckend gering ist. Deutschland exportiert weiterhin Müll in die dritte Welt, in Malaysia hat eine Redakteurin der SZ riesige Mülldeponien mit „Recyclingmüll“ aus Deutschland gefunden.
Die Reise war auch eine Begegnung mit dem Zustand der Welt. Mich begleitete das Buch „20 Lektionen für das 20. Jahrhundert“ von Yuval Noah Harari, mit denen ich gut die aktuellen Herausforderungen der Menschheit bedenken konnte. Eines der Thesen von Harari ist, dass viele Menschen und vielleicht ganze Staaten „überflüssig“ werden könnten, weil sie für die globale Produktion nicht gebraucht werden und den Anschluss an die Entwicklung künstlicher Intelligenz nicht geschafft haben.

Für Myanmar und Nepal gilt diese Gefahr sicherlich; beides Länder, die sehr wenig entwickelt nach unseren westlichen Maßstäben sind. Beide Länder haben auch keine global wichtigen Rohstoffvorkommen, so dass sie für die weltweite Produktion eigentlich unwichtig sind.
Thailand hat es zumindest schon zum Status eines Schwellenlandes geschafft. Aber die Wirtschaft ist eher regional orientiert. Für eine Rolle als Kleidungsnäherei für die Welt sind die Löhne in Thailand zu hoch, da sind Bangladesh, Kambodscha und Vietnam für die internationale Bekleidungsindustrie attraktiver. Den Einfluss Chinas kann Thailand noch zurückdrängen. Viele Menschen in Thailand sind chinesischer Herkunft, man hat eher ein gutes Verhältnis.

China ist die neue Macht in der Region, das wurde deutlich. Besonders in Myanmar drängen chinesische Touristen und Waren ins Land. Sie sind überaus unbeliebt, überall wurde mit den Augen gerollt, wenn Chinesen im Anmarsch sind. Chinesen haben aber auch keine Manieren und benehmen sich wenig respektvoll, davon konnten wir uns live überzeugen.
Durch Hispaw rollten dicht an dicht die Sattelschlepper mit landwirtschaftlichen Waren nach China. Ganze LKWs waren mit Melonen beladen. Unsichtbar fließt das Kapital in die andere Richtung und kauft alles auf, was lukrativ erscheint. Dabei fließen die Provisionen in die Taschen der Generäle, die dafür sorgen, dass die Bevölkerung keinen Ärger macht. Die Tendenz, dass sich China überall auf der Welt einkauft, ist in vielen Teilen der Welt zu sehen. Am Ende unserer Reise tagt in Peking eine Konferenz zur „neuen Seidenstraße“. Viele Kritiker befürchten, dass sich China die Kontrolle über wichtige Häfen und Handelsrouten sichern will. An dem Auftreten der chinesischen Reisegruppe in Bagan konnten wir sehen, wie die chinesische Dominanz in den nächsten Jahren aussehen könnte.
Magische Momente
- Sonnenaufgang in Bagan
- Sonnenuntergang in Hsipaw
- Feuer im Nationalpark im Norden von Thailand
- Geschichtspark in Sukothai im milchigen Dunst
- Panoramablick auf dem Gokyo Ri über den Gletscher und die 8000er Gipfel
- Ausblicke im Nationalpark bei Krabi
- Erster Blick auf den Mount Everest bei Khojung
- Strandlauf in Ko Payang
- Sonnenuntergang in Ko Payang
- Über den Inle-See mit dem Langboot fahren
- Mit dem Zug über den Gokteik-Viadukt fahren
Essen
- Thai Phatai, Thailand
- Vegetable Rice, Thailand und Myanmar
- Mo Mo‘s in Nepal
- Daal Bhat, Nationalgericht in Nepal
- Chomein, Nepal
- Diverse Currys, Nepal
- Fried Noodles, Thailand und Myanmar
Die Reise war auch immer wieder eine Begegnung mit der Armut. Besonders die Menschen in Myanmar und Nepal gehören zu den ärmsten in der Welt. Die Begegnungen mit der Armut macht mich immer hilflos. Als Tourist kannst du die Armut nicht lösen, auch wenn du einem Bettler einen Schein zusteckst. Bettlern sind wir übrigens recht wenig begegnet, das hätte ich anders erwartet. Trotzdem ist die allgegenwärtige Armut sichtbar.

Als Tourist profitiert man in diesen Ländern ja von günstigen Reisekosten, Transport, Essen und Unterkunft. Man sollte sicher einen Teil dieser Vorteile, die man als Einwohner eines reichen Staates hat, in Form einer Spende an die bereisten Länder zurückgeben. Dabei sollte man besser Organisationen unterstützen, die eine strukturelle Verbesserung für die Menschen anstreben. Eigentlich wäre eine Entwicklungssteuer für Reisen in Entwicklungsländer eine sinnvolle Maßnahme.

Aktuell: Wahl und Königskrönung in Thailand
Bangkok, 13,7625 N; 100,5004 O

Noch ist das Bild vom neuen König verpackt, aber im Mai soll es aufgehängt werden. Dann soll der neue König Rama X gekrönt werden, nachdem die zweijährige Trauerzeit nach dem Tod König Bhumibols vorbei ist. Seit zwei Jahren amtiert der neue König Maha Vajiralongkorn im Amt, aber wenn man sich in den Geschäften und Restaurants umschaut, findet man selten ein Bild von ihm. In Thailand, wo die Kritik am Königshaus unter schwerer Strafe steht, scheint dieses ein stummer Protest gegen den Lebenswandel des neuen zu sein:
Letzte Woche fanden Parlamentswahlen hier in Thailand statt. Noch ist das offizielle Ergebnis nicht veröffentlicht, aber es scheint sich knapp der Kandidat des Militärs durchgesetzt zu haben. Wenn man durch die Straßen Bangkoks geht, hat man nicht das Gefühl sich in einer Miltärdiktatur zu befinden. Aber seit dem Militärputsch von 2014 bestimmen die Militärs die Politik und haben ihnen genehme Politiker in die Regierung gesetzt. Kritische Nachrichtensender wurden verboten, die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Der öffentliche politische Diskurs ist zum Erliegen gekommen. Vor 2014 haben sich zwei politische Lager immer wieder erbittert bekämpft, ohne dass eine Seite die Mehrheit erringen konnte. Die „Gelbhemden“ galten als die Königstreuen, die „Rothemden“ als deren Kritiker. Aber Positionen sind in Thailand nicht so leicht den Parteien zuzuordnen wie bei uns in Europa. Bis dann das Militär putschte und eine Diktatur errichtet. Danach wurden die versprochenen Wahlen immer wieder verschoben. Zuletzt verbot der neue König seiner beliebten großen Schwester für das Parlament zu kandidieren. Die von ihr unterstützte Partei wurde kurzerhand aufgelöst. Dieser Vorgang wurde als Unterstützung des Königs für die Kandidaten des Militärs gewertet.
König verbietet Kandidatur der Prinzessin
Wenn man sich die Frage stellt, ob man in undemokratische Länder reisen kann, so muss man sich dieses auch für Thailand fragen. Interessant finde ich aber auch, dass die Thailänder offensichtlich bei der Wahl für „Ruhe im Karton“ mehrheitlich gestimmt haben, anstatt für demokratische Freiheiten. Was bedeutet das für die Demokratie? Ist der demokratische Streit um die besten Lösungen gar nicht immer das beste System? Als Tourist bekommt man davon auf der Straße nichts mit. Kein Militär patrouilliert mit Gewehren auf der Straße. Sieht so eine moderne Diktatur aus? Aber sollte es uns als Touristen egal sein? Der globale Tourismus sollte doch die Demokratie in die Welt bringen. In Myanmar haben wir erfahren, dass die Touristen aus dem Westen sein zwei Jahren wegbleiben wegen der politischen Situation. Wenn man nicht mehr in die Türkei fährt wegen der Demokratiedefizite in dem Land, wäre die Situation für Thailand nicht anders. Auf der anderen Seite: wäre ich nicht nach Thailand gefahren, hätte ich das bei allem politischen Interesse gar nicht erfahren.
Ich finde es ganz schön schwierig zu entscheiden, ob man als Tourist in Länder fahren sollte, die ein Demokratiedefizit haben. Ich finde es eher wichtig, dass man sich als Tourist auch für die politische Situation der Menschen im Reiseland interessiert. Letztendlich müssen die Menschen in Thailand und anderen Ländern ihre politische Situation selbst verbessern. Aber trotzdem sollten auch Touristen immer wieder für demokratische Verhältnisse eintreten, wenn das Versprechen eingehalten soll, dass die Globalisierung auch die Demokratie in der Welt verbreiten soll.
Doi Phoi Kha Nationalpark
18.77631597359 N 100.77394008636 O
Provinz Nan, Nord-Thailand
Orange ist die Farbe dieses Abends. Orange leuchtet die tief stehende Sonne im Westen. Ihre Strahlen werden durch den Dunst gefiltert. Ihr Licht taucht den tropischen Regenwald in eine warme Farbe, wo dass eine magische Atmosphäre entsteht. Nicht mehr die gnadenlose Sonne des Tages brennt auf das Blätterdach, dem man dankbar ist, dass es großzügig Schatten spendet.

Orange ist aber auch die Farbe des Feuers, das auf der gegenüberliegenden Talseite brennt. Zuerst hören wir das knacken der berstenden Stämme und riechen den Rauch, bis wir den Motorroller an einer geeigneten Stelle am Straßenrand anhalten können und frei Sicht über das Tal bekommen. Orange ziehen sich die Flammen den Berghang hinauf, finden reichlich Nahrung im ausgetrockneten Pflanzenreich. Wir stehen zwischen vertrockneten Maispflanzen, deren Felder sich die Berghänge hochziehen.

Brandrodung und Feuer-Landwirtschaft, mitten im Nationalpark! Auf der Einfahrt in die Berge fahren wir schon an kahlen Berghängen vorbei, an denen der tropische Regenwald, der hier eigentlich wachsen sollte, verschwunden war. Als wir den Nationalpark dann erreichen, sind die Berge dann mit dem erwarteten grünen Pflanzentuch bedeckt, bis hinauf in die höchsten Berggipfel stehen die hohen hell-stämmigen alleinstehenden Bäume inmitten des geschlossenen Blätterdaches des dritten Stockwerkes des Regenwaldes.

Am Abend fahren wir zu dem angekündigten „sunset-point“ auf der Straße Richtung Bo Kluea. Die Sonne ist aber schon eine Stunde vor der offiziellen Sunset-Zeit im Qualm des Feuers verschwunden. Eine eigenartige Stimmung macht sich breit, obwohl das Feuer weit weg ist auf der anderen Talseite. Weckt der Anblick eine archaische Angst des Menschen vor dem Feuer?

Wieso ist das Abbrennen der Felder mitten im Nationalpark erlaubt? Wieso sind schon so viele Flächen des Regenwalds in die Landwirtschaft gegangen? Viele Berge hier im Norden Thailands sind kahl, entwaldet, abgeholzt, abgebrannt. Sie sind noch nicht einmal landwirtschaftlich genutzt, nur einige Felder an den steilen Hängen sind bebaut. An den Straßen hängen Schilder, die vor den Gefahren des Abbrennens warnen, aber wirkliche Konsequenzen scheint es nicht zu haben. Überall sieht man verbrannte Erde. Der holländische Besitzer von Nan-Guesthouse erklärt uns, dass eine unheilige Allianz aus Monsanto, die eine Ausweitung der Anbauflächen fordert, der Verquickung der Regierung mit dem internationalen Saatguthersteller (jetzt in Besitz der deutschen Bayer-AG), der korrupten Polizei und traditionellen Anbaumethoden ein Ende des Abbrennens verhindert.
https://www.dw.com/de/thailand-erstickt-im-rauch/a-15779897

Als wir den vier Kilometer langen Wanderweg durch den Doi Phu Kha-Nationalpark gehen, bekommen wir davon nichts mit. Nach einer einsamen Nacht in einer Bambushütte im Visitor-Center des Nationalparks

tauchen wir in die Artenvielfalt des Regenwaldes ein. Der Wald hier in 1300m Höhe ist ganz anders als der Regenwald in Südthailand bei Krabi. Die Bäume sind nicht ganz so hoch und es gibt richtige Bananenfelder im Wald. Die Bananenplanze kann in ihrem Stamm 10-15 Liter Wasser speichern, und trägt somit zur Wasserversorgung des Waldes in der Trockenzeit bei. Dafür fehlen hier die großen Bäume mit den Brettwurzeln.

Hauptattraktion im Park ist die der phukha-Baum, oder Brettschneidera-Baum (thailändisch Chompoo Phu Kha). Nur wenige Exemplare gibt es hier im Park oder in Nord-Thailand. Der Baum ist sonst nur noch in Süd-China, Nord-Vietnam und Laos verbreitet. Auf der Wanderung treffen wir auch nur auf zwei unscheinbare Exemplare, für die extra eine bergiger Pfad in den Wald geschlagen wurde. Die rosa Blüten blühen im Februar, und wir haben Glück, im Februar hier zu sein. Der Baum ist doch eher unscheinbar, und ich muss mir das Gefühl einreden, etwas ganz seltenes zu sehen.
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Bretschneidera
Nach dem ersten Tag auf den thailändischen Mopeds fahren wir am zweiten Tag souverän auf der Bergstraße in Richtung Pass zwischen Ost und West. Auf 1770m Höhe erreichen wir eine Aussichtsplattform mit Parkplatz und Essensverkauf. Der Blick geht über schöne bewaldete Hänge, nur die Fernsicht läßt die Mischung aus Dunst und Qualm kaum zu.
Die Straße führt in endlosen Kurven und Serpentinen nach unten, die Hitze umfängt uns wieder, jede Kurve bringt einen neuen Hitzeschwall. In Bo Kulea gibt es eine sehr einfache Suppe, der Wunsch, „kein Fleisch“ wurde vermutlich nicht verstanden. Der Ort beherbergt eine der wenigen Salzsiedereien in Thailand. In einer kleinen Touristenzone werden Salzbeutelchen und andere Dinge, die man aus Salz herstellen kann, verkauft. Wir können in den Schacht hineinschauen, aus dem die Lake herausgeholt wird.

Nach einem Kaffee und Kuchen (natürlich in Plastikfolie) setzen wir uns wieder auf die Mopeds und fahren nach Süden Richtung . Es folgt eines der schönsten Strecken, die wir je gefahren sind. Zuerst geht es durch das Flusstal an Reisfeldern und Feldern vorbei. an einer Kreuzung geht es hinauf in die Berge, die Straße wird ordentlich steil. Ab drei Uhr nachmittags wird das Licht weicher, weil die Sonne schnell tiefer steht. Einmal an Höhe gewonnen, führt die Straße von Höhenzug zu Höhenzug, immer mit großem Blick über die Landschaft. Waldgebiete und Felder wechseln sich ab. Es ist ein ständiges Auf und Ab, nur selten kommen wir an einem Dorf vorbei. Das warme Licht macht die Landschaft ganz weich.

Plötzlich taucht eine weiße Pagode im grünen Blättermeer auf. Ein Tempel steht mitten in der Landschaft, der Buddha sitzt frei zwischen den Säulen. Dann wird die Landschaft gelber, weil die landwirtschaftliche Nutzung zunimmt und der Wald verschwindet. Die Sonne steht mittlerweile tief, die Felder sind abgeerntet und liegen im gelben Licht träge in der Landschaft.

Unser Ziel ist ein kleiner orangener Punkt auf dem Smartphone. Der Punkt zeigt ein Doppelbett, ansonsten nur thailändische Buchstaben, für uns nicht zu entziffern. Der Punkt zeigt einen Ort an der Straße auf Google-Maps, an dem hoffentlich eine Unterkunft steht. Aus Bo Kulea haben wir die angegebene Telefonnummer über whatsapp angeschrieben, und Antwort bekommen. Die Unterkunft finden wir nur über die Entfernungsanzeige über Google-Maps. Als das „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ ertönt, stehen wir vor einem Feldweg mit einem Schild in thailändischer Sprache. Keine Unterkunft zu sehen. Wir fahren durch eine Kautschuk-Plantage (nach Ko Phayam kann ich die Bäume erkennen) und treffen auf ganz neue, winzige Bambushüttchen. Eine junge Dame scheint uns zu erwarten.

Leider spricht sie kein wort Englisch. Dafür entschädigt die Aussicht, die Bambushüttchen stehen an einem Hang mit Blick über die abgeernteten Felder und die Berge im Hintergrund. Aber außer Aussicht haben die Hütten nichts, die Frage nach Bett oder Matratze bleibt unverstanden. Also wieder unseren unbekannten Kontakt über whatsapp anschreiben, mit Bitte um Klärung. Es scheint sich jetzt eine Dreiecks-Kommunikation zu entwickeln, die junge Dame telefoniert aufgeregt. Unser whatsapp-Kontakt scheint ihre Schwester zu sein.

Ein Moped kommt an, eine weitere Schwester und Mama, mit genauso wenig Englisch dabei, dafür mit um so mehr Lachen. Jetzt erstmal die Selfies mit Mama machen. die Matrazenfrage haben wir immer noch nicht geklärt. Aber jetzt kommt Google Übersetzer ins Spiel, so geht jetzt die Kommunikation besser. Unsere Gastgeber laden sich jetzt schnell mal die App runter. Jetzt wissen wir auch, dass wir Matratze, Essen und ein Bier bekommen.

Um die Verständigung etwas zu verbessern, wird der junge Englischlehrer Totty aus der Truppe aktiviert, der sich mit uns unterhalten soll. Das klappt auch ganz gut, jedoch sind wir verwundert, wie weit die geringen Englischkentntnisse des jungen Mannes für ein Lehrerexamen reichen können. Aber wir erfahren, dass vier junge Leute die Bambushütten zu einer Lodge aufbauen wollen, ein ambitioniertes Projekt an einer Straße, an der alle Viertelstunde ein Auto vorbeikommt. Es war ein toller Abend an einem ungewöhnlichen Ort mit viel Lachen. Wir bekamen tolles thailändisches Essen. Um Neun lagen wir in unserer Hütte im „Bett“.
Krabi
8.063117 N; 98.9181101 O
Die Natur ist einfach wunderschön in diesem Teil von Thailand.
Ich sitze auf der Dachterrasse des Smile Guesthouse und blicke den Krabi-Fluss hinauf. Laut knattern die Langboote zu ihren Anlegestellen hin. Gegenüber der Stadt breitet sich der grüne Mangrovenwald aus, angepasst an de;stetigen Wechsel von Ebbe und Flut. In der Ferne erheben sich die grün bewachsenen Kartsberge. Steil aufragende Klippen, von einem grünen Teppich überzogen. Nur vereinzelnd leuchten ein paar weiße Felsen aus ihm hervor. Links und rechts vom Fluss stehen die Hundeohren,zwei gegenüberliegende Felsen, die ein Wahrzeichen von Krabi sind.

Als kleinen weißen Punkt erkenne ich sitzenden Buddha auf einem der Spitzen. Er gehört zum Tiger Cave Temple, einem sehr bekannten Kloster nahe Krabi. In 1270 Stufen kann man die Treppen zu ihm erklimmen, was wir am folgenden Tag auch machen werden. Von oben hat man einen tollen Blick über das Land: auf der einen Seite die Kulturlandschaft mit vielen Feldern und Plantagen, auf der anderen Seite die Karstfelsen, die als grüne Säulen zwischen dem flachen Land stehen. In der Ferne im Dunst liegt das Meer, die Adamanensee.

Wie haben die Menschen diesen riesigen Buddha auf die kleine Gipfelplattform gehieft?

Der Anstieg über die Treppen ist wirklich steil, eine Seilbahn ist nicht zu erkennen. Mit dem Hubschrauber? Auf jeden Fall ist der Tiger Cave Temple ein magischer Ort.

Vorher gehen wir noch den Rundweg Wonderland. Über eine kurze Treppe konnte man in eine „Insel“, umgeben von Felswänden hinein steigen. Neben Wohnhöhlen der Mönche Buddhastatuen unter Felsvorsprüngen und in Höhlen eröffnet sich uns eine bezaubernde Tropenvegetation.

Der Reiseführer sagt uns, dass es sich um eines der letzten unberührten Regenwaldgebiete handeln soll. Der Rundweg führt uns an riesigen Bäumen mit gewaltigen Brettwurzeln vorbei, an faszinierenden Pilzen auf umgestürzten Baumstämmen und unfassbaren grünen Farbschattierungen.

Wie schade, dass ich kein Biologe bin und keine die vielen wunderbaren Pflanzen beim Namen kenne. Eingerahmt ist dieses Biotop von senkrechten Kalkwänden, in denen jede kleine Nische und Höhle bewachsen ist. Das Schreiten auf diesem Waldpfad ist schon eine besondere Meditation, eine Lektion in Demut vor der Natur.

Und trotzdem, auch wenn es schon tausendmal geschrieben wurde, der Blick von der Aussichtsplattform des Tigers Cave Temple bestätigt es auch dem ungeübten Auge: es ist nicht mehr viel übrig vom tropischen Regenwald. Er ist fast nur noch im „Zoo“ der Nationalparks zu bewundern. Aber haben wir Europäer das Recht, diese Entwicklung zu kritisieren, wo wir doch alle Urwälder in Europa fast vernichtet und in Kulturland umgewandelt haben? Kann man es den Thailändern vorwerfen, wenn sie ihre Wälder roden, um Ackerland zu gewinnen, um sich eine Lebensgrundlage zu verschaffen? Sicher nicht, aber die Vernichtung des Regenwaldes hat globale Konsequenzen und kann deshalb nicht mehr nur aus der lokalen oder nationalen Perspektive betrachtet werden. Der Regenwald ist ja nicht nur schön anzuschauen, sondern er beheimatet ja auch eine riesige genetische Vielfalt, die für die Gewinnung von Arzneien eine wichtige Rolle spielen kann.

Wir steigen auf unser Moped und fahren zum Huai To Wasserfall. Hier wird die Natur durch einen Nationalpark geschützt. Amerikanisches Modell: Schranke, Eintrittskarten kaufen, großer Parkplatz, parkähnlich angelegter Eingangsbereich. Auf breiten Wegen für die naturferne Kundschaft geht es zum Wasserfall. Viele Schilder, vor den Gefahren der Natur warnend, begleiten uns. Aber es geht hinein in den tropischen Urwald, einem Bachlauf entlang. Der erst noch so komfortable flipflopgeeignete Weg wird ein felsiger Klettersteig. Der Bach hat sich zu einem Wasserfall an der Steilkante des Berges verwandelt. Mehrere Becken laden zum Baden ein. Die Sonne steht schon flach und verwandelt das grüne Blättermeer in warme Töne. Die Ranger haben den Urwald rund um den mehrstufigen Wasserfall großzügig zurück geschnitten. Dadurch können wir noch auf den Felsen in der Sonne sitzen und uns von den Strahlen trocknen lassen. Normalerweise wäre der Wasserfall unter dem Blätterdach verschwunden und kaum begehbar gewesen.
Im Park können wir noch einen Riesenbaum bewundern.

Unfassbare Wurzeln bieten ihm Halt, mehr als 30m Umfang. Die Spitze des Urwaldriesen war nicht mehr zu erkennen. Im Kampf um das Licht im Urwald versuchen die Bäume immer höher hinaus zuwachsen. Um bei Stürmen standhaft zu bleiben, haben viele Arten Brettwurzeln ausgebildet. Da im tropischen Urwald die Nährstoffe nur in den oberen Schichten des Bodens vorhanden sind, sind die Bäume Flachwurzler. Durch die Brettwurzeln können das flache Wurzeln und eine große Standfestigkeit kombiniert werden.

Was habe ich in diesen Tagen gelernt? Südthailand hat hat mit seinen restlichen Tropischen Urwäldern und den weißen Kalkfelsen eine tolle Natur. Trotzdem ist diese Natur auf wenige Stellen zusammengeschrumpft. Das Wandeln in diesen Wäldern ist wie eine Gehmeditation. Der Hauptvernichter der Wälder ist der ausuferende Palmölanbau, deren Hauptabnehmer wir im Westen sind. Wir haben also auch einen
Einfluss auf die weitere Entwicklung.
Als nächstes werden wir uns die tollen Strände und Küsten rund um Krabi anschausen.
