8.063117 N; 98.9181101 O
Die Natur ist einfach wunderschön in diesem Teil von Thailand.
Ich sitze auf der Dachterrasse des Smile Guesthouse und blicke den Krabi-Fluss hinauf. Laut knattern die Langboote zu ihren Anlegestellen hin. Gegenüber der Stadt breitet sich der grüne Mangrovenwald aus, angepasst an de;stetigen Wechsel von Ebbe und Flut. In der Ferne erheben sich die grün bewachsenen Kartsberge. Steil aufragende Klippen, von einem grünen Teppich überzogen. Nur vereinzelnd leuchten ein paar weiße Felsen aus ihm hervor. Links und rechts vom Fluss stehen die Hundeohren,zwei gegenüberliegende Felsen, die ein Wahrzeichen von Krabi sind.

Als kleinen weißen Punkt erkenne ich sitzenden Buddha auf einem der Spitzen. Er gehört zum Tiger Cave Temple, einem sehr bekannten Kloster nahe Krabi. In 1270 Stufen kann man die Treppen zu ihm erklimmen, was wir am folgenden Tag auch machen werden. Von oben hat man einen tollen Blick über das Land: auf der einen Seite die Kulturlandschaft mit vielen Feldern und Plantagen, auf der anderen Seite die Karstfelsen, die als grüne Säulen zwischen dem flachen Land stehen. In der Ferne im Dunst liegt das Meer, die Adamanensee.

Wie haben die Menschen diesen riesigen Buddha auf die kleine Gipfelplattform gehieft?

Der Anstieg über die Treppen ist wirklich steil, eine Seilbahn ist nicht zu erkennen. Mit dem Hubschrauber? Auf jeden Fall ist der Tiger Cave Temple ein magischer Ort.

Vorher gehen wir noch den Rundweg Wonderland. Über eine kurze Treppe konnte man in eine „Insel“, umgeben von Felswänden hinein steigen. Neben Wohnhöhlen der Mönche Buddhastatuen unter Felsvorsprüngen und in Höhlen eröffnet sich uns eine bezaubernde Tropenvegetation.

Der Reiseführer sagt uns, dass es sich um eines der letzten unberührten Regenwaldgebiete handeln soll. Der Rundweg führt uns an riesigen Bäumen mit gewaltigen Brettwurzeln vorbei, an faszinierenden Pilzen auf umgestürzten Baumstämmen und unfassbaren grünen Farbschattierungen.

Wie schade, dass ich kein Biologe bin und keine die vielen wunderbaren Pflanzen beim Namen kenne. Eingerahmt ist dieses Biotop von senkrechten Kalkwänden, in denen jede kleine Nische und Höhle bewachsen ist. Das Schreiten auf diesem Waldpfad ist schon eine besondere Meditation, eine Lektion in Demut vor der Natur.

Und trotzdem, auch wenn es schon tausendmal geschrieben wurde, der Blick von der Aussichtsplattform des Tigers Cave Temple bestätigt es auch dem ungeübten Auge: es ist nicht mehr viel übrig vom tropischen Regenwald. Er ist fast nur noch im „Zoo“ der Nationalparks zu bewundern. Aber haben wir Europäer das Recht, diese Entwicklung zu kritisieren, wo wir doch alle Urwälder in Europa fast vernichtet und in Kulturland umgewandelt haben? Kann man es den Thailändern vorwerfen, wenn sie ihre Wälder roden, um Ackerland zu gewinnen, um sich eine Lebensgrundlage zu verschaffen? Sicher nicht, aber die Vernichtung des Regenwaldes hat globale Konsequenzen und kann deshalb nicht mehr nur aus der lokalen oder nationalen Perspektive betrachtet werden. Der Regenwald ist ja nicht nur schön anzuschauen, sondern er beheimatet ja auch eine riesige genetische Vielfalt, die für die Gewinnung von Arzneien eine wichtige Rolle spielen kann.

Wir steigen auf unser Moped und fahren zum Huai To Wasserfall. Hier wird die Natur durch einen Nationalpark geschützt. Amerikanisches Modell: Schranke, Eintrittskarten kaufen, großer Parkplatz, parkähnlich angelegter Eingangsbereich. Auf breiten Wegen für die naturferne Kundschaft geht es zum Wasserfall. Viele Schilder, vor den Gefahren der Natur warnend, begleiten uns. Aber es geht hinein in den tropischen Urwald, einem Bachlauf entlang. Der erst noch so komfortable flipflopgeeignete Weg wird ein felsiger Klettersteig. Der Bach hat sich zu einem Wasserfall an der Steilkante des Berges verwandelt. Mehrere Becken laden zum Baden ein. Die Sonne steht schon flach und verwandelt das grüne Blättermeer in warme Töne. Die Ranger haben den Urwald rund um den mehrstufigen Wasserfall großzügig zurück geschnitten. Dadurch können wir noch auf den Felsen in der Sonne sitzen und uns von den Strahlen trocknen lassen. Normalerweise wäre der Wasserfall unter dem Blätterdach verschwunden und kaum begehbar gewesen.
Im Park können wir noch einen Riesenbaum bewundern.

Unfassbare Wurzeln bieten ihm Halt, mehr als 30m Umfang. Die Spitze des Urwaldriesen war nicht mehr zu erkennen. Im Kampf um das Licht im Urwald versuchen die Bäume immer höher hinaus zuwachsen. Um bei Stürmen standhaft zu bleiben, haben viele Arten Brettwurzeln ausgebildet. Da im tropischen Urwald die Nährstoffe nur in den oberen Schichten des Bodens vorhanden sind, sind die Bäume Flachwurzler. Durch die Brettwurzeln können das flache Wurzeln und eine große Standfestigkeit kombiniert werden.

Was habe ich in diesen Tagen gelernt? Südthailand hat hat mit seinen restlichen Tropischen Urwäldern und den weißen Kalkfelsen eine tolle Natur. Trotzdem ist diese Natur auf wenige Stellen zusammengeschrumpft. Das Wandeln in diesen Wäldern ist wie eine Gehmeditation. Der Hauptvernichter der Wälder ist der ausuferende Palmölanbau, deren Hauptabnehmer wir im Westen sind. Wir haben also auch einen
Einfluss auf die weitere Entwicklung.
Als nächstes werden wir uns die tollen Strände und Küsten rund um Krabi anschausen.
