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Die Stadt der Spraydosen. Die Wände scheinen durch Farbe zusammen gehalten zu werden. Es gibt kaum ein freie Fläche, die nicht mit Tags, Grafities oder Murales bedeckt ist. Alles ist bunt und in leuchtende Farben getaucht. Das Farbige täuscht dann über das bruchige und kaputte hinweg. Die Freude am Farbigen scheint von den Künstlern auf die Bewohner übergesprungen zu sein, alle malen ihre Häuser in grellen oder pastelligen Farben an. Damit die Tagger nicht gleich den neuen Anstrich mit ihren Zeichen überziehen, wird die Wand gleich einem Künstler zur Verfügung gestellt, seinen Entwurf in die Öffentlichkeit zu bringen. Wer kann, bezahlt zumindest die Farbe. Wer ein Geschäft hat, kann meist eine Auftragsarbeit vergeben.
Dadurch ist die Stadt einfach bunt und gleicht einer öffentlichen Galerie. Valparaiso ist neben Sao Paulo und Bogotá die Streetart-Hauptstadt Südamerikas.

Wir treffen am plaza Anibal Pinto unseren guia für die streetart-Tour. Wir erfahren, dass Ende der sechziger Jahre Pablo Neruda, der chilenische Literatur-Nationalheld den mexikanischen Wandmaler Diego Riviera nach Valparaiso einlud, um eine von einem Tsunami zerstörte und wieder aufgebaute Schule zu gestalten. In Mexiko hatten die murales, die politischen Wandbilder, seit der Revolution in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Tradition. Es wurde der Startschuss für die Streetart in Valpariso. Allerdings wurde die Entwicklung durch die Militärdiktatur zwischen 1973 und 1990 unterbrochen. Die streetart-Künstler waren aber beteiligt an der Bewegung zur Wiedereinführung der Demokratie Anfang der 90er Jahre. Aber richtig in Schwung kam die Bewegung erst wieder in den ersten 2000er Jahren. Auch viele europäische streetart-Künstler kamen nach Valparaiso, um hier zu arbeiten.

Streetart scheint heute zum Tourismusfaktor geworden zu sein. Offiziell ist Streetart immer noch Sachbeschädigung, aber sie wird durch die Behörden toleriert. Sie ist ja auch zum zum Wirtschaftsfaktor geworden. Einige Künstler arbeiten auch mit den Jugendlichen von der Straße, um sie von Drogen und Gewalt wegzubringen.
Der Plaza del Descanso wurde mit der benachbarten Grundschule gemeinsam gestaltet. Die Geschichte besagt, dass die Sargträger auf dem steilen Weg von der plan, dem schmalen flachen Küstenstreifen, auf den Hügel, wo der Friedhof liegt, hier auf halber Höhe eine Pause einlegen mussten (descansar – ausruhen).
