Salamina
Nach fast 8 Stunden Busfahrt von Medellin (150km) sind wir in Salamina angekommen. Der Bus war alt, eng und voll. Doch nachdem wir die Stadtgrenze nach ca. einer Stunde erreicht haben, wird die Fahrt landschaftlich spannend und immer schöner: wir befinden uns in den Andenbergen der westlichen Cordillera Central.

An Salamina müssen wir uns erstmal wieder gewöhnen. Unsere Unterkunft Hotel Colonial liegt am Parque Bolivar, Hauptplatz des Ortes mit 30.000 Einwohnern. Unser Zimmer ist groß, wir haben die Suite. Das Haus ist aus der Kolonialzeit und schon etwas in die Jahre gekommen. Die Belegschaft ist nett, beim Frühstück gibt es eine fleischlose Variante. Abends bei der Suche nach einem Restaurant merken wir schnell, dass hier der Fleischkonsum überwiegt. Aber es gibt, wie schon am Pazifik, großartigen Fisch, besser als je zuvor gegessenen! Leider ist die Umgebung des Hotels sehr laut : hier am Hauptplatz ist Treffpunkt für jung und alt, besonders am Abend zum Feiern in den Bars. Und feiern heißt hier, dass die Musikvideos der kolumbianischen Musiker lauthals mit gegrölt werden. Es klingt furchtbar und ist echt laut, wenn man schlafen will.

Tagsüber versuchen wir Wanderwege zu finden, leider erweisen sich die Angaben in der Alpenvereinskarte nur als Gerüchte. Wir laufen stattdessen kleine, sehr steile Straßen, versuchen uns aber auch im Gelände und landen auf matschigen Rinderwiesen.

Am letzten Tag machen wir einen Ausflug ins Valle Samaria zu einem der wenigen Wachspalmenstandorten in Kolumbien. Diese bis zu 60m hohen Palmen gibt es nur in Kolumbien, und auch hier nur an wenigen Stellen. Sie sind sehr beeindruckend und hier in der Nähe von San Felix gibt es ein Aufforstungsprogramm für die aussterbende Palmenart. Um in das Tal zu kommen, fahren wir mit einem Willy (Jeep), vor Ort essen wir lecker vegetarisch und auf der Rückfahrt regnet es heftig. Ein sehr gelungener Ausflug!

Am nächsten Tag geht es in der Frühe mit dem Bus über Manizales nach Marsella.
Marsella
Nach insgesamt fünf Stunden Busfahrt, mit einer langen Pause am Busterminal in Manizales, kommen wir in Marsella an. Die Landschaften waren großartig, die Straße gesäumt von Bananen, Kaffeepflanzen, Regenwald und steilen Hängen sowie einzelnen Hütten, Ställen, Fincas und kleinen Ortschaften. Je südlicher und tiefer wir kommen, desto breiter sind die Seitentäler und die Kaffeeanbauflächen mehren sich.

Mit Marsella erwartet uns ein kleiner Ort, der noch nicht auf Tourismus ausgerichtet ist. Wenn Touristen kommen, dann als Tagesausflug aus Pereira. Am Nachmittag schlendern wir über und um den Hauptplatz, haben ein Cerveza, suchen ein Restaurant und scheitern. Keine Flexibilität beim Speisenangebot, alle Gerichte nur mit Fleisch. Wir kaufen uns letztendlich Arepas, Tomaten, Schmierkäse und ein paar Nüsse. Zwei Cervezas runden das Mahl ab, welches wir im Hotel zubereiten können. Hotel Carmen ist eins der wenigen Unterkünfte im Ort, die Buchung klappt über die Google Maps Angaben.
Am nächsten Tag erkunden wir im Ort den Botanischen Garten namens Alexander von Humboldt. Er ist schön angelegt und wir sind allein unterwegs. Vögel sehen wir leider nur wenige, dafür eine Art Murmeltier, jedoch viel größer als in den Alpen und weniger scheu.

Nach einer kleinen Mittagspause bei Regen, ziehen wir bei Sonnenschein noch mal los und erklimmen einen Aussichtspark am Rande der Ortschaft. Der Park ist schön angelegt und die Aussicht auf Marsella toll. Auch der skurrile Friedhof, den wir am Vormittag noch besichtigt haben, ist zu sehen. Die Mauern des Friedhofes erinnern an die Mauern einer Schloss-Einfriedung.

Nach der Wanderung finden wir noch ein Restaurant, was uns kurz vor vier Uhr noch ein Mittagsmenü serviert und auf unseren Wunsch nach einer fleischlosen Variante eingeht. Es war lecker und hat zusammen 10€ (40.000 COP) gekostet.

Noch ein Kaffee am Zentralplatz, dem Parque Bolivar, ein Cerveza zum Abschluss, und dann ins Hotel zum Packen. Wir wollen morgen um 7:00 Uhr den Bus nach Santuario nehmen, müssen dafür aber erst nach Pereira. Von Santuario geht es noch weiter nach San Rafael, eine Parkverwaltung mit Unterkunft am Rande des Nationalpark Tatamá, wo wir etwas länger bleiben wollen. Es soll dort geführte Wanderungen in den Nebelwald geben.
Santuario
Santuario, ein kleiner Ort an der östlichen Flanke der Cordillera Occidental, nördlich von Pereira. Hier buchen wir uns in eins der beiden Hotels ein und als wäre der Partykrach am Hauptplatz von Salamina nicht gewesen, entscheiden wir uns für das schöne Hotel Santuario Plaza. Der Name verrät es bereits, es liegt am Dorfplatz. Und wieder hält sich unser Irrglaube, dass am Sonntag sicher früh abends Ruhe einkehren wird. Nein, natürlich nicht. Am Nachmittag ein buntes Treiben mit Ehrung des Kolumbianischen Rennradfahrers William Colorado, der sich den Straßentitel der U 20 in Kolumbien gesichert hat, und in Santuario geboren wurde. Ein regionaler Nationalheld.

Außerdem gibt es einen Nachmittagsgottesdienst und eine Beerdigung. Die finden wohl gerne, oder generell (?) am Sonntag statt, das haben wir in Salamina schon erlebt. Wir wandern noch etwas aus dem sehr kleinen Ort heraus, der Weg/die Straße geht extrem steil abwärts. Auf 1,5km gilt es auf dem Rückweg wieder 200 hm heraufzusteigen. Nach einer Dusche gehts zum Essen, danach noch ein bisschen Bar-Hopping am Platz und dann mit dem Glauben, eine ruhige Nacht zu haben, ins Bett.

Kaum liegen wir, geht es mit der kolumbianischen Karaoke los: je später der Abend, desto lauter die Gesänge. Die Oropax werden tiefer in die Ohren gestopft und irgendwann nach Mitternacht ist der Spuk vorbei. Zum Glück bleibt der Verkehrslärm hier aus, der uns in Salamina fast noch mehr den Schlaf geraubt hat. Die Nacht ist für mich um 6:30 Uhr vorbei. Aus der Kirche vis a vie erschallt aus dem Lautsprecher ein Ave Maria, das im gesamten Dorf zu hören ist. Völlig schräg! Anstatt weiter zu schlafen, plane ich am iPad unseren Aufenthalt im südlichen Teil Kolumbiens – muss ja auch mal sein.

Gegen Mittag starten wir eine Wanderung ins angrenzende Tal, auf dem Rückweg entlang der Straße lassen wir uns vom Bus mitnehmen. Der Mittagsregen setzt ein, kurz und kräftig. Abends wird gepackt, morgen geht es nach Pereira als Ausgang unserer Los Nevados Tour.

Fazit: Santuario ist der dritte Ort in der Zona Caféteria und auch hier sind wir so ziemlich die einzigen europäischen Touristen. Es ist alles 100% authentisch hier, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, und an den permanenten Geräuschpegel gewöhnen wir uns langsam. Als Ausgleich leisten wir uns immer mal wieder geführte Touren in die Natur.
