Kuelap

64.170243 S; 77.9238872 W

Der junge Herr scheint sich wirklich als Herr zu fühlen. Mit seiner verkehrt herum sitzenden Cap und der dunklen Sonnenbrille kommt er bestimmt ganz cool rüber. Das Klemmbrett in der Hand und seine Trillerpfeife machen ihn aber zum unangefochtenen Herrscher über den Platz. Herrisch wird jeder Besucher angepfiffen, der es wagt, sich in Ermangelung anderer Sitzgelegenheiten auf eine Betonmauer zu setzen. So bald sich ein neuer Minibus nähert, wird wieder die Trillerpfeife in Gang gesetzt und jeder unbedacht herumstehender aus dem Weg gepfiffen, damit der Bus ungehindert auf den Parkplatz fahren kann. Als der junge Herr jedoch den Fahrstuhl öffnen soll (den einzigen, den ich in Peru gesehen habe), scheint er die Gebrauchsanleitung wohl nicht richtig gelesen zu haben, er ruft zwei Mitoffizielle zur Hilfe, die ratlos verschiedene Knöpfe drückend, den Kasten jedoch nicht in Bewegung bringen. Die betroffene Dame entscheidet sich dann lieber, sich doch die Treppe hochzuziehen. Seit eineinhalb Stunden warte ich vor der Seilbahn in Kuelap, genauer in Nuevo Tingo. Die Seilbahn ist die einzige in Peru und noch ganz neu. Ich habe viel Zeit, die Szenerie zu beobachten. Mir entschließt es sich nicht, warum man um halb acht Tickets kaufen muss, wenn doch die erste Seilbahn erst um zehn fährt. Und dazu bin ich um fünf aufgestanden, um die siebzig Kilometer von Chachapoyas nach Nuevo Tingo zu fahren. Aber auf der Rückfahrt erklärt es mir eine Chilenin: „eso es Sudamerica“. So einfach ist das. Und ich mache mir Gedanken, warum die französische Herstellerfirma der Seilbahn nicht gleich auch einen Organisationsplan mitgeliefert hat, wie man große Menschenmengen effizient in die Seilbahnkabinen bugsiert. Das wäre ja. Auch nicht Peru! Das kaufen der Seilbahntickets gleicht dem Abschluss eines Ratensparvertrages: Vollständiger Name, Reisepass, Passnummer, Alter, Beruf, Herkunftsort: alles muss in den Computer eingetragen werden. Und dann bekommt man die Abfahrtszeit genannt: In zwei Stunden! Es sind vielleicht 150 Leute zu transportieren. Für die meisten Peruaner ist es wohl das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Seilbahn fahren. Entsprechend genau und mehrmals wiederholt sind die Verhaltensanweisungen des Personals. Auf mich als geübter Seilbahnfahrer wirkt das alles ein wenig wie im Kindergarten, aber ich sollte vielleicht nicht so überheblich sein. Ich will ja auch eigentlich von der Festung Kuelap erzählen, die auf 3000m Höhe auf einem Felsrücken liegt. Sie war die Verteidigungsanlage des Volkes der Chachapoyas, die hier zwischen dem 4. und 15. Jahrhundert lebten. Nach Einschätzung der Archäologen soll sie ähnlich bedeutsam sein wie Machu Picchu. Während die Inkastätte bei Cuzco gut erforscht scheint, fließen die Forschungsgelder nach Kuelap nur spärlich, wodurch viele Hintergründe zu dieser historischen Stätte noch unergründet sind. Dabei ist Kuelap älter und größer als Machu Picchu. Kuelap auf wikipediaNeben den imposanten Resten der Anlage beeindruckte mich besonders der fast 360 Grad Rundblick in die Anden. Von der Festung aus konnte ich weit in die Berge hineinschauen. Es ist faszinierend, wie hoch hier noch Landwirtschaft betrieben wird, und wie steil die zu bewirtschaftenden Flächen sind. Durch die vielen Niederschläge sind die Böden aber wohl auch ziemlich fruchtbar. Viele Dörfer liegen auf 3000m Höhe. Als Geograf muss ich dann doch an dieser Stelle auf dei von Alexander v. Humboldt zurückgehende Einteilung der Höhenstufen der Anden hinweisen. bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Anitagraser

In einem Gebäude in Lima habe ich diese schöne Zeichnung fotografiert. Und zum Schluss noch eine Frage, die ich mir im nach hinein stelle: