Herausforderung Stockholm – Hamburg mit dem Rad

Zwei Tage vor unserer Abfahrt bekomme ich eine Mail von Svenska JernBahnen, dass unser Nachtzug nach Stockholm vom Bahnhof Harburg abfährt, und das drei Stunden früher. Aber der Ersatzzug kommt, und er bringt uns in 15 Stunden in die schwedische Hauptstadt. Mit der U-Bahn können wir fast bis zum Zeltplatz fahren. Nach einem kleinen Altstadt Bummel am Nachmittag checken wir noch einmal die Räder, und dann kann es am Montagmorgen losgehen auf die Herausforderung, Stockholm – Hamburg.

Ankunft in Stockholm Central

Doch die Abfahrt wird recht holperig: wir stellen spät am Abend fest, dass ein Schüler seinen Helm vergessen hat, ein anderer seine Regenjacke und ein dritter keine Isomatte hatte. So mussten wir also einen Trupp zusammenstellen, der ein Outdoorgeschäft aussucht und am Morgen die fehlenden Dinge nachkauft. Die andere Gruppe macht sich auf den Weg. Doch auch dort ist nach nur 2 km Schluss. Ein Schüler schaltet seine Kette, so dass sie sich zwischen dem kleinen und dem mittleren Kettenblatt verklemmt. Nur mit sehr großer Mühe und mit roher Gewalt bekommen wir die Kette wieder frei. Es wird deutlich, dass er nicht weiter fahren kann. Wir fahren zu dem nächstgelegenen Fahrradladen. Hier stellt sich heraus, dass das Rad eine aufwändige Erneuerung des Antriebs braucht, was 2-300 € kosten wird. Noch in der Rücksprache mit dem Vater wird entschieden, dass der Schüler ein günstiges neues Fahrrad kauft, weil die Investitionen das alte nicht mehr lohnt. Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir den Fahrradladen mit einem neuen Rad, schließen uns mit der anderen Einkaufsgruppe zusammen, und versuchen die erste Gruppe einzuholen. Mit schneller Geschwindigkeit geht es durch die Vororte von Stockholm auf hervorragenden Radwegen. An einem See holen wir die erste Gruppe ein. 

In Stockholm schon eine Landschaft, wie man sie in Schweden erwartet

Leider stellt sich heraus, dass das Shelter, wo wir übernachten wollten, in einem Naturschutzgebiet liegt und man dort neben dem Shelter nicht zelten darf. Wir fahren etwas weiter und fragen an einem Pferdehof nach Alternativen, wo man übernachten könnte. Wir werden zwei Wege weiter geschickt, der uns auch an den See führt, am dessen Ende ein großer Platz am See ganz einsam liegt, wo wir unsere Zelte aufstellen können. Die Sonne neigt sich schon zum untergehen. Wir müssen wieder eine schnelle Truppe zusammenstellen, die 5 km zurück in den Ort fährt, um für das Abendessen und Frühstück einzukaufen. Schnell werden die Taschen ausgeräumt, so dass die schnelle Truppe mit leeren Taschen losfahren kann. So ist es schon fast dunkel, als wir das erste Essen in freier Natur kochen.

Landschaft bei Laxne

Wir sind auf dem Speckgürtel Stockholms entschwunden und mitten im Wald. Der Morgen beginnt mit einem Bad im See. Der zweite Fahrtag beginnt erst mittags, bis alles zusammen gepackt ist und die kleinen Wehwehchen an den Fahrrädern repariert worden sind. Schnell führt uns der Track von der Straße ab in den Wald, und der Weg wird immer mehr zum Schotterweg. Unsere Tour wird zum Hike and Bike.

Die erste Nacht am See

Offensichtlich gibt die Outdoor active App für das normale Rad fahren in Schweden, schwere Schotterwege an. Wir kommen kaum voran das dauernde Wechseln zwischen schieben warten und wieder Berg ab fahren ist schon sehr ermüdend. Nur kurze Strecken zwischendurch sind gut fahrbar. Wir sind jetzt weit entfernt von den hervorragenden Radwegen in Stockholm und Umgebung. Die Landschaft ist so, wie man sich Schweden vorstellt: Felsen, Blaubeeren, Fichten und Birken. Nach 20 km kommen wir endlich an eine Straße, die Hälfte der Truppe ist ziemlich erschöpft.

Schöner Zeltplatz im Naturschutzgebiet

Es gibt einen Zeltplatz in unmittelbarer Nähe in einem Naturschutzgebiet. Allerdings ist die nächste Einkaufsmöglichkeit 20 km entfernt. Wir entscheiden den Zeltplatz zu nehmen, der wunderschön zwischen zwei sehen. Unter alten Bäumen liegt. Zwei junge Männer kampieren schon auf diesem Zeltplatz, als wir mit Ihnen ins Gespräch kommen, bieten Sie an mit ihrem Auto uns zum nächstgelegenen Supermarkt zu fahren, was für uns natürlich ein großes Glück ist. So haben wir einen ersten entspannten Abend können noch baden, zu normaler Zeit Abend essen, und zum Schluss sogar noch ein kleines Feuer machen.

Wir entscheiden, die Routenplanung nur noch unter der Kategorie Rennrad durchzuführen. Wir hoffen, damit mir asphaltierte Strecken angeboten zu bekommen. Das bedeutet aber auch manchen Umweg zu fahren. Eine Schülerin müssen wir mit Begleitung zum nächsten Bahnhof verabschieden, damit sie ihre Knie schonen kann, die am Vortag extrem weh getan haben. An diesem Tag fahren wir über schöne Nebenstraßen, asphaltiert oder mit festgefahrenen feinem Schotter bedeckt, durch die schwedische Landschaft. Diese wird immer mehr wie in Bullerbü. Ich versuche, die unerfahrenen Schüler in einen Fahrrad Flow zu bringen, so dass sie wird das ewige Berg auf und Berg ab in einem kontinuierliches Fahren umsetzen können. Der letzte Anstieg zum Shelter wird allerdings noch zu einer Herausforderung: wieder geht es steil bergauf, Schieben ist angesagt, und dann wechselt der Weg wieder in diesen berüchtigten groben Schotter, in dem es sehr gefährlich ist, schneller Berg ab zu fahren. So brauchen wir für die letzten 3 km zum Shelter fast 1 Stunde. Dieser erweist sich als viel kleiner, als er auf dem Bild in der App erschienen ist. Die Wasserquelle ist ebenfalls nicht genießbar.

Schlafen auf einem Shelterplatz

Nach längerer Suche finden wir einen Schlauch an einem Holzhaus, das zurzeit nicht bewohnt scheint, in dem wir ein leicht gelbliches Wasser abzapfen können. Das benutzen wir abgekocht zum Kochen. Neun Schüler schlafen in dem Shelter, fünf unter unserem Tarp.

Die vierte Etappe soll uns nach Katrineholm bringen. In Malmkjöping mussten wir erst mal einen Wasserhahn suchen, von dort ging die Fahrt parallel neben einer Schnellstraße, aber endlich konnten wir diese verlassen und in Schwedens Natur einzutauchen. Auf kleinen Nebenstraßen fahren wir an Wäldern, Feldern und kleinen Bauernhöfen vorbei. Die Strecke ist trotzdem sehr anspruchsvoll, weil die Rampen sehr steil, kurz, und heftig sind. So lässt die Kraft der Radfahrenden doch stetig nach. Nach 58 km erreichen wir Katrineholm. Dort übernachten wir dem auf dem kommunalen Zeltplatz.

Am nächsten Tag ist Krisensitzung. Es ist deutlich geworden, dass wir mit unserem Tagesschnitt das Ziel, Malmö, nicht erreichen. Also suchen wir nach einer Alternative. Nach langer Analyse der Situation entscheiden wir uns für eine neue Strecke. Wir wollen mit dem Zug nach Göteborg fahren und dann den Nordsee Küstenradweg in Richtung Malmö zu fahren. Das sind nur 350 km und deutlich weniger Höhenmeter. die Umsetzung dieses Plans gestaltet sich aber schwierig. Mit einer Gruppe Zug zu fahren scheint in Schweden unmöglich zu sein, die Campingmanagerin bietet ihre Hilfe an, um verschiedene Alternativen zu erkunden. Ihr Bruder kann mit einem Van und einem Anhänger gegen Bezahlung unsere Fahrräder nach Göteborg bringen, während wir mit dem Schnellzug fahren.

Shelterplatz bei Malmköping

Jetzt sitzen wir in Göteborg am Bahnhof und warten darauf, dass unsere Fahrräder ankommen. Dann soll es auf neue Route Richtung Süden gehen von Göteborg nach Malmö.

Stockholm – Katrineholm, ca. 180km

Zwei Erkenntnisse habe ich nach der ersten Woche: erstens, eine Herausforderung ist eine Herausforderung. Nicht nur von der körperlichen Leistung her, sondern auch von der Organisation und dem Reagieren auf das Unvorhergesehne, siehe Pannen und vergessene Ausrüstung. Zweitens, Schweden ist nichts für Rad-Anfänger. Dafür ist das Gelände zu anspruchsvoll, auch wenn es nicht sehr hoch liegt, ist das ständige auf und ab doch extrem anstrengend, und über den Tag summieren sich schnell 5-600 Höhenmeter.