Punta Union, 4750m Höhe
Ein Schritt, einen Atemzug, ein – aus – links – rechts. Mit den Stöcken tick – tack. Vom zweiten Zeltplatz Taullipampa auf 4200m geht es 500m hoch auf den höchsten Punkt des Santa-Cruz-Trail. Die Luft ist dünn, klar und kalt. Um 7.30 Uhr brechen wir auf; Esteban, unser guia, ruft: listo? fertig?
Um 6.00 Uhr sind wir aufgestanden, der Blick auf die die Uhr zeigt 4 Grad. Der coca-té wird von Esteban an das Zelt serviert. Anschließend gibt es noch eine Schale warmes Wasser zum waschen. Im roten Essenszelt serviert der cocinero da Frühstück. Wir werden von einem Bergführer, einem Koch und einem Eselsführer betreut, drei Personen für vier Kunden. Das ist eine Betreuung, von der man nur träumen kann.

Der Zeltplatz liegt am Fuße des 5830m hohen Nevado Tauliraju. Deutlich sieht man die Gletscher von den Bergflanken herunterhängen. Aber es ist nicht mehr zu übersehen, unterhalb der Gletscherzungen zeigt das nackte Gestein die großen Zonen, die noch vor gar nicht so langer Zeit vom Gletscher bedeckt waren. Esteban berichtet, dass der Gletscher noch vor kurzer Zeit bis hinunter in den Gletschersee hineinragte. Der Klimawandel lässt die Gletscher der Anden besonders schnell schmelzen. Ich kann froh sein, diese Gletscherzonen noch bewundern zu dürfen. In zehn Jahren dürften sie verschwunden sein.

Los ging der Trek in Cashapampa, am Westhang der Cordelliera Blanca, des weißen Gebirges. Drei stunden Minibus von Huaraz über Caraz, dann über eine ausgesetzte Schotterstraße mit grandiosen Blick über das Tal zwischen der Cordelliera negra und und blanca. Die erste Etappe fordert 4 Stunden Aufstieg, und es ging gleich zur Sache. Noch nicht eingelaufen, und schon ging der Weg forsch Bergan. Die Landschaft war eher kahl und ausgetrocknet.

Zum Glück trugen drei Esel unser Gepäck. Zur Mittagszeit hielt der Cocinero schon das Mittagessen bereit. Aber die höhe von über 3000m macht sich in Erschöpfung breit, als wir gegen drei denn ersten Zeltplatz Llamacoral erreichen. Vom Zeltplatz aus können wir die ersten schneebedeckten Gipfel sehen, und auch schon unser Höhenziel, den Punta Union, noch in weiter Ferne.

Die Kälte kommt mit tiefergehender Sonne, aber das tolle Licht treibt mich immer wieder aus dem Aufenthaltszelt zum fotografieren hinaus.

Die nacht forderte den Schlafsack und die restliche Kleidung heraus, und ich konnte trotz 5 Grad Celsius gut schlafen. Als am Morgen gegen sieben die Sonne hinter dem Berg hervorkommt, geht die Temperatur schnell über 20 Grad, aber nur dort, wo der Wind nicht hinpfeift. Zum Glück fängt dei zweite Etappe in den ersten Stunden fast eben an und passiert mehrer Lagunen. Nach drei Stunden dahinschlurfen im Flussbett will das Mittagessen doch erarbeitet werden. In engen Serpentinen laufen wir am nördlichen Talhang hoch, 300m zu einem mirador, von wo aus man den angeblich schönsten Berg der Welt sehen kann, den Nevado Apamayo. Er diente zur Vorlage für den berühmten Paramout-Berg. Allerdings wird er dort von Norden aus gezeigt, wir sehen ihn von Süden.

Der Koch wartete schon mit seiner karierten Tischdecke auf uns, so dass wir mit einer grandiosen Aussicht speisen konnten. Der aufstieg zur zur beeindruckenden Lagune mussten wir leider überstürzt abbrechen, da gerad nach Ankunft am Aussichtspunkt erst Hagel und dann heftiger Regen loslegte. Statt die Aussicht zu genießen, musst ich schnell in die Regenkleidung schlüpfen und Rücksack und Kameratasche regenfest machen. Begleitet wurde ich von dem Donnern der vom Gletscher abbrechenden Eisblöcken, die krachend in den Gletschersee fielen. In voller Montur zum zweiten zeltplatz, Taullipampa.

Der Abend wurde richtig „scheißkalt“. Handschuhe, Dauenjacke, und alles andere konnten nur die dürftigste Körperwärme halten. Zum Glück konnte ich noch die neue Wolldecke, die Kathrin mir mit auf die Reise gegeben hat, um den Körper schlingen.

Nach dem tollen Abendessen gab es noch eine Runde Kniffel (oder wie das auch immer auf belgisch heißt) mit dem belgischen Paar und der australischen Reisebegleitung, bis es endlich 20 Uhr wurde und wir in die Zelte gehen konnten.

Und dann am dritten Tag der Puta Union.

Der Abstieg nach Osten ließ die Landschaft immer grüner werden. Mit jedem Höhenmeter nahmen die Bäume zu und die Landschaft wurde lieblicher. Nach langer strecke erreichen wir den Zeltplatz Cachinapampa, nachdem es sofort nach unserer Ankunft an zu regnen fängt, welch ein Glück. Kurz nach uns kommt ein deutsches paar durchnässt an und muss selbst das Zelt in strömenden regen aufbauen und dann mit allen nassen Sachen in das viel zu kleine Zelt kriechen. Ich beneide sie nicht.

Am letzten Tag hat uns die die Zivilisation wieder. Wir verlassen den Nationalpark und durchqueren kleine Dörfer mit verteilt in der Landschaft liegenden Häusern.

Nach drei stunden durch eine schöne Kulturlandschaft erreichen wir Valqueria, dem Start- und Endpunkt des Santa-Cruz-Trek auf östlicher Seite. Erstmal ein Bier mit unserem tolle Begleiterteam trinken, bevor wir in einen Minibus steigen, mit dem wir wieder nach Huaraz zurückkommen

Vorher fahren wir noch über den Portachuelo de Llanganuco, 4800m, von der die Straße beeindruckend nach unten führt.

Den Huascaran, den höchsten Berg Perus sehe wir leider nicht, er bleibt in Wolken.
Es war einen tolle Tour, die die Agentur huascaran-peru.pe organisiert hat.