Wandern zwischen 3400 und 4200m Höhe an den Füßen von mehreren Vulkanen. Diese Wanderung war eines unserer Ziele auf der Kolumbienreise.
Der Wecker klingelt um 3.50 in Peireira. Unsere Sache sind neu gepackt, der Wanderrucksack mit Schlafsack und warmer Wanderkleidung, der Rest alles in die Reisetasche. Um 4.30 holt uns Carlos und sein Fahrer am Hotel ab. Bei strömenden Regen fahren wir durch die Nacht in Richtung Berge. Erst hört der Asphalt auf, dann wird der Weg immer steiler, aus der unbefestigten Straße wird ein steiniger Weg. Unbeleuchtete Maultiere mit Milchkannen kommen uns entgegen. Bis über 4000m Höhe dominiert die Viehwirtschaft? Große Weideflächen mit vereinzelten Rindern, nur wenig Wald ist erhalten.

Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir Potosí, eine Berghütte am Rande des Nationalparks. Wir bekommen noch ein Frühstück, und jede Menge Zusatzgewicht. Ich war so stolz, knapp gepackt zu haben. Jede Menge Süßzeug und Knabberkram, Äpfel aus den USA, sowie Gummistiefel und ein dicker Regenponcho.

Mit der üblichen Registrierung mit Reisepassnummer am Parkeingang wandern wir gemächlich nach oben. Wir starten auf 3900m Höhe, was die Schritte langsamer werden lässt. Nach einer Stunde erreichen wir einen Mirador mit Aussicht auf mehrere Wasserfälle und den Lago de Otun. Dann erreichen wir die berühmte Paramo-Landschaft, mit spezialisierten Palmen, die nur hier im Hochmoor wachsen. Jetzt wechseln wir auch unsere Wanderschuhe gegen die Gummisitefel. Wir werden sie die nächsten Tage nicht mehr ausziehen.

Nach dem Mittag-Lunch mit Reis und Eiern wandern wir durch den Paramo und den Nebelschwaden, was eine geheimnisvolle Atmosphäre hervorruft. Der Name der stehenden Korbblüter, Freilejones, geht auf die spanischen Entdecker zurück, die in ihnen im Nebel einen „Kapuziner-Mönch“ sahen, einen „Fraile capuchino“.

Die Wolken werden immer dichter, und dann fängt es an zu regnen: Regenjacke an und die Regenhose raus aus dem Rucksack. Wir laufen unserem Guide Carlos hinterher, der Weg zieht sich immer länger. Es geht aber abwärts – im Bewusstsein, dass es am Ende noch wieder bergauf geht. So kommen wir an unseren tiefsten Punkt und müssen einen reißenden Fluss auf ein paar schmalen Planken überqueren.

15km haben wir schon auf der Uhr, und jetzt kommt erst das dicke Ende. Noch 3km und noch 300m Aufstieg. Eigentlich sind wir schon mit den Kräften am Ende. Nach ein paar Kuh- und Pferdeweiden geht es in einer schmalen Rinne steil bergauf. Wir sind nur noch „dos caracoles“, zwei Schnecken auf dem Weg nach oben. Wir kommen nur noch langsam voran, jeder Schritt schmerzt und eigentlich müssten wir aufgeben. Aber das ist keine Option, denn weit und breit ist nichts. Also weiter langsamen Schrittes nach oben, wir feuern und gegenseitig an: „Wir schaffen das“.
Es dämmert, und das ist in diesen Breiten ein kurzes Vergnügen. Gerade rechtzeitig zum Abendrot treten wir aus der Rinne heraus und haben noch einen herrlichen Blick über das Cauca-Tal in Richtung Ost-Kollidiere und das Tatamà. Aber die Passhöhe ist noch immer nicht erreicht. Jetzt geht es im letzten Abendlicht wieder von Grasssode zu Grasbüschel im schlammigen Hochmoor Carlos gibt die Stirnlampen aus, nachdem wir die Passhöhe erreicht haben. Wir erblicken die „Finca Berlin“, unser Ziel. Aber es ist noch ein glitschiger Abstieg in der Dunkelheit. Wir sind mit den Kräften am Ende.

Völlig erschöpft torkeln wir in die Finca, begrüßt von laut bellenden Schäferhunden. Wir können kaum noch sprechen, schaffen es gerade noch, die Gummistiefel und die Regenklamotten auszuziehen. Nach dem Essen fallen wir gleich ins Bett. Die Unterkunft ist sehr einfach, aber dqs ist uns zu diesem Zeitpunkt egal: Wir sind einfach zu kaputt. Ob wir uns bis morgen regenerieren können? Hoffentlich können wir schlafen auf 3811m Höhe.
