39.7781116 Nord; 20.0064017 Ost
Der südöstlichste Zipfel Albaniens. Auf dem Meer erheben sich die Berge von Korfu, Griechenland. Ksami, ein kleiner Badeort südlich von Sarandë, füllt sich am Sonntag mit Touristen. Die Westeuropäer kommen in ihren Wohnmobilen, die Ukrainer in dicken SUVs. Das toruistische Potential bietet noch viel Luft nach oben. Schön, dass die Hänge noch nicht mit Hotels vollgestellt sind. Dafür ragen viele Bauruinen in die Landschaft, die genauso zahlreich wie die intakten Hotels sind. Eingie Gerippe sind sogar mangels geeignetem Fundament seitlich abgekippt. Wieso reißt sie eigentlich keiner ab?
Jemand muss auf die Idee gekommen sein, einen Küsten-Flanierweg anzulegen. Leider sind nur die die Steinplatten schon halb abgefallen, die Lampenständer umgefallen und die Sitzbänke kaputt. Es scheint sich keiner richtig Gedanken zu machen, dass die Dinge, die man baut, auch unterhalten werden müssen.
Viele für unsere Ohren ungewohnte Sprachen sind zu hören. Die Nummernschilder der Autos sind ebenson exotisch. Rumänien, Kosovo, Polen, Ukraine, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Montenegro… Wo sind eigentlich die unvermeindlichen Holländer? Nicht zu sehen. Irgendwie scheint Europa immer noch in Ost und West geteilt zu sein. Wie kann man eigentlich diese Teilung aufheben? Reisen, Tourismus? Kann Tourismus für ein gegenseitiges Verständnis einen Beitrag leisen? Annähernd gleiche Lebensbedingungen überall in Europa? So wie es in Deutschland als Vorgabe für den Staat gilt und Grundlage für den Soli war Brauchen wir einen europäischen Solidarpakt? Wenn wir Europa mit den gleichen Kriterien entwickeln wollen wie wir sien in Deutschland anlegen, bräuchten wir diesen.

Butrint, eine Ausgrabungsstätte ganz im Süden Albaniens, bot uns eine besondere Zeitreise durch die Geschichte Europas. Ein kleiner Küstensee, der Butrintsee, ist nur durch einen kleinen Kanal vom ionischen Meer getrennt. Dadurch ergab sich eine kleine Halbinsel, die eine strategisch günstige Lage zur Kontrolle der Straße von korfu bot und gleichzeitig einen günstigen Ort für einen Hafen, der von den Stürmen des Meeres verschont bleibt. Aber dieser Ort wurde schon vor den geostrategischen Überlegungen in der Bronze- und Steinzeit besiedelt. Älteste Funde beweisen dieses.
In Butrint hinterließen zahlreiche Kulturen ihre Spuren, umgekehrt wurden sie aber auch von Butrint geprägt. So kommt Butrint in den Werken berühmter antiker Autoren vor, wie zum Beispiel bei Hekataios von Milet[1] oder in der Aeneis von Vergil. Als städtisches Zentrum einer weiten Region kam sie zu Reichtum und Macht, wovon die zahlreichen Profan- und Prachtbauten, Straßen und Festungsanlagen zählen. Durch die Kombination seiner ruhigen Umgebung an einer Lagune und seinen historischen Monumenten zog die Stadt auch Grand Touristen des 18. und 19. Jahrhunderts an, die sie als eine Landschaft mit Monumenten bezeichneten.[2]Unter anderem besuchte Edward Lear die historische Stätte, um sich von ihr inspirieren zu lassen.

Aber als Stadt wurde Butrint zurerst von ven Griechen ausgebaut, mit Theater, Bädern, Akropolis und Gymnasion. Die römische Kultur folgte, mit Wasserleitungen, Forum und tollen Fußbodenmosaiken. Sie bauten die Stadt vor allem flächenmäßig weiter aus, was neute Stadtmauern brachte. Der Aufstieg des Christentums brachten eine Basilika undeine taufkirche nach Butrint. Das Byzantische Reich konnte sich aber nicht halten, und nach vielen Herrschaftswechseln benutzte der Stadtstaat Venedig den Ort, um den Adriahandel abzusichern. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts beendete Napoleon die Herrschaft der Venezier und Butrint fiel an das osmanische Reich. Im 19. Jahrhundert spiele die geostrategische Lage keine Rolle mehr und die Stadt wurde wieder ein Fischerdorf. Erst die ersten englischen Touristen interessierten sich wieder für das geschichtliche Erbe. Und in den 30er jahren des letzten Jahrhunderts fingen italienische Archäologen an, die Stadt wieder auszugraben. Heute kommen wieder die Touristen. Wir können als westliche Toruisten einen Ort besichtigen, der lange Zeit verschlossen war.
Aber noch lange ist nicht alles ausgegraben, Butrint hat noch nicht den Charme eines allglatten Gescichts-Freilichtmuseums. Man kann noch überall hingegen, sich alles anschauen. Wir können mit einem Rundgang über 3000 Jahre europäische Geschichte an einem Ort nachempfinden. Das ist schon etwas sehr besonderes.
Uns da stellt sich mir doch die Frage, wie geht die europäische Geschichte weiter? Wir haben den Ost-Welt-Konflikt überwunden, haben die osteuropäischen Länder in die EU aufgenommen. Wir künnen überall hinreisen. Aber plützlich wird überall die Frage nach dem Nationalen gestellt. Markus Söder das Ende des Multilaterismus einleitet. Aber ist die Sehnsucht nach dem Nationalen nicht eine Angst vor dem Modernisierungsschub, den wir erleben, der durch die Internationalisierung durch die Globalisierung und das Internet hervorgerufen wird?
Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich durch die Ruinen von Butrint laufe. Es ist ein toller Ort, der Geschichte atmet. Aber Geschichte weist auch immer in die Zukunft. Und die Zukunft gestalten wir selber.