Wir besuchen das Museo del Oro in Bogota. Nachdem wir von dem ganzen Gold und dem Schmuck aus der vorkolonialen Zeit ganz überwältigt sind, gehen wir noch mit der letzten Aufmerksamkeit in das Untergeschoss des Museums, wo eine Sonderausstellung über Wandmalereien an Felsen in der Serrania de Lindosa im Bundesstaat Guaviare im Orinoco/Amazonica-Tiefland ausgestellt ist. Nach dem Rundgang war klar: Da müssen wir hin.

Wir sind zwar erst nach Santander in den Norden von Bogota gefahren. Doch dann sind wir nochmal südwärts von Bucaramanga über Bogotá nach San José de Guaviare geflogen, auch weil die Osterwoche an anderen Orten er sehr voll werden würde. Ostern ist eines der Hauptreisezeiten in Kolumbien.

Beim Aussteigen aus dem Flugzeug auf dem sehr kleinen Flugplatz von San José schlug uns gleich die Hitze Amazoniens ins Gesicht. Wir wollen eine Woche bleiben, und das Wetter war wie aus dem Lehrbuch über den Regenwald: Dicke Quellwolken hängen über dem Himmel, manchmal zeigt sich die Sonne, am Nachmittag verdunkelt sich der Himmel und um 15 oder 16 Uhr fängt es ergiebig an zu regnen. So sitzen wir am ersten Nachmittag schon im Café und schauen zu, wie das Wasser durch die Straßen fließt.

Wir vertrauen uns während der Woche der Agentur von Andres an, der uns zu den Sehenswürdigkeiten der Region führt. Wir werden morgens am Hotel abgeholt, haben ein Morgenprogramm, dann gibt es irgendwo Mittagessen, und dann noch einen Nachmittagsziel, meist mit Schwimmen oder Baden.

Diese Orte haben wir besucht:
- Cañon del Jaguar
- Pozos Naturales
- Puerta de Orion
- Laguna Negra
- Cerro Azul
- Mit dem Boot über den Rio Guayabero zu den Pinturas Raudal
- Pinturas Nueva Tolima und Túneles

Wir sind hierher gekommen, um die Wandmalereien zu sehen, die im Museo de Oro ausgestellt waren. Die Wandmalereien von Chiribiquete sind schon etwas länger geschützt, und komplett gesperrt als Nationalpark. Man darf nicht einmal mit dem Flugzeug darüber fliegen. Von den 25 bemalten Wänden in Lindosa hat man sich entschieden, vier für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um ein Verständnis für diese wichtigen Kulturgüter zu schaffen und die anderen Wände zu schützen. Diese sind nur für Wissenschaftler zugänglich.

Die Altersdatierung auf ca. 11.000 Jahre vor Chr. basieren auf Vermutungen. So sind auf den Wänden Tiere abgebildet, die längst ausgestorben sind, wie zum Beispiel der Mastodon oder das Mammut. Die Zeichnungen wurden auf das Ende der letzten Eiszeit hin datiert, wo das Klima auch am Äquator etwas kühler war.

Die Zeichnungen waren nicht nur Kunst, sondern auf Kommunikationsmittel. Die Menschen, die diese Zeichnungen erstellt haben, lebten nomadisch. So haben die vorbeiziehenden Gruppen ihre Zeichnungen auf den Wänden zu unterschiedlichen Zeiten hinterlassen, die auch der Bezehung wischen den Stämmen diente.

Die Wandzeichnungen in Lindosa und Chriribiteque gehören zu den weltweit wichtigsten prähistorischen Malereien. In Lindosa wurden sie erst nach 2016 nach dem Friedensabkommen zwischen der Regierung und der FARC entdeckt, weil das Gebiet von Guaviare in Guerillahand war und nicht betreten werden konnte. Auch heute gibt es noch Rebellengruppen, die die sich nicht an das Friedensabkommen halten und weiter sich vom Drogenanbau und -handel, Schutzgeld und Schmuggel finanzieren. Erst im Januar kam es zwischen rivalisierenden Gruppen zu einem Massaker.

Trotzdem wird in diesem Gebiet sehr viel auf die Entwicklung durch den Tourismus gesetzt. Man hofft, durch den Tourismus den jungen Menschen eine Perspektive im Departamento Guivare zu geben, dass sie in ihrer Heimat bleiben können. Das Gebiet befindet sich noch immer in der Transformation aus der Zeit der Gewalt in eine friedliche Zukunft. Die Losung des Präsidenten ist: Paz Total, völliger Frieden. Es war richtig zu merken, wie wir als Touristen willkommen geheißen wurden. Bis auf einen Franzosen haben wir allerdings keine anderen ausländischen Touristen getroffen. Auf der Plaza Principal wurden wir bei einer Kulturpräsentation gleich angesprochen als auslöndische Touristen, ich wurde gleich zu einem Interview eingeladen, Kathrin von einer Indigena geschminkt. Mehrfach wurde vom Kommentator ausgerufen, dass sie auch Besucher aus Deutschland hätten.

Wir hatten das Gefühl, dass das Geld, was wir hier in der Region lassen, der Entwicklung zugute kommt. Unser Guia Andres hat aufgezählt, wieviele Menschen von den Exkursionen profitieren. Die touristischen Punkte wurden alle von sehr jungen Leute verwaltet und die Kulturgüter geschützt.
Nach einer Woche in San José del Guaviare sind wir ganz beseelt zurück nach Bogotá geflogen. Nach sechs langen Exkursionen haben wir das Gefühl, besondere Orte gesehen zu haben. Dabei hatten wir auch den Eindruck, dass der Tourismus etwas zur Entwicklung des Amazonasgebiets beiträgt. Wir haben die Setzlinge gesehen, die zur Wiederaufforstung gerodeter Flächen gezogen wurden. Die touristischen Organisationen setzen sich bei den Bauern für die Ausweitung der Schutzzonen in der Natur ein. Hier war der Ort, Tourismus etwas bewegen kann.


