Huaraz

9,5305 S, 77,5238 W

Cordelliera Blanca, die mittlere Andenkette ist das höchstgelegene tropische Hochgebirge der Welt. Mehrere hundert 6000er stehen hier herum. Ein Paradies für Bergsportler. Morgen werde ich auf den viertägigen Santa-Cruz-Trail aufbrechen, eines der schönsten Trails weltweit, sagt man. Ich werden berichten.

Ich suche ja immer gerne nach Zusammenhängen und Bezügen von dem, was ich sehe. Und in Huaraz sind die schmelzenden Gletscher auch ein riesiges Problem.

Am frühen Morgen des 13. Dezember 1941 stürzte ein riesiger Eisturm in den 23 km nordöstlich der Stadt auf 4566 m gelegenen Palcacocha-See und führte zum Bruch des Moränenwalls, der den See talwärts begrenzte. Die Flutwelle durchbrach auch den talabwärts liegenden Jiracocha-See, stürzte das Cohup-Tal hinab und riss Erde, Pflanzen und Felsen mit sich. Innerhalb von 15 Minuten erreichte die Schlammlawine die Stadt Huaraz, wo gegen 6:45 Uhr rund 400.000 m³ Schuttmaterial weite Teile der Stadt zerstörte und 5.000 bis 7.000 Menschen tötete.

(Quelle: wikipedia.de)

Das kann sich jederzeit wieder ereignen, weil durch die Gletscherschmelze die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass Eisbrocken abbrechen und sich die Katastrophe von 1941 wiederholt. Durch den Klimawandel scheint es sogar deutlich gefährlicher. Germanwatch hat einen Bergführer und Kleinbauern, Saul Luciano dabei unterstützt, nach dem Verursacherprinzip den deutschen Energiekonzern RWE zu verklagen, damit dieser sich, entsprechend seinem Anteil an der CO2 Emission, an den Kosten für die Verbauungsmaßnahmen zum Schutz vor einem weiteren Bergsturz beteiligt. Die Klage vor dem Landgericht Essen wurde in erster Instanz abgewiesen, aber man ist in Revision gegangen, da ja eine Grundsatzentscheidung herbeigeführt werden soll, ob Energiekonzerne auch Folgekosten für ihr unternehmerisches Handeln tragen müssen.

Hier die ganze Geschichte:

Klage von Saul Luciano

An diese Geschichte zeigt sich, wie die Dinge in unserer globalisierten Welt zusammenhängen. Bergstürze werden durch den Klimawandel mehr werden. Und dann lese ich heute in Tagesschau.de, dass die deutsche Bundesregierung eine duropaweite Ausweitung der CO2-Reduzierung auf mehr als 30% verhindern will. Wenn ich wie heute auf dem plaza de armas in Hiaraz stehe und zu den Bergen hinauf schaue, denke ich, wann wohl die Lawine kommt. Und es macht mich wütend, dass die Deutschen zum Bremser in der Klimapolitik geworden sind.

Ankommen in einer anderen Welt

„Erst wenn man unterwegs ist, begreift man, dass die größte Entfernung die größten Illusionen weckt und dass Alleinreisen sowohl Vergnügen als auch Strafe“ (Paul Theroux)

Zitiert aus: Reise durch einen einsamen Kontinent; Altmann, Andreas

Ich stehe auf der Fußgängerbrücke über die Küstenautobahn in Barranco, dem sogenannten „Künstlerviertel“ von Lima im Süden der Stadt, wo ich untergekommen bin. Neben mir taucht ein Mann auf, Winfried aus Wien (ich weiß nicht mehr, ob er wirklich so hieß). Zerlumpt, ohne Zähne, dreckig. Er erzählt mir von seiner Arbeit an den Yachten der Reichen, wie er sich beim Ziehen der Stahltrossen verletzt hat. Die Wunden an seinem Arm wollen nicht heilen, haben sich entzündet, aber das Krankenhaus und die antientzündlichen Salben kosten Geld, dass er nicht hat. Ich gebe ihm 15 Soles für ein Mittagessen. Mir kommt der Buchtitel von Andreas Altmann in den Sinn, den mir für diese Reise gekauft habe. Statt Kontinent müsste es eigentlich „einsame Menschen“ heißen.

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Wenn man Geld hat, funktioniert diese andere Welt. Ich ziehe am Flughafen die Kreditkarte, eine ist kaputt, ich habe zum Glück eine zweite dabei. Damit werde ich zum Taxi begleitet und steige in eine schwarze Limousine, mit einem Fahrer in grauem Anzug. Wir unterhalten uns über Fußball, soweit es mein ungeübtes Spanisch zulässt. Meine Unterkunft in einem modernen Block unweit des plaza mayor von Barranco wird rund um die Uhr bewacht. Ab dem zweiten Tag werde ich mit „buenas tardes, señor Norbert“ begrüßt. Wenn ich drin bin, fällt die schwere Eisentür wieder ins Schloss.

Neun Millionen Menschen! In Barranco kann ich mir das nicht vorstellen. Hier wirkt alles etwas kleinstädtisch. Aber eine physische rstellung, was so viele Menschen bedeuten können, bekomme ich im Metropolitano, einer Schnellbuslinie, die vom Süden der Stadt ins Zentrum führt. Obwohl die Busse z.T im Sekundentakt fahren, sind sie brechend voll. So viel Körperkontakt war eigentlich nicht geplant. Ich sehe nichts von draußen, weiß eigentlich auch nicht, wo ich aussteigen muss, wenn ich es denn bis zur Tür schaffen sollte. Zum Glück spricht mich eine junge Frau an, und erklärt mir, wie ich am besten zum plaza de armas komme. Sie möchte ihr Englisch üben, ich mein Spanisch. An der estacion central schaffe ich es raus, und gehe den Rest zu Fuß, obwohl die Empfehlung ja Umsteigen hieß. Am zweiten Tag gehe ich aus Miraflores lieber eine Stunde zu Fuß, als mich wieder zur Rush hour in diesen Bus zu quetschen.

Neun Millionen Menschen! Keine U-Bahn, eine S-Bahn, eine städtische Buslinie!

Die Stadt ist viel voller Menschen. Ich muss dauernd aufpassen, nicht angerempelt zu werden. Die meisten wirken geschäftig, nur wenige schlendern auf einem Einkaufsbummel. Ich laufe durch die Straßen der Altstadt um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen.

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Auf dem Plaza del Armas tummeln sich natürlich die Touristen und die Polizei. Als ich sie mit ihren Schildern und Helmen stehen sah, kamen mir gleich die Bilder aus den neunziger und achziger Jahren in den Kopf, auf denen die Polizei als Unterdrückungs- und Folterorgan auftritt. Überraschenderweise sind diese Polizisten überaus freundlich. Ich merke, dass ich irritiert bin.

Am nächsten Tag gehe ich in das LUM, dem  „Museum“ für die Aufarbeitung der „Zeit der Gewalt“, den 80er und 90er Jahren, als der Kampf zwischen dem sendero luminoso und der MLRT sowie dem Militär und paramitärischen Einheiten, die gegen den Terrorismus kämpfen wollten. Ich kann mich noch an mein Lateinamerika-Seminar bei Professor Nuhn erinnern (Entwicklungsprobleme in Südamerika), in dem ich das Referat über Peru gehalten habe. Leider habe ich dieses Referat nicht mehr gefunden, ich muss es weggeschmissen haben. Aber ich kann mich noch an die Sympathien von uns Studenten für deb sendero luminoso erinnern, die Hoffnung auf die Befreiuungsbewegungen in Südamerika. Die schlimmen Menschenrechtsverletzungen, die im Namen einer Volksrevolution gemacht wurden, haben wir nicht gesehen oder wollten sie nicht sehen. So lerne ich jetzt in der Ausstellung, dass die einfachen Bauern zwischen die Fronten geraten sind, wie wurden von der jeweils anderen Seite verfolgt, vertrieben und ermordet. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Unbestreitbar war Peru damals eine Diktatur, die bekämpft werden musste, sicher auch mit militärischen Mitteln. Aber Menschenrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung sind nicht zu entschuldigen. Der Krieg ging mit der Gefangennahme der kommandanten beider Organisationen zu Ende.  Aber solche Bürgerkriege hinterlassen tiefe Wunden in einer Gesellschaft, die sich noch über Generationen auswirken können. Beklommen stehe ich auf dem Dach des „Museums“ und schaue über den Pazifik. Das museum wurde auch mit deutscher Hilfe gebaut.

 

 

Lima

12.1511785 Süd; 77.0208482 West

Grau

Laut

Stinkend nach Abgasen

Voll

Ungerecht

Eng

Hektisch

Gefährlich

Chaotisch

Lima ist die Hauptstadt des südamerikanischenAnden-Staates Peru und die mit Abstand größte Stadt des Landes. Im Verwaltungsgebiet der Stadt, der Provinz Lima, leben 8.890.792 Menschen (Stand 2015)[1] In der Konurbation Limas mit der Hafenstadt Callao leben insgesamt zehn Millionen Einwohner. Beide Städte bilden die Metropolregion Lima (Área Metropolitana de Lima)

Lima ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Peru mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Die Altstadt von Lima wurde 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.[2]

Lima bei wikipedia

Diese Aufzählung erster Eindrücke klingt nicht sehr schmeichelhaft. Diese Erwartungen hatte ich eigentlich, als ich nach Lima einflog. Und mein erster Eindruck ist: es stimmt.

Aber es ist eben nur eine Seite der Medaille. Der zweite Blick zeigte mir:

Freundlich

Hilfsbereit

Multikulturell

Vielfältig

Lachend

Stolz

Geschichtsträchtig

Anders

Hier ist vieles anders als bei uns in Europa. Die Menschen sehen anders aus, es wird sich kaum aufgeregt, viele sind sehr arm, tragen aber trotzdem eine gewisse Würde mit sich herum. Und viele sind sehr wohlhabend, einige sogar sehr reich.

Ich leihe mir ein Mountainbike in Miraflores aus, um herumzufahren. Miraflores ist Geschäftszentrum, Hochhäuser, Banken, Einkaufsviertel. Hier lebt die Mittelschicht, zu der 20 – 30 % der peruanischen Bevölkerung gehört, sagt mein Reiseführer (1). Hier hat man wohl einen festen Job, eine Wohnung oder ein kleines Haus, muss sich sicher manchmal etwas dazu verdienen.

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Es ist grün und laut, aber es gibt auch, oh Wunder, Fahrradwege. Hier fährt aber fast jeder Auto. Die Stadtentwicklung scheint sich auf die quadratische Anlage der Straßen zu beschränken. Ich hätte gedacht, dass der Mittelstand in Peru mittlerweile einen größeren Anteil an der Bevölkerung umfasst, wo doch Peru in den Länderrankings schon als Schwellenland geführt wird.

Ich rolle weiter und komme nach San Isidro. Hier wird es nochmal wohlhabender. Hier wohnt man im Park, in dem die Hausangestellten die kleinen Kinder ausführen und bespaßen. Wo kein Zaun steht, stehen Wachleute, nicht nur einfache Parkwächter, sondern schon mit Pistole und Patronengürtel. Die Häuser sind mit hohen Gittern und Mauern gesichert.

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Hier finden sich auch die gated communities, über die ich im Geografieunterricht mit den Schülern arbeite.Dabei ist ein komplettes Stadtviertel durch Schranke und Wachposten abgeriegelt. Der Wachposten notiert genau, wer reinfährt und ob auch wieder rausfährt. Als ich mit Alois am nächsten Tag durch eine gated community fahren, um uns das zu zeigen, sagt, er müsse etwas an der Schule abgeben. Er steigt wirklich aus, geht zumm Briefkasten und wirft etwas hinein. Früher habe ihn sowas nicht geschert (wer Alois ist, erzähle ich im nächsten Beitrag, auf jeden Fall ein allgäuer Dickschädel). Aber alles sei vidoeüberwacht und er habe richtig Ärger bekommen.

15 – 20% der peruanischen Gesellschaft sollen zur Oberschicht gehören. Sie produzieren den größten Teil des  Bruttoinlandsprodukts, und lassen es wahrscheinlich nur in ihren Kreisen kursieren.

Zu den 50% der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, schreibe ich im nächsten Blogbeitrag.

Am Sonnabend kam ich nah meinem Tagesausflug zurück nach Barranco und wollte noch schnell in den Metro Supermarkt um ein Abendbier und das Obst für das Frühstück zu kaufen. Wo am Tag vorher noch die Christal und Pilsen-Flaschen herumstanden, war jetzt mit Mineralwasser aufgefüllt. Die Erklärung des jungen Regalauffüllers war so schnell dahingerasselt, dass ich kein Wort verstand. Erst die nette Bedienung im Kulturhaus, in dem ich das Wifi nutzen wollte, klärte mich auf. Morgen ist Wahltag für die die Provinzen und die Bezirks- und Stadtbürgermeister. Damit alle Peruaner, für die im übrigen Wahlpflicht gilt, auch klaren Kopfes ihre Stimme abgeben können, ist von Sonnabend 8.00 bis Montag 8.00 Uhr ein Alkoholverkaufsverbot gültig. So blieben am Sonnabend viele Kneipen zu und das Diskogewummere vom Freitag brachte mich in dieser Nacht nicht um den Schlaf.

Die ganze Stadt ist durchplakatiert, Wagenkonvois mit den Kandidaten fahren mit lauter Musik durch die Straßen und halten an den Plätzen, um kurze Wahlkampfkundgebungen abzuhalten.  Es wirkt mehr nach Party als nach Inhalt. Aus den Plakaten kann ich keine Inhalte erkennen.

Aber Wahlen sind ja die Keimzelle der Demokratie. Im Politikunterricht referiere ich ja immer die Bausteine der Demokratie, freie Wahlen, Meinungfreiheit, Gewaltenteilung, freie Presse.  Eines fehlt aus meiner Sicht in dieser Aufzählung: die Verpflichtung zum Gemeinwohl zu arbeiten.  Und an dem scheint es hier in Peru ziemlich zu mangeln bei den Politikern. Hier ist es wohl so, dass wenn man einen Poste erlangt hat, man ihr dafür nutzt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und Familien und Freunde gleich mit zu bedenken.

Ich verfolge ja aus der Ferne auch die Geschehnisse in Deutschland. Ist es mit dem Gemeinwohl bei uns so weit her? Die SPD ist mit ihrem Gerechtigkeits-Wahlkampf grandios gescheitert, weil sie keine Vision einer gerechten Gesellschaft entwickeln konnte. Jeder in einer Gesellschaft, jeder Politiker, jeder Lehrer, jeder Automanager sollte vepflichtet werden, für das Gemeinwohl zu arbeiten. Dabei Geld zu verdienen muss kein Widerspruch dazu sein.

Wir sollten uns diese Ideen wieder zurückholen. Hier fand ich den Artikel von Andre Wilkens inspirierend.

https://www.die-offene-gesellschaft.de/magazin/hat-die-offene-gesellschaft-eine-zukunft

(1) die Zahlen zur Verteilung der Gesellschaftschichten habe ich aus meinem Reiseführer PERU Westbolivien von Frank Herrmann im Stefan Loose Verlag. Es ist empfehlenswert, ihn auf einer Peru-Reise dabei zu haben.

 

Über den Atlantik

Als Geograf schaut man auf den Raum, blickt auf die verschiedenen Elemente, die in dem Raum zu entdecken sind, auf natürliche und menschlich gemachte Dinge, beleuchtet die Beziehungen und Wechselwirkungen untereinander, versucht diese Beziehungen in einem System zu beschreiben.

Am Dienstag, den 02. Oktober schreite ich durch das berühmte Hamburger „Tor zur Welt“, den Flughafen, um nach Lima in Peru zu fliegen. Ein ganz schön großer Raum, den ich dabei überbrücken werde. Als ich mich fragte, was dieser große Raum ausmacht, stieß ich bei der morgendlichen Zeitungslektüre gleich auf zwei Artikel, der die Beziehung von Hamburg und Peru deutlich machte.

Peru ist Der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt. Während bei uns im hambacher Forst gegen den Braunkohleabbau protestiert wird, kämpft die Bevölkerung in Las Bambas in Süd-Peru gegen die lebensbedrohlichen Auswirkungen einer Kupfermine.  Die Regierung reagiert mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes für die Region, um die Proteste zu unterbinden. Das Kupferkonzentrat wird vom Hafen Matarania unter anderm zur Kupferhütte  Aurubis nach Hamburg verschifft. Als Entwicklungsland hat Peru nicht die industrielle Kapazität, selber Kupfer herzustellen, sondern bleibt auf dem Status eines Rohstofflieferanten. Aurubis sagt zwar offiziell, sich für die Einhaltung der weltweiten Umwelt- und Sozialstandards einzusetzen. Aber praktisch scheint wenig zu passieren. Der Artikel Bergbau unter Ausnahmezustand: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5534542&s=Aurubis/

Dazu passt ein zweiter Artikel, in dem über die Verhandlungen zu einem UN-Abkommen für die menschenrechtliche Regulierung der weltweiten Wirtschaft berichtet wird: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5540430&s=UN%2BAbkommen%2BMenschenrechteU

Diese Verhandlungen stocken – weil Deutschland und die EU mit Verfahrenstricks die Prozesse verzögern. Wie kann das sein? Deutschland, das Land, dass sich immer verbal für die Durchsetzung von Menschenrechten weltweit einsetzt? Ich dachte immer, dass Deutschland in diesen Fragen auf der Seite der „Guten“ steht. In meinem Politik- und Geografieunterricht wird immer die Ungerechtigkeit bei den Menschenrechtsstandards thematisiert. Aus der Deutschen Sicht schien es immer so, dass autokratische Regierungen die Menschenrechtsverbesserungen verhindern. Aber auch Deutschland scheint alles zu tun, dass sich die Lage der Menschenrechte weltweit nicht bessert. Frustrierend.

Aber mir wird deutlich, welche Beziehungen in dem großen Raum zwischen Hamburg und Peru, mit dem großen Atlantik dazwischen, wichtig sind. Ich werde die Augen dazu aufhalten.

Beitragsbild von pixabay.com: Kupfer für unsere Stromleitungen

6 Fterre

 

40° 6′ 51″ N, 19° 53′ 36“

Die Mountainbikes vom Trailer herunterladen, Sachen in die Tasche stopfen: Ersatzschlauch, Windjacke, geschmierte Brote, Gopro, Fotoapparat. Am Abzweig zeigt ein uraltes Hinweisschild auf alle Dörfer auf der Straße. Das Hinweisschild ist handgemalt und abgeblättert. Es geht gleich steil zur Sache, kleinster Gang, Schotter führt uns aus dem Ort an der albanischen Reviera in die Berge.

Fterre ist unser Ziel, ein kleines Dorf, dessen Bilder wir auf einer Ausstellung in Gjirokaster gesehen haben. Der österreichischer Fotograf Robert Pichler hatte den Ort und die Menschen in den 90er Jahren kurz nach dem Ende der kommunistischen Diktatur porträtiert. Dann haben wir noch eine Broschüre der GIZ, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, über den Ort gesehen und unsere Neugier geweckt.

Robert Pichler Fotos

Fterre bei Wikipedia

Wir schrauben uns mit unseren Mountain Bikes aus der Stadt Borsh an der mittelalterlichen Festung vorbei nach oben. In den Bergeinschnitten strömen die Bergbäche hinunter. Wir fahren auf einer Schotterstraße nach oben, kaum ein Auto begegnet uns.

Vorbei an Olivenhainen, Granatäpfe- und Orangenbäumen. Der Weg scheint nicht lang zu sein, aber jeder Taleinschnitt muss mitgenommen werden. Also geht es wieder ziemlich hinunter, um anschließend wieder kräftig hinauf zu gehen. Am letzten Pass dann endlich der Blick auf Fterre, die Brote sind aufgegessen, das Wasser getrunken.

Der alte Ortskern von Fterre liegt auf einem Felssporn über dem Tal. Hier gehen nur Fußweg hinein, wir müssen die Mountain Bike stehen lassen, die MTB-Schuhe gegen die Tevas tauschen.

Einen steilen Stieg folgen wir hinunter, an unbewohnten Gehöften vorbei, die roten Weintrauben pflückend, bis zu einer Weggabelung. Hier treffen wir auf einen uralten Mann, der uns freundlich begrüßt und uns vorangeht. Wir folgen. Kommunikation nur über Gesten. Über rund gelaufenen Steine, an Enten die im Wasser spielen vorbei, kommen wir ins Dorf. Der alte Mann öffnet die Eisentür und winkt uns hinein. Er bietet uns zwei Stühle in dem weiß getünchten Innenhof und da sitzen wir nun.

Scharfe Kommandorufe schallen von ihm ins Haus. Ob wir einen Kaffee wollen, scheint er zu fragen (die Kommunikation ist immer noch sehr schwierig). Irgendwann erscheint ein Mann mit zwei Gläsern Buttermilch in der Hand, wahrscheinlich sein Sohn. Gastfreundschaft wird in Albanien großgeschrieben.Verständigen können wir uns leider nicht. Kein Wort Englisch steht zur Verfügung.

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Alles ist blitzblank aufgeräumt. Der Müll liegt in Albanien nur außerhalb der Häuser. Wovon leben diese Menschen hier, in einem Dorf, das nur zu Fuß zu erreichen ist? Die Straße war schon eine Zumutung, nur mit dem Landrover zu fahren, aber ins Dorf kommt man wirklich nur auf eigenen Füßen.

Wieder zurück an der „Fahrstraße“ kommt ein alter Mercedes-Kastenwagen, mit den Lebensnotwendigen. Ich frage mich, wie er mit diesem alten Auto die felsige Straße, die uns erwartete, geschafft hat. Das muss doch Stunden gedauert haben, ohne einen Achsbruch riskiert zu haben.

Wir tauschen wieder unsere Sandalen gegen die MTB-Schuhe und machen uns auf den Weg zum Pass, um auf der anderen Seite des Tales zurück nach Borsch zu fahren; sieben Kilometer zeigt uns das Garmin. Sieben lange Kilometer. Immer wieder müssen wir aus dem Sattel um zu schieben, weil der Schotter auf der Straße zu weich ist, um mit den MTBs fahren zu können.


Auf der anderen Seite des Tales geht es wieder 15km hinunter nach Borsch. 15km von Europa entfernt, 15km im TimeTunnel. In einer Landschaft der Ungleichzeitigkeiten: Einerseits der 4WeelDriveToyota, der sich mühselig den Weg hochkämpft, gleichzeitig beladen mit Holz für den heimischen Kochofen, wie im Mittelalter. Wie kommt eigentlich der Junge auf der Ladefläche normalerweise zu Schule?

Der Geograf betrachtet den Raum.

Welche Entwicklungschance hat eigentlich so eine Bergregion? Tourismus wird gerufen. Ja, das touristische Potential ist unzweifelbar vorhanden: unberührte Natur, spannenden Kultur, interessante Menschen. Aber schon wir mit unseren Mountainbikes hatten Mühe, dorthin zu kommen. Ohne eine Straßenanbindung und einer asphaltierten Straße sowie Übernachtungsmöglichkeiten wird es nicht gehen. Sonst kann man noch so schöne Broschüren drucken, wenn der Tourist nicht hinkommt, kann er auch kein Geld ausgeben und für Einkommen sorgen. Und dann wird die Abwanderung der jungen Leute aus den Bergdörfern weiter gehen.

Wir hatten eigentlich erwartet, dass man in den Dörfern auf dem Weg irgendwie übernachten kann. Aber es gab nichts. So mussten wir die steinige Strecke am Westhang wieder nach Borsch zurückfahren. Eigentlich schade, uns ist eine Nacht in den Bergen entgangen und den Bewohnern eine Einnahmemöglichkeit.

Mir wird deutlich, das die Entwicklung von dem Ausbau der Verkehrswege abhängt. Ohne Straßen gibt es keine touristische Entwicklung eines Raumes. Das Potential zur regionalen Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist zu gering, um an den europäischen Standard anzuknüpfen. Das Fazit ist also: asphaltierte Straßen müssen her. Das ist dann aber auch das Ende der schönen MTB-Trails, die wir gefahren sind.

Auch diesen Artikel aus England finde ich sehr interessant zum Thema „Gastfreundschaft in Albanien“:

Gastfreundschaft in Albanien

5 Ksami, Butrint

39.7781116 Nord; 20.0064017 Ost

Der südöstlichste Zipfel Albaniens. Auf dem Meer erheben sich die Berge von Korfu, Griechenland. Ksami, ein kleiner Badeort südlich von Sarandë, füllt sich am Sonntag mit Touristen. Die Westeuropäer kommen in ihren Wohnmobilen, die Ukrainer in dicken SUVs. Das toruistische Potential bietet noch viel Luft nach oben. Schön, dass die Hänge noch nicht mit Hotels vollgestellt sind. Dafür ragen viele Bauruinen in die Landschaft, die genauso zahlreich wie die intakten Hotels sind. Eingie Gerippe sind sogar mangels geeignetem Fundament seitlich abgekippt. Wieso reißt sie eigentlich keiner ab?

 

Jemand muss auf die Idee gekommen sein, einen Küsten-Flanierweg anzulegen. Leider sind nur die die  Steinplatten schon halb abgefallen, die Lampenständer umgefallen und die Sitzbänke kaputt. Es scheint sich keiner richtig Gedanken zu machen, dass die Dinge, die man baut, auch unterhalten werden müssen.

Viele für unsere Ohren ungewohnte Sprachen sind zu hören. Die Nummernschilder der Autos sind ebenson exotisch. Rumänien, Kosovo, Polen, Ukraine, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Montenegro… Wo sind eigentlich die unvermeindlichen Holländer? Nicht zu sehen. Irgendwie scheint Europa immer noch in Ost und West geteilt zu sein. Wie kann man eigentlich diese Teilung aufheben? Reisen, Tourismus? Kann Tourismus für ein gegenseitiges Verständnis einen Beitrag leisen?  Annähernd gleiche Lebensbedingungen überall in Europa? So wie es in Deutschland als Vorgabe für den Staat gilt und Grundlage für den Soli war Brauchen wir einen europäischen Solidarpakt? Wenn wir Europa mit den gleichen Kriterien entwickeln wollen wie wir sien in Deutschland anlegen, bräuchten wir diesen.

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Butrint, eine Ausgrabungsstätte ganz im Süden Albaniens, bot uns eine besondere Zeitreise durch die Geschichte Europas. Ein kleiner Küstensee, der Butrintsee, ist nur durch einen kleinen Kanal vom ionischen Meer getrennt. Dadurch ergab sich eine kleine Halbinsel, die eine strategisch günstige Lage zur Kontrolle der Straße von korfu bot und gleichzeitig einen günstigen Ort für einen Hafen, der von den Stürmen des Meeres verschont bleibt. Aber dieser Ort wurde schon vor den geostrategischen Überlegungen in der Bronze- und Steinzeit besiedelt. Älteste Funde beweisen dieses.

In Butrint hinterließen zahlreiche Kulturen ihre Spuren, umgekehrt wurden sie aber auch von Butrint geprägt. So kommt Butrint in den Werken berühmter antiker Autoren vor, wie zum Beispiel bei Hekataios von Milet[1] oder in der Aeneis von Vergil. Als städtisches Zentrum einer weiten Region kam sie zu Reichtum und Macht, wovon die zahlreichen Profan- und Prachtbauten, Straßen und Festungsanlagen zählen. Durch die Kombination seiner ruhigen Umgebung an einer Lagune und seinen historischen Monumenten zog die Stadt auch Grand Touristen des 18. und 19. Jahrhunderts an, die sie als eine Landschaft mit Monumenten bezeichneten.[2]Unter anderem besuchte Edward Lear die historische Stätte, um sich von ihr inspirieren zu lassen.

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Aber als Stadt wurde Butrint zurerst von ven Griechen ausgebaut, mit Theater, Bädern, Akropolis und Gymnasion. Die römische Kultur folgte, mit Wasserleitungen, Forum und tollen Fußbodenmosaiken. Sie bauten die Stadt vor allem flächenmäßig weiter aus, was neute Stadtmauern brachte. Der Aufstieg des Christentums brachten eine Basilika undeine taufkirche nach Butrint. Das Byzantische Reich konnte sich aber nicht halten, und nach vielen Herrschaftswechseln benutzte der Stadtstaat Venedig den Ort, um den Adriahandel abzusichern. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts beendete Napoleon die Herrschaft der Venezier und Butrint fiel an das osmanische Reich. Im 19. Jahrhundert spiele die geostrategische Lage keine Rolle mehr und die Stadt wurde wieder ein Fischerdorf. Erst die ersten englischen Touristen interessierten sich wieder für das geschichtliche Erbe. Und in den 30er jahren des letzten Jahrhunderts fingen italienische Archäologen an, die Stadt wieder auszugraben. Heute kommen wieder die Touristen. Wir können als westliche Toruisten einen Ort besichtigen, der lange Zeit verschlossen war.

Aber noch lange ist nicht alles ausgegraben, Butrint hat noch nicht den Charme eines allglatten Gescichts-Freilichtmuseums. Man kann noch überall hingegen, sich alles anschauen. Wir können mit einem Rundgang über 3000 Jahre europäische Geschichte an einem Ort nachempfinden. Das ist schon etwas sehr besonderes.

Uns da stellt sich mir doch die Frage, wie geht die europäische Geschichte weiter? Wir haben den Ost-Welt-Konflikt überwunden, haben die osteuropäischen Länder in die EU aufgenommen. Wir künnen überall hinreisen. Aber plützlich wird überall die Frage nach dem Nationalen gestellt. Markus Söder das Ende des Multilaterismus einleitet. Aber ist die Sehnsucht nach dem Nationalen nicht eine Angst vor dem Modernisierungsschub, den wir erleben, der durch die Internationalisierung durch die Globalisierung und das Internet hervorgerufen wird?

Diese Fragen stelle ich mir, wenn ich durch die Ruinen von Butrint laufe. Es ist ein toller Ort, der Geschichte atmet. Aber Geschichte weist auch immer in die Zukunft. Und die Zukunft gestalten wir selber.

4 Cañon Lengarices

40 Grad Nord, 244 Minuten, 20 Grad Ost, 432 Minuten

Reiseführer: nix; wikipedia: nix; internet: fast nix! Die Bäder von Benje werden genannt, aber der cañon Lengarices bleibt unerwähnt. Auch kein Schild an der Abzweigung weist auf diese spektkuläre Schlucht hin. Dabei durchquert man eine atemberaubende enge Schlucht mit senkrechten, teils überhängenden Felswänden.

Nachdem man die Bäder von Benjes hinter sich gelassen hat, ist man alleine. Mit den Teva-Sandalen an den füßen dürchqueren wir immer wieder das Flußbett, um weiter zu kommen. Das Wasser ist um glück nicht mehr als oberschenkeltief. Aber es irritiert, das man nicht sehen kann, wohin man tritt. Das Wasser ist sedimentgrau, man kann keinen Zentimeter tief blicken.  Also ist tasten angesagt. Wir springen von Stein zu Stein. Dazwischen liegst feinster Schlick, der sich in den Tevas sedimentiert (geografischer Fachbegriff). Bei Nässe wird der Sandstein glitschig, wir müssen ganz schön aufpassen. Wenn man hier unglücklich ausrutscht und sich verletzt, gibt es keine Hilfe. In der Schlucht ist Handyempfang unmöglich.

572E3CE5-28B4-4CA0-82F8-56A4032282F1Viele schöne Steine begleiten den Weg durch den die Schlucht. Immer wieder heben wir farbige runde Steine auf, wollen sie gleich mit nach Hause nehmen, legen sie aber wieder weg, weil es doch viel zu schwer wäre. Unten sind die steine eher kalksteingrau, oben werden die Wände eher gelb und orange. Nur Indirektes Licht  erreicht den Talboden. Kein Sonnenstrahl schafft es bin in das Flußbett. Dadurch umgibt uns eine angenehme Kühle, und die Vegetation ist viel üppiger als in der prallen Sonne des Landes.

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Die Lengarica-Schlucht kann es mit anderen Schluchten in Europa an Schönheit und spektakulärer Landschaft voll aufnehmen. Für alle, die nach Südalbanien kommen, sollen die Lengarica-Schlucht besuchen. Leider hatten wir keine Drohne dabei, diese Bilder kann man sich aber auf der offiziellen Albanien-Website anschauen:

Lengarica Schlucht

3 Albanien

42 Grad 016 Minuten Nord, 19 Grad, 342 Minuten Ost

Eine lange Autoschlange, klapperige Modelle, meist mit Männern besetzt, die rauchen. Es geht nicht voran. Eine halbe Stunde für 10 Autos. Als ich meinen Pass und die grüne Versicherungskarte in das kleine Fensterchen halte, will der Uniformierte die Unterlagen gar nicht sehen. Warum habe ich hier so lange angestanden? Nach zehn Stunden Landstraßen-Geeiere durch Bosnien und Montenegro bin ich genervt. Aber immerhin weht die EU-Flagge an der Grenze. Noch 15km bis Shkoder.

Ich will K. am Flughafen in Tirana abholen. Hoffentlich klappt alles: Lek am Geldautomaten holen, eine prepaid-Karte besorgen, und die ungewissen Straßenverhältnisse meistern. Bei der Fahrt in die Stadt Shkoder mache ich schnell kehrt. Ich stelle lieber das Auto am Campingplatz ab und schnalle das Mountainbike vom Trailer ab. Zu chaotisch, zu stockend ist der Verkehr in Shkoder. Radfahrer auf uralten chinesischen Rädern, Eselskarren, undefinierbare Lastenmopeds und qualmende Mercedes-Diesel machen das Fahrt zum Abenteuer. Aber als Radfahrer wird man respektiert.

Albanien, (albanischunbestimmt: Shqipëri, bestimmt: Shqipëria), amtlich Republik Albanien (alb. Republika e Shqipërisë), ist ein Staat in Südosteuropa bzw. auf der Balkanhalbinsel. Das albanische Staatsgebiet grenzt im Norden an Montenegro und den Kosovo, im Osten an Mazedonien und im Süden an Griechenland. Die natürliche Westgrenze wird durch die Küsten des Adriatischen und des Ionischen Meeres gebildet, wodurch das Land zu den Anrainerstaaten des Mittelmeeres zählt. Die Hauptstadt und gleichzeitig größte Stadt des Landes ist Tirana.Albanien ist eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik. Nach dem von den Vereinten Nationen erhobenen Index der menschlichen Entwicklung zählt Albanien zu den hoch entwickelten Staaten der Erde. Seit dem Ende des Kommunismus wurden bedeutende Schritte zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage erreicht. Albanien zählt allerdings immer noch zu den ärmsten Ländern in Europa.

Albanien: wikipedia

Was sind meine ersten Eindrücke in diesem unbekannten Land?

  • Eine für mich unbekannte Sprache. Allein das „Danke“ zu lernen, fällt mir unendlich schwer (falemidrit).
  • Es wird langsam Auto gefahren. Mehr als 80km/h sind nicht drin. Das macht die Sache aber auch ganz entspannt. Die berühmten schlechten Straßenverhältnisse kommen erst später
  • Es stehen viele Menschen an den Straßen herum. Sie warten. Auf den Bus, auf eine Mitfahrgelegenheit, vielleicht einfach so.
  • Im Restaurant essen ist günstig. Schon für unter 10€ bekommt man ein komplettes Menü.
  • Die Straßenschilder sind aus Italien.
  • Die Albaner lieben Mercedes.

Ohridsee

Erste Station: Ohridsee im Osten des Landes. Der Ohridsee soll eines der ältesten Seen Europas, wenn nicht der Welt sein. Er ist tektonischen Ursprungs. Das wasser ist klar, morgens gibt es eine 1000m Trainingseinheit Schwimmen. Die am westufer verlaufende Straße ist niegel nagel neu. Die Bahnlinie ist stillgelegt. Der Zeltplatz ist mäßig gefüllt. Wir zelten auf der. Halbinsel Lin. Eine große Anlage mit vielen Liegen und großer Bar. Nur die Gäste fehlen. Hier besteht noch touristisches Potential.

Bei der Wanderung um die Halbinsel in das Dorf Lin fällt schon auf: in Albanien geht die Schere zwischen den Menschen mit Geld und den Armen schon stark ins Gewicht. Einige Albaner fahren große Autos, gehe essen, tragen modische Kleidung. Die Menschen in den Dörfern wirken sehr arm, besonders die alten Leute. Die Armut erkennt man auch an den fehlenden Zähnen.

Und der Müll: natürlich steht in allen Reiseführern, dass Albanien ein Müllproblem hat. Aber so schlimm haben wir es nicht erwartet. Es liegt wirklich überall Müll herum. Bei unserer Wanderung ins Dörfchen Lin waten wir kurz vor dem dorf durch den Müll, der wohl einfach „um die Ecke“ geworfen wurde. Es verlangt einige Anpassungs-Mühe, über die ganzen Plastikflaschen und Plastikmüll zu gehen. Im Dorf selber wird dann wieder eifrig die Straße gefegt.

2 Lienz, Osttirol

46 Grad 82 Minuten Nord, 12 Grad 76 Minuten Ost

100% österreichische Rohstoffe: Gösser-Bier am Abend. Ist das auch schon ein Symbol des Ende des Multilateralismus, der in der Achse München – Wien eingeläutet wurde? Ist es wichtig, dass ein Bier nur aus österreichischen Zutaten hergestellt ist? Ist österreichscher Hopfen besser als italienischer, slowenischer oder bayrischer? Dabei liegt Italien von Lienz aus gesehen viel dichter als die Steiermark.

Die Verwendung regionaler Produkte, die nicht sol viele Transportwege nötig haben, wäre doch viel sinnvoller. Ist der Multilateralismus, also das Gegenteil vom nationalstaatlichen, egoistischen Denken, wirklich am Ende? Auf dem Zeltplatz ist halb Europa versammelt. Angeführt von den Campingweltmeistern, den Holländern, finden sich zelte und Wohnmobile aus bestimmt zehn europäischen Ländern. Ich frage mich, warum ein Land wie Österreich, im Zentrums von Europa gelegen, so die Abschottung propagieren kann, wie in den letzten Monaten. Wieso kann sich ein Land, in das Halb Europa in die Ferien fährt, so einer sinnvollen europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik widersetzen?

Wenn ich so über den Zeltplatz gehe, sehe ich fast nur weltoffene Menschen, die sicher kein Interesse an eine Rückkehr zur Nationalstaatlichkeit gutheißen. Die Europa-Befürworter haben überall eine klare Mehrheit. Diese Mehrheit muss endlich mal den Mund aufmachen. Sollte die Zivilgesellschaft nicht zu einem europäischen. Migrationskongress einladen, um die Lösungen zu erarbeiten, zu dem die Politiker im Moment nicht fähig sind? Vielleicht sollte man diesen Kongress bewusst in Österreich durchführen.

Jetzt nehme ich aber noch einen Schluck Gösser-Bier.