Mit Humboldt durch Kolumbien – Salamina und Marsella

Als Geograf muss mich natürlich Alexander von Humboldt auf der Reise durch Kolumbien begleiten und das Buch von Andrea Wulf, Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur, ist für diese Reise dabei. Heute sind wir in Marsella durch den Parque Natural Alejandro de Humboldt gewandert, einem liebevoll angelegten tropischen botanischen Garten. Natürlich wurden wir am Eingang darauf angesprochen, dass der Park nach einem Deutschen benannt ist. 

Neben Simón Bolívar ist Alexander von Humboldt eine der meist erwähnten Persönlichkeiten in Kolumbien. Jeder zweite Park oder Platz heißt nach Bolívar oder Humboldt. Beide trafen sich Anfang des 19. Jahrhunderts, nach Humboldts Amerikareise, in Paris und Rom, wobei Humboldt mit Bolívar die Möglichkeiten einer Revolution in Lateinamerika und die Befreiung vom spanischen Kolonialismus diskutierte. Humboldt verfolgte interessiert den langen, sehr blutigen Befreiungskampf unter der Führung von Bolivar in Venezuela und Kolumbien, der erst nach 20 Jahren erfolgreich war, aber Bolívar entgegen seiner ursprünglichen liberalen Ideen zu einem Diktator machte. Der Name ist trotzdem im Staats-Namen ‘Bolivien’ festgehalten. 

Vor Marsella waren wir in Salamina, auf 1800m Höhe am Osthang der Zentralkollidiere der Anden. Zwar werden die Berge intensiv mit Kaffee-, Bananen und Kartoffelanbau bewirtschaftet, aber wenn man in die naturbelassenen Wälder kommt, steht man einer grünen Mauer gegenüber. Wenn wir auf einem Pfad durch diesen Wald gehen können, wie wir es im Valle de Sanmaria in der Nähe von Salamina gemacht haben, kann man die Begeisterung, die Humboldt für diese Natur beschreibt, nachvollziehen. 

Diese wahnsinnige Vielfalt und Diversität von Pflanzen und Tieren (die wir aber meist nicht zu Gesicht bekommen haben), hatte Humboldt zu einer neuen Betrachtung der Natur angeregt. Während zu Humboldts Zeiten die Idee einer gottgeschaffenen Natur vorherrschte, in der alles seinen gottgegebenen Platz hat, legte Humboldt die Grundlage für die Idee einer Natur, die sich dynamisch verändert und in der die einzelnen Elemente aufeinander bezogen sind. Das war die Grundidee für unsere heutige Vorstellung von Ökosystemen. Er war auch der Erste, der den naturzerstörerischen Einfluss der Menschen auf die Natur erkannte und anprangerte. Die Maxime von Humboldt war: „Alles hängt mit allem zusammen“.

Mit diesen Gedanken im Kopf wandere ich mit Kathrin durch den tropischen Wald Kolumbiens. Wir bewundern im Valle Samaria die ‚Palmas de Cera‘ (Wachspalme), bis zu 60m hohe, einzeln stehende, sehr alte Palmen. Sie sind der Nationalbaum Kolumbiens und sehr gefährdet. Sie existieren nur noch an wenigen Orten in Kolumbien als auch weltweit. Die Palmenblätter wurden sehr stark für die Osterfeierlichkeiten abgeerntet und das Wachs der Rinde abgeschabt, was ihre Gefährdung vorangetrieben hat. 

Valle de Samaria, Palma de Cera

Aber auch die ausweitende Viehwirtschaft gefährdet die Palma de Cera: Die langsam wachsenden Keimlinge der Palme werden von den Kühen abgefressen. Wie auf dem Bild zu sehen, sind große Teile der Berge in Weidegebiete verwandelt worden. Die Palma des Cera gedeiht nur noch in Schutzgebieten. 

Salamina

Wir waren 3 Tage in Salamina. Die kleine Stadt mir 20.000 Einwohnern liegt beschaulich auf einem Bergrücken zwischen zwei tiefen Täler. Wir hatten einen beeindruckenden Blick aus dem Zimmer im Hotel Colonial in die Berge. 

Wir hangelten uns von Café zu Café, streiften durch die Umgebung der Stadt. Wir mussten aber feststellen, das viele auf Openstreetmaps verzeichnete Wege gar nicht existierten, was uns zu abenteuerlichen Ausweichstrecken über steile Wiesen und glitschige Hänge zwang. 

Eine Herausforderung war auch das Essen: Ein Restaurant zu finden, das auch ein fleischloses Essen anbietet, war fast unmöglich. Deshalb mussten wir auch auf landesuntypische Speisen wie Pizza zurückgreifen. 

Morgens gibt es meist einen Arepa mit weißem Käse. Arepas sind einen Maisflade, die etwas dicker als Tortillas sind und aufgeschnitten und gefüllt werden können. 

Obwohl wir in der Kaffeezone unterwegs sind, ist es überraschend, wie oft es Nescafé gibt. Nur in richtigen Cafés gibt es gefilterten oder über eine Kaffeemaschine gepressten Kaffee aus schönen alten Maschinen. 

Der Transport in der Kaffeeregion wird über die Nachfolger nordamerikanischer Jeeps erledigt, egal ob sie mit Menschen, Kaffeesäcke oder Bananenstauden vollgestopft werden. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen die vielen Jeeps der US-Armee, die nicht mehr gebraucht wurden, nach Kolumbien. Die geländegängigen und rubusten Fahrzeuge passten gut in die steilen und rumpeligen Straßen der Anden. Deshalb fahren auch heute noch die ‚Willys‘ als Universalverkehrsmittel durch die Kaffeezone. 

Willy