12.1511785 Süd; 77.0208482 West
Grau
Laut
Stinkend nach Abgasen
Voll
Ungerecht
Eng
Hektisch
Gefährlich
Chaotisch
Lima ist die Hauptstadt des südamerikanischenAnden-Staates Peru und die mit Abstand größte Stadt des Landes. Im Verwaltungsgebiet der Stadt, der Provinz Lima, leben 8.890.792 Menschen (Stand 2015)[1] In der Konurbation Limas mit der Hafenstadt Callao leben insgesamt zehn Millionen Einwohner. Beide Städte bilden die Metropolregion Lima (Área Metropolitana de Lima)
Lima ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Peru mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Die Altstadt von Lima wurde 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.[2]
Diese Aufzählung erster Eindrücke klingt nicht sehr schmeichelhaft. Diese Erwartungen hatte ich eigentlich, als ich nach Lima einflog. Und mein erster Eindruck ist: es stimmt.

Aber es ist eben nur eine Seite der Medaille. Der zweite Blick zeigte mir:
Freundlich
Hilfsbereit
Multikulturell
Vielfältig
Lachend
Stolz
Geschichtsträchtig
Anders

Hier ist vieles anders als bei uns in Europa. Die Menschen sehen anders aus, es wird sich kaum aufgeregt, viele sind sehr arm, tragen aber trotzdem eine gewisse Würde mit sich herum. Und viele sind sehr wohlhabend, einige sogar sehr reich.
Ich leihe mir ein Mountainbike in Miraflores aus, um herumzufahren. Miraflores ist Geschäftszentrum, Hochhäuser, Banken, Einkaufsviertel. Hier lebt die Mittelschicht, zu der 20 – 30 % der peruanischen Bevölkerung gehört, sagt mein Reiseführer (1). Hier hat man wohl einen festen Job, eine Wohnung oder ein kleines Haus, muss sich sicher manchmal etwas dazu verdienen.

Es ist grün und laut, aber es gibt auch, oh Wunder, Fahrradwege. Hier fährt aber fast jeder Auto. Die Stadtentwicklung scheint sich auf die quadratische Anlage der Straßen zu beschränken. Ich hätte gedacht, dass der Mittelstand in Peru mittlerweile einen größeren Anteil an der Bevölkerung umfasst, wo doch Peru in den Länderrankings schon als Schwellenland geführt wird.
Ich rolle weiter und komme nach San Isidro. Hier wird es nochmal wohlhabender. Hier wohnt man im Park, in dem die Hausangestellten die kleinen Kinder ausführen und bespaßen. Wo kein Zaun steht, stehen Wachleute, nicht nur einfache Parkwächter, sondern schon mit Pistole und Patronengürtel. Die Häuser sind mit hohen Gittern und Mauern gesichert.

Hier finden sich auch die gated communities, über die ich im Geografieunterricht mit den Schülern arbeite.Dabei ist ein komplettes Stadtviertel durch Schranke und Wachposten abgeriegelt. Der Wachposten notiert genau, wer reinfährt und ob auch wieder rausfährt. Als ich mit Alois am nächsten Tag durch eine gated community fahren, um uns das zu zeigen, sagt, er müsse etwas an der Schule abgeben. Er steigt wirklich aus, geht zumm Briefkasten und wirft etwas hinein. Früher habe ihn sowas nicht geschert (wer Alois ist, erzähle ich im nächsten Beitrag, auf jeden Fall ein allgäuer Dickschädel). Aber alles sei vidoeüberwacht und er habe richtig Ärger bekommen.
15 – 20% der peruanischen Gesellschaft sollen zur Oberschicht gehören. Sie produzieren den größten Teil des Bruttoinlandsprodukts, und lassen es wahrscheinlich nur in ihren Kreisen kursieren.
Zu den 50% der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, schreibe ich im nächsten Blogbeitrag.
Am Sonnabend kam ich nah meinem Tagesausflug zurück nach Barranco und wollte noch schnell in den Metro Supermarkt um ein Abendbier und das Obst für das Frühstück zu kaufen. Wo am Tag vorher noch die Christal und Pilsen-Flaschen herumstanden, war jetzt mit Mineralwasser aufgefüllt. Die Erklärung des jungen Regalauffüllers war so schnell dahingerasselt, dass ich kein Wort verstand. Erst die nette Bedienung im Kulturhaus, in dem ich das Wifi nutzen wollte, klärte mich auf. Morgen ist Wahltag für die die Provinzen und die Bezirks- und Stadtbürgermeister. Damit alle Peruaner, für die im übrigen Wahlpflicht gilt, auch klaren Kopfes ihre Stimme abgeben können, ist von Sonnabend 8.00 bis Montag 8.00 Uhr ein Alkoholverkaufsverbot gültig. So blieben am Sonnabend viele Kneipen zu und das Diskogewummere vom Freitag brachte mich in dieser Nacht nicht um den Schlaf.
Die ganze Stadt ist durchplakatiert, Wagenkonvois mit den Kandidaten fahren mit lauter Musik durch die Straßen und halten an den Plätzen, um kurze Wahlkampfkundgebungen abzuhalten. Es wirkt mehr nach Party als nach Inhalt. Aus den Plakaten kann ich keine Inhalte erkennen.
Aber Wahlen sind ja die Keimzelle der Demokratie. Im Politikunterricht referiere ich ja immer die Bausteine der Demokratie, freie Wahlen, Meinungfreiheit, Gewaltenteilung, freie Presse. Eines fehlt aus meiner Sicht in dieser Aufzählung: die Verpflichtung zum Gemeinwohl zu arbeiten. Und an dem scheint es hier in Peru ziemlich zu mangeln bei den Politikern. Hier ist es wohl so, dass wenn man einen Poste erlangt hat, man ihr dafür nutzt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und Familien und Freunde gleich mit zu bedenken.
Ich verfolge ja aus der Ferne auch die Geschehnisse in Deutschland. Ist es mit dem Gemeinwohl bei uns so weit her? Die SPD ist mit ihrem Gerechtigkeits-Wahlkampf grandios gescheitert, weil sie keine Vision einer gerechten Gesellschaft entwickeln konnte. Jeder in einer Gesellschaft, jeder Politiker, jeder Lehrer, jeder Automanager sollte vepflichtet werden, für das Gemeinwohl zu arbeiten. Dabei Geld zu verdienen muss kein Widerspruch dazu sein.
Wir sollten uns diese Ideen wieder zurückholen. Hier fand ich den Artikel von Andre Wilkens inspirierend.
https://www.die-offene-gesellschaft.de/magazin/hat-die-offene-gesellschaft-eine-zukunft
(1) die Zahlen zur Verteilung der Gesellschaftschichten habe ich aus meinem Reiseführer PERU Westbolivien von Frank Herrmann im Stefan Loose Verlag. Es ist empfehlenswert, ihn auf einer Peru-Reise dabei zu haben.
