Koh Payam

Woher kommen eigentlich die Cashewnüsse? Einige kommen zumindestens aus Ko Payam. Weit ausladend breiten die Cashewbäume ihre Äste zu allen Seiten hin aus. Erst bei näheren Hinsehen erkennt man die Früchte: sie sehen aus wir kleine rote Paprika, an deren Spitze eine kleine Nuss herausschaut. Wir fragen uns, ob man die „Paprika“ auch essen kann.

Ich lese auf Wikipedia nach:

Der Cashewapfel wird zu Kaschu-Saft und Marmelade (Konfitüre) verarbeitet. In Brasilien wird aus den Cashewäpfeln ein Getränk namens Cajuína hergestellt, dem eine medizinische und rituelle Wirkung zugesprochen wird. Im indischen Goa brennt man aus dem Saft auch Schnaps, den sogenannten Cashew-Feni.“

Der Cashew-Apfel muss sofort verarbeitet werden, weil er nicht lange haltbar ist. Er kann also nicht international gehandelt werden. Die Cashewbäume wurden zuerst vom Portugiesen in Nord Brasilien entdeckt. Die Portugiesen waren es auch, die die Cashew-Bäume nach Afrika und nach Indien exportiert haben. Heute werden die meisten Cashew in Afrika angebaut. Bezogen auf die Staaten ist allerdings Vietnam der größte Produzent. Das produziert fast ein Viertel der Welt Produktion. In Afrika hat man besonders in Benin versucht den Cashew-Anbau auszuweiten, um den Bauern eine größere Einkommensgrundlage zu verschaffen.

Die Nüsse werden hier in Koh Payam einfach auf Plastikplanen in der Sonne getrocknet, manchmal geröstet, dann geschält und in Plastiktüten verpackt. Wenn man sie hier auf der Insel kauft, sind sie genau wo teuer wie in Deutschland.

Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen, gemeinfrei

Die ganze Insel ist von vielen Cashew-Bäumen bestanden. Es wirkt aber eher wie ein großer Garten als wie eine Plantage.

Die kleine Insel Koh Payam an der Adamanenküste vor Ranong wirkt wie ein kleines Paradies. Keine Autos, tolle Strände, keine Hochhäuser oder Touristenanlagen, dafür kleine Hostels oder Hütte am Strand. Wir hatten sogar nur ein Hauszelt, dass auf einer Stelzenplattform unter einem Palmendach aufgestellt war. Dazu ist die Insel klein, nur 3 x 7 km misst sie. Viele Wege geht man einfach zu Fuß, für etwas weitere mietet man sich ein Moped. Hier geht das Leben deutlich langsamer. Nirgends waren die Strände voll, obwohl Hochsaison war.

Bei friends Bungalows, wo wir uns untergebracht haben, machten Birmesen die Küche und den Service. Sonja, Besitzerin von friends Bungalows, berichtete, dass sie keine thailändischen Angestellten finden würden, weil die Insel zu weit von der Zivilisation weg sei. Die Küste von Myamar ist auch in Sichtweite. Die Inseln, die wir vom Long Beach auf der Westseite von Ko Payam sehen können, gehören alle schon zu Myamar.

Der Aufenthalt auf Koh Payam fühlt sich eigendeutig nach Urlaub an, weniger nach Reisen (wo liegt eigentlich der Unterschied?). Trotzdem habe ich beim Wandern auf der Insel noch was gelernt: auf der Insel stehen in Reih und Glied Kautschukbäume herum. Diese Anpflanzungen wirken eher wie Plantagen. Erkennen kann man die Kautschukbäume an der kleinen schwarzen Schüssel, die unten am Stamm angebracht ist. Aber was hat es eigentlich mit dem Kautschuk auf sich? Ich dachte, die heutige Gummi Erzeugung basiert mittlerweile ganz auf synthetische Verfahren. Nur an Latexmatratzen oder Latex-Kondome konnte ich mich erinnern. Also mal wieder was lernen.

Kautschukbäume stammen auch aus Brasilien. Der aus den Bäumen gewonnene Saft nennt man Latex oder Gummi elasticum. Die Rinde der Bäume wird eingeritzt, wodurch der Saft herausläuft, der dann mit den kleinen schwarzen Schälchen aufgefangen wird.

1839 erfand Charles Goodyear das Verfahren der Vulkanisation, womit man das plastische, also verformbare Kautschuk in eine elastische Form verwandelnd konnte. Elastisch heißt verformbar, aber auch wieder in den Ausgangszustand zurückgehend. Das war natürlich für die aufkommende Reifenindustrie besonders wichtig und führte zu einer enormen Nachfrage nach Kautschuk. In Amazonien entstand zwischen 1840 und 1910 ein großer Kautschukboom, der besonders die brasilianische Stadt Manaus reich machte. Es war bei Todestrafe verboten, Kautschukbäume aus Brasilien auszuführen, um den Boom mit hohen Preisen zu sichern.

Trotzdem ist es Engländern 1876 gelungen, 70.000 Kautschuksamen aus Brasilien herauszuschmuggeln. Diese wurden in Ceylon angepflanzt, der Beginn des Niedergangs des brasilianischen Kautschukmonopols. Von ceylon aus wurden Kautschukbäume in ganz Südostasien angebaut. In südamerika kann der Kautschuk nicht in Plantagen angebaut werden, weil ein Pilz die Anpflanzungen zerstört. Dieser Pilz wirkt in Asien nicht negativ auf die Kautschukplantagen. So wird in Amazonien Kautschuk nur noch von Wildsammlern eingesammelt, was auch sehr nachhaltig ist und den Ureinwohnern eine Einnahmemöglichkeit bietet.

Wir wandeln durch die kleinen Kautschukplantagen auf Koh Payam und schauen uns die Einritzungen an der Rinde der Bäume. Hier ist es kaum vorstellbar, dass Thailand der weltweit größte Kautschukproduzent (2005, wikipedia) ist. Ich lese, dass 89% des Naturkautschuks in die Autoreifenproduktion geht. Aus diesen kleinen Töpfchen, die hier an den Bäumen hängen, werden die Millionen Autoreifen weltweit hergestellt? Unvorstellbar.

Aber wieder was gelernt.

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