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Provinz Nan, Nord-Thailand
Orange ist die Farbe dieses Abends. Orange leuchtet die tief stehende Sonne im Westen. Ihre Strahlen werden durch den Dunst gefiltert. Ihr Licht taucht den tropischen Regenwald in eine warme Farbe, wo dass eine magische Atmosphäre entsteht. Nicht mehr die gnadenlose Sonne des Tages brennt auf das Blätterdach, dem man dankbar ist, dass es großzügig Schatten spendet.

Orange ist aber auch die Farbe des Feuers, das auf der gegenüberliegenden Talseite brennt. Zuerst hören wir das knacken der berstenden Stämme und riechen den Rauch, bis wir den Motorroller an einer geeigneten Stelle am Straßenrand anhalten können und frei Sicht über das Tal bekommen. Orange ziehen sich die Flammen den Berghang hinauf, finden reichlich Nahrung im ausgetrockneten Pflanzenreich. Wir stehen zwischen vertrockneten Maispflanzen, deren Felder sich die Berghänge hochziehen.

Brandrodung und Feuer-Landwirtschaft, mitten im Nationalpark! Auf der Einfahrt in die Berge fahren wir schon an kahlen Berghängen vorbei, an denen der tropische Regenwald, der hier eigentlich wachsen sollte, verschwunden war. Als wir den Nationalpark dann erreichen, sind die Berge dann mit dem erwarteten grünen Pflanzentuch bedeckt, bis hinauf in die höchsten Berggipfel stehen die hohen hell-stämmigen alleinstehenden Bäume inmitten des geschlossenen Blätterdaches des dritten Stockwerkes des Regenwaldes.

Am Abend fahren wir zu dem angekündigten „sunset-point“ auf der Straße Richtung Bo Kluea. Die Sonne ist aber schon eine Stunde vor der offiziellen Sunset-Zeit im Qualm des Feuers verschwunden. Eine eigenartige Stimmung macht sich breit, obwohl das Feuer weit weg ist auf der anderen Talseite. Weckt der Anblick eine archaische Angst des Menschen vor dem Feuer?

Wieso ist das Abbrennen der Felder mitten im Nationalpark erlaubt? Wieso sind schon so viele Flächen des Regenwalds in die Landwirtschaft gegangen? Viele Berge hier im Norden Thailands sind kahl, entwaldet, abgeholzt, abgebrannt. Sie sind noch nicht einmal landwirtschaftlich genutzt, nur einige Felder an den steilen Hängen sind bebaut. An den Straßen hängen Schilder, die vor den Gefahren des Abbrennens warnen, aber wirkliche Konsequenzen scheint es nicht zu haben. Überall sieht man verbrannte Erde. Der holländische Besitzer von Nan-Guesthouse erklärt uns, dass eine unheilige Allianz aus Monsanto, die eine Ausweitung der Anbauflächen fordert, der Verquickung der Regierung mit dem internationalen Saatguthersteller (jetzt in Besitz der deutschen Bayer-AG), der korrupten Polizei und traditionellen Anbaumethoden ein Ende des Abbrennens verhindert.
https://www.dw.com/de/thailand-erstickt-im-rauch/a-15779897

Als wir den vier Kilometer langen Wanderweg durch den Doi Phu Kha-Nationalpark gehen, bekommen wir davon nichts mit. Nach einer einsamen Nacht in einer Bambushütte im Visitor-Center des Nationalparks

tauchen wir in die Artenvielfalt des Regenwaldes ein. Der Wald hier in 1300m Höhe ist ganz anders als der Regenwald in Südthailand bei Krabi. Die Bäume sind nicht ganz so hoch und es gibt richtige Bananenfelder im Wald. Die Bananenplanze kann in ihrem Stamm 10-15 Liter Wasser speichern, und trägt somit zur Wasserversorgung des Waldes in der Trockenzeit bei. Dafür fehlen hier die großen Bäume mit den Brettwurzeln.

Hauptattraktion im Park ist die der phukha-Baum, oder Brettschneidera-Baum (thailändisch Chompoo Phu Kha). Nur wenige Exemplare gibt es hier im Park oder in Nord-Thailand. Der Baum ist sonst nur noch in Süd-China, Nord-Vietnam und Laos verbreitet. Auf der Wanderung treffen wir auch nur auf zwei unscheinbare Exemplare, für die extra eine bergiger Pfad in den Wald geschlagen wurde. Die rosa Blüten blühen im Februar, und wir haben Glück, im Februar hier zu sein. Der Baum ist doch eher unscheinbar, und ich muss mir das Gefühl einreden, etwas ganz seltenes zu sehen.
https://en.m.wikipedia.org/wiki/Bretschneidera
Nach dem ersten Tag auf den thailändischen Mopeds fahren wir am zweiten Tag souverän auf der Bergstraße in Richtung Pass zwischen Ost und West. Auf 1770m Höhe erreichen wir eine Aussichtsplattform mit Parkplatz und Essensverkauf. Der Blick geht über schöne bewaldete Hänge, nur die Fernsicht läßt die Mischung aus Dunst und Qualm kaum zu.
Die Straße führt in endlosen Kurven und Serpentinen nach unten, die Hitze umfängt uns wieder, jede Kurve bringt einen neuen Hitzeschwall. In Bo Kulea gibt es eine sehr einfache Suppe, der Wunsch, „kein Fleisch“ wurde vermutlich nicht verstanden. Der Ort beherbergt eine der wenigen Salzsiedereien in Thailand. In einer kleinen Touristenzone werden Salzbeutelchen und andere Dinge, die man aus Salz herstellen kann, verkauft. Wir können in den Schacht hineinschauen, aus dem die Lake herausgeholt wird.

Nach einem Kaffee und Kuchen (natürlich in Plastikfolie) setzen wir uns wieder auf die Mopeds und fahren nach Süden Richtung . Es folgt eines der schönsten Strecken, die wir je gefahren sind. Zuerst geht es durch das Flusstal an Reisfeldern und Feldern vorbei. an einer Kreuzung geht es hinauf in die Berge, die Straße wird ordentlich steil. Ab drei Uhr nachmittags wird das Licht weicher, weil die Sonne schnell tiefer steht. Einmal an Höhe gewonnen, führt die Straße von Höhenzug zu Höhenzug, immer mit großem Blick über die Landschaft. Waldgebiete und Felder wechseln sich ab. Es ist ein ständiges Auf und Ab, nur selten kommen wir an einem Dorf vorbei. Das warme Licht macht die Landschaft ganz weich.

Plötzlich taucht eine weiße Pagode im grünen Blättermeer auf. Ein Tempel steht mitten in der Landschaft, der Buddha sitzt frei zwischen den Säulen. Dann wird die Landschaft gelber, weil die landwirtschaftliche Nutzung zunimmt und der Wald verschwindet. Die Sonne steht mittlerweile tief, die Felder sind abgeerntet und liegen im gelben Licht träge in der Landschaft.

Unser Ziel ist ein kleiner orangener Punkt auf dem Smartphone. Der Punkt zeigt ein Doppelbett, ansonsten nur thailändische Buchstaben, für uns nicht zu entziffern. Der Punkt zeigt einen Ort an der Straße auf Google-Maps, an dem hoffentlich eine Unterkunft steht. Aus Bo Kulea haben wir die angegebene Telefonnummer über whatsapp angeschrieben, und Antwort bekommen. Die Unterkunft finden wir nur über die Entfernungsanzeige über Google-Maps. Als das „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ ertönt, stehen wir vor einem Feldweg mit einem Schild in thailändischer Sprache. Keine Unterkunft zu sehen. Wir fahren durch eine Kautschuk-Plantage (nach Ko Phayam kann ich die Bäume erkennen) und treffen auf ganz neue, winzige Bambushüttchen. Eine junge Dame scheint uns zu erwarten.

Leider spricht sie kein wort Englisch. Dafür entschädigt die Aussicht, die Bambushüttchen stehen an einem Hang mit Blick über die abgeernteten Felder und die Berge im Hintergrund. Aber außer Aussicht haben die Hütten nichts, die Frage nach Bett oder Matratze bleibt unverstanden. Also wieder unseren unbekannten Kontakt über whatsapp anschreiben, mit Bitte um Klärung. Es scheint sich jetzt eine Dreiecks-Kommunikation zu entwickeln, die junge Dame telefoniert aufgeregt. Unser whatsapp-Kontakt scheint ihre Schwester zu sein.

Ein Moped kommt an, eine weitere Schwester und Mama, mit genauso wenig Englisch dabei, dafür mit um so mehr Lachen. Jetzt erstmal die Selfies mit Mama machen. die Matrazenfrage haben wir immer noch nicht geklärt. Aber jetzt kommt Google Übersetzer ins Spiel, so geht jetzt die Kommunikation besser. Unsere Gastgeber laden sich jetzt schnell mal die App runter. Jetzt wissen wir auch, dass wir Matratze, Essen und ein Bier bekommen.

Um die Verständigung etwas zu verbessern, wird der junge Englischlehrer Totty aus der Truppe aktiviert, der sich mit uns unterhalten soll. Das klappt auch ganz gut, jedoch sind wir verwundert, wie weit die geringen Englischkentntnisse des jungen Mannes für ein Lehrerexamen reichen können. Aber wir erfahren, dass vier junge Leute die Bambushütten zu einer Lodge aufbauen wollen, ein ambitioniertes Projekt an einer Straße, an der alle Viertelstunde ein Auto vorbeikommt. Es war ein toller Abend an einem ungewöhnlichen Ort mit viel Lachen. Wir bekamen tolles thailändisches Essen. Um Neun lagen wir in unserer Hütte im „Bett“.








































