Medellin, Stadt des ewigen Frühlings 

Für mich war es eher die Stadt des ewigen Lärms. 

Botero an der Hauswand

Nach der Stille des Pazifiks, ohne Autos und Menschenmassen, war Medellin ein Schock. Ein kurzer Flug von 40 Minuten bringt uns zum familiären Flughafen Olaya Herrera.

Rein in die prallvolle Metro an der Station Poblada, wieder raus ins Getümmel des Parque Berrio. Wir flüchten uns die die Parroquia Nuestra Señora de la Candelaria, um die Ruhe der Kirche zu genießen. Sie ist überraschend voll an einem normalen Nachmittag, viele Menschen beten. Dann schlängeln wir uns durch die Fußgängerzonen, die durch die fliegenden Händler vollgestopft wirken. 

Über den Plaza Botero, auf dem viele Plastiken des berühmten Künstlers mit den dicken Menschen und Tieren stehen, den Palacio de Cultura, von dessen Aussichtsplattform wir über die Stadt schauen, den Parque Bolivar, wo sich viele Drogenabhängige tummeln, durch die Fußgängerzone Carretera 49, zum Parque de las Luces – jetzt wird es langsam dunkel, und wir sind platt vom Asphaltttreten. Schön ist es nicht, das Zentrum von Medellin. Historische Bauten oder schöne Architektur sind kaum zu finden. 

Zurück in unserem Hostel, das in einer stillen Sackgasse im Stadtteil Poblado liegt, ist es doch nicht so still. Der Stadtteil hat viele Restaurants und Kneipen, und die die Autos der Besucher parken auf dem Parkplatz am Ende der Sackgasse. Die Ohrstöpsel müssen nachts immer tiefer geschoben werden. 

Medellin mit seinen ca. 2,5 Millionen Einwohnern liegt in einem Tal, dass schon lange zu eng geworden ist. Die Backstein-Wohnviertel ziehen sich deshalb an allen steilen Hängen hoch, wie in einem Amphitheater. Auch viele Wohn-Hochäuser sollen Wohnungen schaffen. Medellin hat eine starke Bevölkerungszunahme durch die Landvertreibungen der Campesinos durch die Todesschwadronen während des Bürgerkriegs in den 80er und 90er Jahren erlebt. Kolumbien hat mehr als 6 Millionen Binnenflüchtlinge, die vor der Gewalt flüchten mussten. 

Das Museo de Memoria, das wir am folgenden Tag besuchen, will die Jahre der Gewalt, bis zum Friedensschluss zwischen der Guerilla und dem Staat 2016, aufarbeiten. In einer tollen Ausstellung werden die verschiedenen Akteure, Aspekte und Ereignisse beleuchtet. Medellin hat nach den letzten Gewaltexzessen durch die Armee und die Todesschwadronen Anfang der Nullerjahre eine beeindruckende Transformation geschafft. 

Durch die tödlichen Razzien in der Comuna 13 war offensichtlich das Rad der Gewalt überdreht, dass sich bei den Politikern eine Bewusstseinswandel eingestellt hat. Der Fokus wurde stärker auf die Sozialpolitik und die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Armenvierteln gelegt. In der berüchtigten Comuna 13 wurde in Kultur, Kunst und Infrastruktur investiert. Berühmt als Symbol für diesen Prozess sind die Rolltreppen in den Armenvierteln und die Seilbahnen, die den Transport in den steilen Armenvierteln deutlich verbesserten. 

Parque Avia

Wir haben noch kurz vor unserer Abreise die Netflix-Serie „Narcos“ angeschaut und uns deshalb gegen eine Stadtführung durch die Comuna 13 entschieden – zu präsent waren noch die Bilder von der Gewalt in der Serie. Stattdessen haben wir uns für eine lange Seilbahnfahrt zum Parque Arvi entschieden, um etwas zu wandern. Man konnte mit der Seilbahn auf die Berge auf ca, 2200m hochfahren und einen einzigartigen Rundweg durch den Naturwald gehen.Leider haben wir nicht soviele Vögel gesehen, wie erhofft. Der Rundweg war auf jeden Fall eine schöne Alternative zur Hektik der Stadt. 

Überall wird in Medellin für die gemeinsame Identität und den Stolz auf die Stadt geworben. Einen Teil der stärkeren Fokussierung auf die Sozialpolitik sind kostenfreie Sportanlagen. Wir habe das Schwimmbad der Liga de Natacion de Antioquia ausprobiert. Mit einem Ausweis und einer Badekappe kann man kostenlos schwimmen. Alle Stunde wird ein Kontingent neuer Schwimmer eingelassen. Alles ist einfach aber sauber. 

Die restliche Zeit verbringen wir mit Kaffeetrinken am Plaza Boltero, wo die Menschen zwischen den dicken Plastiken flanieren. Im Laboratorio del Café im Museo de Antioquia kann man sich die Bohnen aus dicken Gläsern aussuchen und sie dann mahlen und filtern lassen. Serviert wird der Kaffee dann in einem Erlmayerkolben. Sehr lecker. 

Am nächsten Morgen fahren wir vom Terminal de Sur in einem kleinen Minibus aus der Stadt. Es geht nur langsam voran im Stau. Durch offene Tür dringt der Abgasgestank hinein. Nach etwa einer Stunde verlassen wir die Metropole, die Straße wird zweispurig und schlängelt sich kontinuierlich in die Berge hinauf. Wir fahren in Richtung Salamina in der Kaffee-Region. 

Región Pácifico

Jetzt muss ich getreu dem Titel mal auf Geograf machen: 

Wir sind in Nuquí in der Provinz Chocó am Pazifik. Sie liegt in den Tropen und ist weit von tropischen Regenwald bedeckt. Es ist eine der regenreichsten Räume der Erde, mit 7.000 – lokal 10.000mm Niederschlag (zum Vergleich Hamburg: 770mm). Sie ist damit auch eine Region mit einer enormen Biodiversität. An mehr als 300 Tagen im Jahr regnet es. 

Bei unserem Bootsausflug in den Utriá-Nationalpark konnten wir auf einem angelegten Exkursionspfad die Vielfalt der Mangroven sehen, die in der Zone der sehr starken Tide liegt. Leider haben wir von den 270 Vogelarten, 140 Froschlurch-Arten und 70 Reptilienarten nur wenige gesehen. Aber ein Affe hat sich uns gezeigt. Leider war der Weg viel zu kurz, wir wären gerne noch weiter durch den Urwald gezogen. Ohne angelegten Weg ist der Wald allerdings undurchdringlich. In der Zeit von Juli bis Oktober kommen die Buckelwale in die warmen Gewässer vor der kolumbianischen Pazifikküste, um ihren Nachwuchs zu gebären. In dieser Zeit kann man die Wale auch vom Strand her beobachten. 

Die Provinz Chocó ist vom Hochland Kolumbiens sehr isoliert. Nach Nuquí kommt man nur mit dem Flugzeug, oder in langsamen 24 Stunden mit einem Frachtschiff von Buenaventura, der einzigen Stadt mit Straßenanschluss an der Pazifikküste. 

Dadurch ist die Wirtschaft in dieser Provinz sehr regional aufgestellt, es dominieren Fischfang und Holzwirtschaft. Aber auch Minen für Gold und Platinium spielen eine wichtige Rolle, auch wenn die Wertschöpfung der Minen nicht den Bewohnern zugute kommt. Im Gegenteil: Die Minen sind immer wieder Grund für Konflikte zwischen den indigenen Menschen, denen das Land gehört, und den Minenbesitzern. So ist die Präsenz von Polizei und Militär hoch: Als ich eben durch die Hauptstraße von Nuquí ging, kam mir ein ganzer Trupp von Soldaten mit Maschinenpistolen im Anschlag entgegen. In Nuquí und in Puerto Solano spielt auch der Tourismus eine zunehmende wirtschaftliche Rolle. 

Durch die vorwiegend regionalen wirtschaftlichen Aktivitäten lebt die Mehrzahl der Menschen in Nuquí an der Armutsgrenze. In Nuquí sind die Häuser sehr einfach, meist sind sie noch eine Baustelle. Verputzte Wände sind ein Luxus. Man lebt meist auf der Straße, auch weil es keine Autos gibt. 

Der Chocó wird vorwiegend von afro-kolumbianischen Menschen bewohnt. Zweitgrößte Bevölkerungsgruppe sind die indigenen Embera, von denen viele in geschützten Dörfern an der Küste und an Flüssen leben. 

Das ganze Jahr über liegen die Höchsttemperaturen um 28-30°. Das Leben zeigt sich dadurch für uns viel, viel langsamer, als wir es aus Deutschland gewohnt sind. Wir brauchten einige Tage, um uns an diesen Rhythmus anzupassen. Wenn ich durch die Straßen gehen, habe ich immer das Gefühl, hier gibt es etwas zu tun. Wir bleiben eine Woche in Nuquí, vielleicht ändert sich der Blick mit der Zeit. 

Leider ist auch der Müll ein Thema hier: Zwar hängen viele Schilder und Plakate herum, die darauf hinweisen, keinen Müll zu produzieren, aber der Mentalitätswechsel ist sicher langwierig. Die freundlichen Damen von der Stadtreinigung gegen sehr sorgfältig die Blätter von den Straßen, über den daneben liegenden Flaschen und Verpackungen sehen sie hinweg. Ein großes Ärgernis ist auch der Müll, der vom Meer her an den Strand gespült wird. Hier landet an den Stränden, was weit draußen von den Schiffen ins Meer gekippt wird. Das zunehmende Problem, dass das Meer als Müllkippe angesehen wird, ist hier deutlich am Strand zu sehen. 

https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/meere/meeresschutz/muellkippe-meer

Hier eine musikalische Impression aus Nuquí von der Band ChocQuibTown

Heute morgen sind wir zu einer Bootstour in Richtung Süden aufgebrochen, in Richtung Termales. Dort befinden sich warme Quellen, was den Geografen daran erinnert, dass wir uns an einer Plattengrenze befinden. An der Küste Südamerikas taucht die Nazca Platte unter die Südamerkanische Platte.

An diesen Plattengrenzen steigt oft heißes Magma auf und es kommt zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Die ganze Andenkette ist durch diese Plattengrenze entstanden. 

https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdamerikanische_Platte

Also, nach diesem kleinen Exkurs: Wir sitzen das zweite Mal in kurzer Zeit in ‚Heißen Töpfen‘, das erste Mal in Island bei ca. 10° Außentemperatur, heute mit 38° Wassertemperatur bei 29° Lufttemperatur. Trotzdem war es sehr angenehm, mitten im Urwald in einem warmen Becken zu sitzen. 

An der ‚Playa Gauchalito‘ sind wir einem Traumstrand begegnet. Ein von Felsen durchsetzter Strand, dahinter beginnt gleich der tropische Regenwald. Ein kleiner Steig führt an einem Wasserlauf direkt in ihn hinein. Ein Schild weist auf die ‚Cascada del Amor‘ hin. Der Wasserfall der Liebe, weil der Bach in einer Herzform fließt – sie sind romantisch, die Kolumbianer. 

Am Strand reihen sich Hütten und Lodges aneinander, aber im entspannten Abstand. Wir sind aber in der Nebensaison hier, man sieht nur selten einzelne Touristen. Das Mittagessen ist wieder sehr lecker im Weiler Jovi, aber wir bestellen vegetarisch, sonst bekommen wir noch einen Eiweisschock bei dem ganzen Fisch: morgens Fisch, abends Fisch, dann muss mittags mal das Gemüse ran. 

Als wir wieder in unser Hostel Escombros del Mar eintreffen, spielen auf dem Bildsschirm: Bayern München gegen Hoffenheim. Und St. Pauli ist immer noch 17. 

Neue Reise: Kolumbien

Es geht wieder nach Südamerika.

Am 31.01.2026 gehe ich in den Ruhestand. Um den Start in den neuen Lebensabschnitt zu feiern, fahre ich mit Kathrin drei Monate nach Kolumbien.

Damit ihr uns begleiten könnt, reaktiviere ich meinen alten Geografunterwegs-Blog wieder und berichte von unseren Etappen und Aktivitäten.

Zuerst geht der Flug nach Bogotá, dann am nächsten Tag gleich weiter über Medellin nach Nuquí an der Pazifikküste. Dort bleiben wir erstmal eine Woche am Strand. Von dort aus melden wir uns wieder.

Lateinamerika: Das Militär kehrt zurück

Nach meinen drei Monaten in Peru, Bolivien und Chile bleibt mein internationales Interesse bei der Entwicklung in Lateinamerika bestehen. So stellte Adam Scherpf vom GIGA-Institut (Leibnitz-Institut für Internationale und regionale Studien) in Hamburg sein Papier „Das Militär kehrt zurück“ beim Landesausschuss Europa und Internationales der Grünen vor.

https://www.giga-hamburg.de/de/publikation/das-militär-kehrt-zurück

Seine Kernthesen möchte ich hier wiedergeben:

  1. Nach mehr als einem Jahrzehnt „rosa Wende“, die den meisten Länder Lateinamerikas linkere, demokratischere Regierungen an die Macht gebracht hat, scheint jetzt eine Phase eingeläutet zu sein, in dem die Militärs wieder mehr Einfluss auf die Politik bekommen. Beispielhaft für diese Entwicklung steht die Wahl Bolsanaros in Brasilien zum Präsidenten.
  2. Die Bevölkerung scheint diese Tendenz mehrheitlich gutzuheißen. Das Militär genießt ein viel größeres Vertrauen als die eigentlich für die innere Sicherheit zuständige Polizei.
  3. Das Militär gefährdet die zivilgesellschaftlichen Gruppen, die für Gleichheit und sozialen Ausgleich eintreten. Damit ist die Demokratisierung der letzten Jahre auf dem Kontinent in Gefahr.
  4. Ursache für die wohlwollende Einstellung der Bevölkerung scheint es, dass die Regierungen nicht gelungen ist, die Korruption und die öffentliche Gewalt durch Drogen- und Jugendbanden einzudämmen. Die Bevölkerung scheint hier schnell nach der „harten Hand“ zu rufen.
  5. Das Militär hat in keinem Land bisher die drängenden Probleme der Korruption und Gewalt gelöst. Eher wurde die gesellschaftliche Ungleichheit verschärft und demokratische Errungenschaften eingeschränkt.
  6. Lateinamerika ist kaum im Fokus der europäischen Außenpolitik. Adam Scherpf schätzt die Lage aber so ein, dass die Länder aus eigener Kraft ohne internationaler Unterstützung die großen sozialen und gesellschaftlichen Probleme nicht lösen könnten. Hierbei sollten sich die Europäische Union mehr engagieren.

Den vollständigen Artikel findet man hier:

https://www.giga-hamburg.de/de/publikation/das-militär-kehrt-zurück

Bild: Graffiti in Valparaiso, 2018

Menschenrechte schützen!

Bevor ich nach Südamerika aufgebrochen bin, habe ich als eines der ersten Beiträge hier über einen TAZ-Artikel berichtet, der das Thema „Menschenrechte“ bei Abbau von Kupfer in Peru zum Thema hatte. Die Vereinten Nationen wollen einen Vertrag zu Menschenrechten in der Wirtschaft völkerrechtlich verbindlich machen. Deutschland und Europa bremsen hier https://geografunterwegs.wordpress.com/2018/09/26/ueber-den-atlantik/

Jetzt hat Attac eine Petition aufgelegt, in der die EU und Deutschland aufgefordert werden, die Menschenrechte vor die Konzerninteressen im internationalen Handel zu stellen:

Menschenrechte schützen – Konzernklagen stoppen!

An den Präsidenten der Europäischen Kommission, die EU-Ratspräsidentschaft, Vertreter und Vertreterinnen der EU-Mitgliedstaaten und Mitglieder des Europäischen Parlaments

„Die heutigen Handels- und Investitionsabkommen geben Konzernen weitreichende Sonderrechte und Zugang zu einer Paralleljustiz, um diese Rechte durchzusetzen.

Wir fordern die EU und ihre Mitgliedstaaten auf, diese Privilegien zu beenden, indem sie sich aus Handels- und Investitionsabkommen zurückziehen, die Sonderklagerechte enthalten, und künftig keine solchen Abkommen mit Sonderklagerechten mehr abzuschließen.

Außerdem fordern wir die EU und ihre Mitgliedstaaten auf, sich für das aktuell verhandelte UN-Abkommen (Binding Treaty) einzusetzen, das Konzerne für Menschenrechtsverstöße zur Rechenschaft zieht und damit ihre Straflosigkeit beendet.

Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen Konzerne gesetzlich verpflichten, in Auslandsgeschäften die Menschenrechte sowie Umwelt- und Sozialstandards zu achten.

Betroffene von Menschenrechtsverstößen durch Konzerne müssen Zugang zu Gerichten haben.“

Während Konzerne gegen demokratisch entstandene Gesetze klagen können, sind Betroffene von Menschenrechtsverletzungen meist machtlos. Wenn wir wirklich eine gerechtere Weltordnung wollen, muss dieses Ungleichgewicht aufgehoben werden. Wenn deutsche Firmen international einkaufen, sollten sie nachweisen können, dass bei der Produktion keine Menschenrechte missachtet wurden. Der einfache Hinweis, man würde sich an internationales Recht halten, darf nicht ausreichen.

Ich bitte alle diese Petition zu unterschreiben. Hier geht es zum Link: https://www.attac.de/kampagnen/menschenrechte-vor-profit/jetzt-unterzeichnen/

San Pedro de Atacama

22° 54′ 53″ S, 68° 11′ 39″ W

Die trockenste Wüste der Welt. Der klarste Sternenhimmel auf Erden. Viele Superlative haben uns in die Atacama-Wüste gezogen.

Mit dem Sternenhimmel ist es nichts geworden. In der Woche in San Pedro scheint der Vollmond so hell, dass nur die hellsten Sterne eine Chance haben. So bleibt der erwartete grandiose Sternenhimmel uns verwehrt. Dafür scheint der Mond sensationell hell.

San Pedro ist eine Touristenstadt. Gerade vor Weihnachten scheint sich die Stadt zu füllen. Die Hauptstraße ist voll von Menschen, die Touragenturen und Restaurants liegen Seite an Seite. Nach den ruhigen Tagen in Bolivien sind wir doch etwas geschockt. Doch das Positive: es gibt viele Mountainbike-Verleiher, die akzeptable Räder anbieten. So besorgen wir uns dreimal für einen Tag ein Rad, um dem Trubel zu entfliehen. Mit dem Rad in die Wüste fahren ist schon ein besonderes Erlebnis:

Die besonderen Wüsten-Attraktionen bei San Pedro sind die Blicke auf die Vulkane der westlichen Andenkette …

… die Oase bei Catarpe …

… das Valle de la Luna mit seinen vielen bizarren Gesteinsformationen …

… und die tollen Farben mit dem klaren Licht.

Wieder zurück in Hamburg

Von Santiago de Chile ging es an Silvester zurück in die alte Welt nach drei Monaten Peru, Bolivien und Chile. Ich lade die tausende Fotos und Filme auf meinen Computer. Ich versuche mich an den Nieselregen zu gewöhnen. 

Über den Blog versuche ich alle Eindrücke zu verarbeiten, einzuordnen und zu sortieren. Ich werde mich also hier weiter zum Thema Südamerika melden. 

Die Reiseroute

Am 1. Februar geht es weiter nach Süd-Ost-Asien. Thailand ist das erste Ziel. Die ersten Unterkünfte sind schon gebucht. Der April gehört Nepal. Nachdem die Besteigung des Volcán Laskar gezeigt hat, dass wir auch Höhen über 5000m gut bewältigen können, wollen wir einen Trek im Everest-Gebiet angehen. 

Vorher muss ich mich aber noch um meine berufliche Weiterentwicklung kümmern. Nach sieben Jahren Stadtteilschule Niendorf steht ein neuer Schritt an. Oder es gibt in Niendorf etwas neues zu entwickeln? Ich bin gespannt. 

„Die Macht der Geographie“: Begleiter meiner Reise durch Südamerika

„Lateinamerika, insbesondere sein Süden, ist der Beweis, dass man zwar das Wissen und die Technologie der Alten Welt in die Neue bringen kann, der Erfolg aber überschaubar bleibt, wenn man die Geographie gegen sich hat und auch noch die Politik falsch einschätzt. So wie die Geographie den Vereinigten Staaten half, eine Großmacht zu werden, sorgt jene der zwanzig Staaten im Süden dafür, dass keiner davon groß genug wird, um den nordamerikanischen Giganten ernsthaft herauszufordern, beziehungsweise verhindert, dass sie zusammenkommen, um dies gemeinsam zu tun.“

Die Macht der Geographie, Marshall, Tim, S. 286 im eBook

Das Buch von Tim Marshall Die Macht der Geographie hat mich auf meiner Südamerikareise begleitet. In seinem Buch zeigt Marshall auf, welchen Einfluss die geografischen Gegebenheiten auf die Entwicklung der Kontinente und die Handlungen der Mächtigen haben.

Eine von Marshalls Thesen ist, dass sich die USA zu einer Weltmacht entwickeln konnte, weil dort das Land, dass die Kolonialisten den Einheimischen weggenommen haben, in kleinen Einheiten unter den Neusiedlern aufgeteilt wurde. In Südamerika wurde dagegen das feudalistische System der iberischen Halbinsel eingeführt, bei dem wenige mächtige Großgrundbesitzer und die Bevölkerung in leibeigenen Verhältnissen leben. Die Auswirkungen dieses Systems behindern bis heute die Entwicklung der Länder des Südens Amerikas. An der Grundidee, das Land und die Menschen möglichst intensiv auszubeuten und den Mehrwert nach Europa zu transportieren, habe sich auch durch die Unabhängigkeit der südamerikanischen Staaten am Anfang des 19. Jahrhunderts nichts grundlegend geändert. Die Machtverhältnisse blieben die gleichen, nur der Einfluss der Spanier und Portugiesen wurde zurückgedrängt.

Die Geografie Südamerikas habe ich hautnah am eigenen Leib kennengelernt. In Lima kam ich in der Küstenwüste an, wo es kaum regnet. Die Wüste zieht sich vom Norden Perus bis weit nach Süden in Chile. In Chile liegt auch die Atacamawüste, die trockenste Wüste der Welt.

Atacama-Wüste bei San Pedro

Die Atacamawüste habe ich im letzten Teil meiner Reise besucht. Trotzdem haben sich, wie Marshall erklärt, die meisten Städte an der Küste gegründet, und sie beherbergen mittlerweile den Großteil der Bevölkerung von Peru und Chile.

nördlich von Lima auf der Panamericana

Die Eliten und Wirtschaftsunternehmen blieben an der Küste, trotz lebensfeindlicher Landschaft drumherum. Entsprechend wenig kümmerten sie sich um die Entwicklung des Binnenlandes. Verkehrsverbindungen gab es nur zu den Metropolen an der Küste, die Verkehrsverbindungen unter den Städten im Binnenland wurden vernachlässigt. Inzwischen leben in viele südamerikanischen Staaten mehr als 30% der Bevölkerung in den Städten der Küste (Marshall, S. 286).

In Peru hat der jahrelange Bürgerkrieg zwischen 1980 und 2000 das Binnenland weiter entvölkert. Der Terror des sendero luminoso und der Gegenterror der paramilitärischen Truppen ließen viele Menschen in die Hauptstadt flüchten. Lima ist heute auf über 9 Millionen Menschen angewachsen und von einem riesigen Gürtel aus Siedlungen aus der Landnahme (pueblos jovenes) umgeben:

pueblos jóvenes in Lima

Marshall beschreibt deutlich, wie diese Raumstruktur die Entwicklung Südamerikas behindert haben. Die Verkehrsentwicklung ging nicht in die Fläche, die Zentren wurden kaum miteinander vernetzt. Erst in den letzten Jahren wird versucht, die Defizite aufzuholen. Marshall vermutet jedoch, dass die Bemühungen noch Jahre brauchen und riesige Summen verschlingen werden.

Auch interkontinentale Verbindungen sind kaum vorhanden. Erst vor wenigen Jahren haben Peru und Brasilien eine durchgehende Straßenverbindung vom Pazifik zum Atlantik eröffnet. Hier die neugebaute Brücke dieser Verbindung in Puerto Maldonado:

Puerto Maldonado, Interozeanica, Rio Madre del Dios
Warentransport findet fast vollständig mit dem LKW statt


Ob der Transport mit LKW die nötigen Impulse für eine Industrieansiedlung geben kann, scheint fraglich. Die Bezeichnung puerto für Maldonado wirkt eher lächerlich. Man besitzt zwar ein Marinekommando und eine stolze Hafenbehörde, aber im „Hafen“ legen nur ein paar Langboote für die Touristen an, die über wackelige Stege ein- und aussteigen müssen. Ein Warentransport über die Flüsse des Amazonastieflands scheint nicht möglich und stellt einen großen Hindernisgrund für die Verkehrserschließung Südamerikas dar.

Auch Bolivien hat mit Brasilien zusammen Pläne verabschiedet, eine transkontinentale Eisenbahnlinie zu bauen. Bioceanica. Die Eisenbahn soll den peruanischen Pazifikhafen Ilo mit dem brasilianischen Atlantikhafen Santos verbinden. Die Überwindung der riesigen Anden und der großen Entfernungen von über 3000km werden große technische und finanzielle Anstrengungen bedeuten. Für Bolivien ist der „Panamakanal auf Schienen“ auch ein Prestigeprojekt. Bolivien verlor im 19. Jahrhundert im Salpeterkrieg gegen Chile seine Pazifikhäfen. Das bedeutet einen großen Nachteil im internationalen Handel. Noch letztes Jahr versuchte die bolivanische Regierung durch eine Klage vor dem internationalen Gerichtshof einen Zugang zum Pazifik zu erklagen. Wenige Tage vor meiner Ankunft in Südamerika hat der Gerichtshof in Den Haag die bolivianische Klage abgewiesen. In den Gondeln der Seilbahn über El Alto lässt Evo Morales für die „mar por Bolivia-Kampagne“ werben (Bild). https://www.elcomercio.com/afull/bolivia-chile-guerradelpacifico-lahaya-paraquecaches.html

Marshall berichtet, dass sich Bolivien beharrlich weigert, sein Erdgas an Chile zu verkaufen. Den Deal „Gas für ein Stück Küste“ lehnt wiederum Chile ab. „Nationalstolz und geographische Notwendigkeiten triumphieren auf beiden Seiten über einen diplomatischen Kompromiss“ (S.291).

El Alto, Bolivien

Neben der Küstenwüste sind sicher die Anden das markanteste Gebirge, das den südamerikanischen Kontinent strukturiert. (Karte von Douglas Fernandez, flickr.com, cc-by):

Die Anden bezeichnet den Teil der längsten Bergkette der Welt, die sich von Alaska bis Feuerland, über weite Teile in drei nebeneinanderliegenden Teilketten, hinzieht. In Peru und Bolivien waren die Anden die Heimat vieler Hochkulturen, nicht nur der Inka. Diese Kulturen haben dieses gigantische Gebirge mit seiner speziellen Geografie immer perfekter genutzt. Mein Wanderführer bezeichnete Macchu Picchu als die Universität der Inka, an der Kalender, Universum und landwirtschaftliche Anbaumethoden erforscht wurden. Nach der Eroberung der Spanier wurden diese Kulturen ausgelöscht oder versklavt, und das Andenhochland wurde nur noch nach Bodenschätzen ausgebeutet. Die an die spezielle Geografie angepasste Bewirtschaftung ging bis heute verloren. Die Andenräume konnten nicht an die Entwicklung der Küstenräume anknüpfen.

Machu Picchu, eine „Inka-Universität“, nie von den Spaniern entdeckt

Marshall behauptet, dass Südamerika im Verhältnis zu Nordamerika und Europa „nicht am Scheideweg“ in eine bessere Zukunft steht, „sondern da, wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen“ (S. 289). In Südamerika sei alles weit weg von allem. Als ich durch die Anden gereist bin, konnte ich dieses Gefühl sehr gut nachvollziehen. Ich fühlte mich von allem ganz weit weg. Allein ganz physisch sitzt man Stunden und Tage im Bus oder im Minivan, um von A nach B zu kommen. Mit schien in den Anden alles eine Nummer größer, als ich es aus Europa gewohnt war: Die Berge höher, die Schluchten tiefer, die Flüsse breiter – und die Menschen ärmer. Das Bild von „Fuchs und Hase“ scheinen auch die Peruaner so zu sehen. Wer aus dem Hochland etwas werden will im Leben, geht in die Städte an der Küste. Allein Cusco kann als Touristenmagnet etwas mehr Infrastruktur entgegensetzen.

Die Grundidee, dass die Anden nur zum Mineralienabbau zu nutzen sind, zeigt sich auch an der Minen-Politik der peruanischen Regierung. Die größte Goldmine auf dem Kontinent, Yanacocha bei Cajamarca, verseucht durch das verwendete Quecksilber die Grundwasser der Region, die Proteste der Bergbauern werden aber mit Polizeigewalt niedergeschlagen. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass die besonderen Lasten für die betroffenen Regionen von dem aus dem Berg geholten Reichtümern etwas nachbleibt. Insofern gilt das koloniale Prinzip der Ausbeutung auch heute noch. https://de.wikipedia.org/wiki/Yanacocha

Goldmine Yanacocha

Östlich der dritten Anden-Kordelliere beginnt das Amazonas-Tiefland. Ich habe Tarapoto, Tingo Maria und Puerto Maldonado, das richtig im Tiefland liegt, besucht. Der Regenwald ist für mich natürlich faszinierend mit seiner Tier- und Pflanzenvielfalt. Der Regenwald ist ja nicht nur schön anzusehen, sondern spielt als Sauerstoffquelle, CO2-Speicher und als Gen-Speicher weltweit eine herausragende Rolle. Da ist es natürlich schmerzlich zu sehen, wie stark der Regenwald schon abgeholzt ist und noch wird. Aber der Trend zum Abholzen ist noch lange nicht gestoppt. In Puerto Maldonado spielt das legale und illegale Goldwaschen in den Flüssen eine große Rolle für die Wirtschaft – und für die Umweltverschmutzung. Versuche der peruanischen Polizei, den illegalen Goldabbau zu unterbinden, stieß immer wieder auf den Protest der einheimischen Bevölkerung. Jetzt wird die Polizei einfach besser bezahlt – durch die Goldschürfer und nicht durch den Staat. Dadurch ist trotzdem möglich, was offiziell verboten ist.

Puerto Maldonado vom Torre de la Diversidad aus gesehen

Marshall beschäftigt sich mit dem Amazonas-Regenwald am Beispiel Brasilien, das ich nicht besucht habe:

„Sein Gebiet umfasst ein Drittel der Landmasse Südamerikas, es ist fast so groß wie die USA, seine 27 Bundesstaaten haben eine Fläche, die größer ist als die aller 28 EU-Staaten zusammen, aber im Gegensatz zu diesen fehlt ihm die Infrastruktur, um ebenso reich zu sein. Ein Drittel von Brasilien besteht aus Dschungel, und dort Land für eine moderne Bebauung zu gewinnen ist extrem teuer und in manchen Gebieten auch illegal. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ist langfristig ein ökologisches Problem für die ganze Welt, aber für Brasilien ist sie auch ein mittelfristiges Problem: Die Regierung gestattet Bauern die Brandrodung und Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen, aber der Boden ist so schlecht, dass Ackerbau binnen weniger Jahre nicht mehr möglich ist. Die Bauern ziehen dann hinaus und roden ein weiteres Stück Dschungel, doch Regenwald, der einmal abgeholzt ist, wächst nicht nach. Das Klima und der Boden arbeiten der Entwicklung von Landwirtschaft entgegen.“ (S. 304)

Verbesserte Verkehrsverbindungen locken auch mehr Menschen in das Regenwald-Tiefland, was die Rodung beschleunigt.

Das Problem mit dem Regenwald: Ist der Primärwald erstmal abgeholzt, kann man ihn nicht wieder aufforsten. Hier gilt, „weg ist verloren“.

Weiter nach Süden komme ich nach Chile. Bei Marshall wird Chile nur sehr am Rande behandelt, obwohl es das reichste Land Südamerikas ist. Er beschäftigt sich näher mit Argentinien und Brasilien. Trotzdem konnte ich in Chile eines der wichtigsten geopolitischen Merkmale beobachten.

Valparaiso: Cárcel viejo, mitten in der Stadt. Unser Guide von einer free walking tour berichtet von den Schreien, die 1973 aus dem Gefängnis über die Stadt hallten. In diesem Gefängnis waren die politischen Gefangenen nach dem Militärputsch gegen Präsident Allende eingepfercht. Dieser Militärputsch war eines der ersten weltpolitischen Ereignisse, die ich bewusst als Schüler wahrgenommen habe. Ich kann mich noch heute an das SPIEGEL-Titelblatt erinnern.

An dem Militärputsch war der CIA maßgeblich mit beteiligt. Die Welt befand sich 1973 mitten im Kalten Krieg, die USA war dabei, den Vietnamkrieg zu verlieren. Die USA wollten keine linksgerichtete Regierung auf dem dem amerikanischen Kontinent dulden. Die geopolitische Idee dahinter: die Monroe-Doktrin. Marshall erklärt sie so:

„Die lateinamerikanischen Länder haben keine natürliche Affinität zu den USA. Die Beziehungen werden von der amerikanischen Ausgangsposition beherrscht, die mit der Monroe-Doktrin 1823 … in der Rede von Präsident Monroe zur Lage der Nation dargelegt wurde. Die Doktrin erteilte europäischen Kolonialbestrebungen eine Absage und erklärte wortreich, dass Lateinamerika der Vorgarten und der Einflussbereich der USA sei. Die Doktrin hat die Ereignisse seither orchestriert, und viele Lateinamerikaner sind der Meinung, dass die Ergebnisse nicht immer positiv waren.“

Die Militärdiktatur in Chile dauerte fast 20 Jahre. Anfang der Neunziger Jahre, nach Ende des Kalten Krieges, wurde schrittweise die Demokratie wieder eingeführt. Unser Guide in Valparaiso rät uns aber, im Gespräch mit Chilenen beim Thema Diktatur sehr vorsichtig zu sein. Die chilenische Gesellschaft sei immer noch sehr gespalten in der Bewertung dieser Zeit. Ich frage ihn nach dem Geschichtsunterricht: Nein, dieses Thema würde in der Schule ausgespart.

Wer genaueres nachlesen will, schaue doch in das Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/internationales/amerika/lateinamerika/44689/schwieriges-erbe?p=all

Santiago, Museum für Menschenrechte und Versöhnung. Hier hängt eine ganze Wand voll mit den Bildern der Verschwundenen der Militärdiktatur. Sie sind auch Opfer der Monroe-Doktrin, die letztlich bis heute gilt, auch wenn die USA sich in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr so stark in Lateinamerika eingemischt haben. Aktuell scheint ja die Politik der USA eher in Richtung Abschottung zu gehen, siehe den Streit um die Mauer nach Mexiko.

Vor dem Museum ist die allgemein Erklärung der Menschenrechte in Metall angeschraubt. Sie stehen aus meiner Sicht über allen geografischen Besonderheiten und gelten in Bergen und Wüsten, auf Flüchtlingsschiffen auf den Ozeanen wie auch im Regenwald.

Vielleicht habe ich ja etwas Lust auf Geopolitik gemacht anhand meiner Reiseerfahrungen aus Südamerika. Dann sollte man sich das Buch von Tim Marshall gönnen.

Valparaiso

33,045646 W, 71.620361 O

Die Stadt der Spraydosen. Die Wände scheinen durch Farbe zusammen gehalten zu werden. Es gibt kaum ein freie Fläche, die nicht mit Tags, Grafities oder Murales bedeckt ist. Alles ist bunt und in leuchtende Farben getaucht. Das Farbige täuscht dann über das bruchige und kaputte hinweg. Die Freude am Farbigen scheint von den Künstlern auf die Bewohner übergesprungen zu sein, alle malen ihre Häuser in grellen oder pastelligen Farben an. Damit die Tagger nicht gleich den neuen Anstrich mit ihren Zeichen überziehen, wird die Wand gleich einem Künstler zur Verfügung gestellt, seinen Entwurf in die Öffentlichkeit zu bringen. Wer kann, bezahlt zumindest die Farbe. Wer ein Geschäft hat, kann meist eine Auftragsarbeit vergeben.

Dadurch ist die Stadt einfach bunt und gleicht einer öffentlichen Galerie. Valparaiso ist neben Sao Paulo und Bogotá die Streetart-Hauptstadt Südamerikas.

Wir treffen am plaza Anibal Pinto unseren guia für die streetart-Tour. Wir erfahren, dass Ende der sechziger Jahre Pablo Neruda, der chilenische Literatur-Nationalheld den mexikanischen Wandmaler Diego Riviera nach Valparaiso einlud, um eine von einem Tsunami zerstörte und wieder aufgebaute Schule zu gestalten. In Mexiko hatten die murales, die politischen Wandbilder, seit der Revolution in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Tradition. Es wurde der Startschuss für die Streetart in Valpariso. Allerdings wurde die Entwicklung durch die Militärdiktatur zwischen 1973 und 1990 unterbrochen. Die streetart-Künstler waren aber beteiligt an der Bewegung zur Wiedereinführung der Demokratie Anfang der 90er Jahre. Aber richtig in Schwung kam die Bewegung erst wieder in den ersten 2000er Jahren. Auch viele europäische streetart-Künstler kamen nach Valparaiso, um hier zu arbeiten.

Streetart scheint heute zum Tourismusfaktor geworden zu sein. Offiziell ist Streetart immer noch Sachbeschädigung, aber sie wird durch die Behörden toleriert. Sie ist ja auch zum zum Wirtschaftsfaktor geworden. Einige Künstler arbeiten auch mit den Jugendlichen von der Straße, um sie von Drogen und Gewalt wegzubringen.

Der Plaza del Descanso wurde mit der benachbarten Grundschule gemeinsam gestaltet. Die Geschichte besagt, dass die Sargträger auf dem steilen Weg von der plan, dem schmalen flachen Küstenstreifen, auf den Hügel, wo der Friedhof liegt, hier auf halber Höhe eine Pause einlegen mussten (descansar – ausruhen).